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Mo., 11. Juli 2022, 14:43 Uhr
WORTKUNST: Preisverleihung zum 4. Lampertheimer Schreibwettbewerb mit 37 Autoren
1. Preis für Annie Bush mit der Geschichte „Sie haben gewonnen!“
Die glücklichen Preisträgerinnen hatten die von Energieried gesponserten Preisgelder von Natalia Stoehr in Vertretung des Geschäftsführers Frank Kaus erhalten. Im Bild (von links vorne): Saskia Müller (3. Platz), Annie Bush (1. Platz), Sarah Illies (2. Platz) sowie (von links hinten) Erster Stadtrat Marius Schmidt, Roland Kirsch und Natalia Stoehr. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Gewinne lassen sich üblicherweise nicht vorhersehen, sonst wären wir alle Lottomillionäre. Aber es gibt Geschichten, deren magische Kraft zum Gewinn und im Falle von Annie Bush zum 1. Preis beim 4. Lampertheimer Schreibwettbewerb führte. Wobei festzuhalten ist, dass die Gewinnerin in ihrer Geschichte beim fröhlichen Ausruf „Sie haben gewonnen!“ noch nicht ahnte, was ihr blühen könnte. Der Geschichte diesen Titel zu gegeben zu haben darf als kreativer Einfall der 35-jährigen Autorin gelten, die hintersinnigen Humor und vielschichtige menschliche Eigenheiten auf unterhaltsame Weise verbindet. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, schließlich soll die Lektüre der Anthologie mit 23 Textbeiträgen insgesamt von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleiben. Was weiß man über die Zukunft, die doch noch niemand erleben konnte? Vorhersagen lassen sich erst in einigen Jahrzehnten auf ihre Qualität überprüfen, wenn die Zukunft zur Gegenwart geworden ist. Die 37 Autoren wählten eine unterhaltsame Methode, sich der Zukunft zu nähern – eine Geschichte erfinden, aufschreiben und als Kurzgeschichte oder Essay beim 4. Lampertheimer Schreibwettbewerb einreichen. Die Jurymitglieder Sandra Oettrich und Jörg Arnold, beide lehren an der Elisabeth-Selber-Schule, sowie Dr. Helmut Kaupe, ehemaliger Leiter der Erich-Kästner-Schule und als lokaler Autor bekannt, sprachen Sarah Illies für „Weniger ist mehr“ den 2. Preis zu, eine Geschichte, in derdiverse virtuelle Realitäten mit der echten Wirklichkeit im Wettstreit stehen, wie die beiden Schwestern, die ihre jeweils eigene Lebensweise bevorzugen. Machen die vielen Realitäten aber wirklich glücklicher? Die Frage ist, ob weniger mehr ist. Mit ihrem „Vermächtnis der Vergangenheit“ kam Saskia Müller auf Platz 3. Die Autorin lässt einen Mann mittleren Alters erzählen, bis dato wenig erfolgreicher Schriftsteller mit düsterem Blick auf die private und berufliche Zukunft, viele Probleme haben aktuelle Bezüge wie die gesellschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie, Klima und hohe Stromrechnungen. Doch die Geschichte hat ein glückliches Ende, beginnend mit der Erlaubnis seiner Verlegerin sein Sujet selbst zu wählen. „Es ist niemals zu spät das Leben zu leben“, lässt die Autorin ihren Protagonisten denken. Ulrich von Heyl, der zum ersten Mal am Lampertheimer Schreibwettbewerb teilnahm, erzählt keine Geschichte, er zieht in seinem Essay Bilanz, zu einem Zeitpunkt anno 2048, an dem er nicht mehr leben werde. Nach eigener Einschätzung werde er als fast 88-Jähriger nicht einmal das Ende der derzeitigen Legislaturperiode erreichen, schreibt er selbst. Die Verhältnisse auf der ganzen Welt ordnet er 2048 ein, mit Themen und Problemen, die sich aus den gegenwärtigen Entwicklungen ableiten lassen. Dabei gibt der lebenserfahrene Autor auch Anstöße für Lösungsansätze und beschreibt Erfolge, die 2048 bei der Beseitigung der Meeresvermüllung erreicht wurden. Manches mutet utopisch und eigenwillig an, doch im Grunde läuft es von Heyls Welt ein Viertel Jahrhundert später so durchwachsen wie zuvor. Diesmal wandten sich die Organisatoren des Wettbewerbsmit dem Thema „Anno 2048“ an die Mitbürger in Lampertheim und der näheren Umgebung, nachdem der 1. Lampertheimer Schreibwettbewerb 2016 mit dem Motto „Hallo Nachbar“ viele Talente zur Einreichung ihrer Geschichten ermutigt hatte, zwei Jahre später gefolgt vom Motto „… auf Sand gebaut“ und vor zwei Jahren dann der Aufruf der „Heimat“ kreativ schreibend Raum zu geben. Auf die Förderung der hiesigen eigenen Talente kommt es Erfinder Rolf Hecher an, um die Lampertheimer Kulturszene mit der Sparte Wortkunst im Rahmen von cultur communal zu bereichern, von Anfang an mit Autor Roland Kirsch an seiner Seite, der auch Herausgeber der Anthologien ist. Als Sponsor für die dauerhafte finanzielle Unterstützungerwies sich der kommunale Energieversorger ENERGIERIED mit Geschäftsführer Frank Kaus als begeisterter und verlässlicher Partner, der diesmal bei der Preisverleihung von Natalia Stoehr vertreten wurde. Von den Geschichten begeistert zeigte sich auch Erster Stadtrat Marius Schmidt, in dessen Zuständigkeitsbereich die Kultur fällt. Ein schwieriges Thema nannte er die Zukunft, mit den heutigen Megatrends Digitalisierung, Klimawandel, Dekarbonisierung, Krieg und Frieden. Dem Publikum im Sitzungssaal des Stadthauses und den Lesern wünschte er „Lust auf Zukunft und ein gesundes Maß an Optimismus“. Die Anthologie (ISBN 978-3-7546-5497-2), die in den Buchhandlungen in Lampertheim, Bürstadt und Biblis vorrätig sei, empfiehlt Schmidt als „außerordentlich lesenswert“. Als Gewinn für die Lampertheimer Kulturlandschaft lobt Schmidt den Schreibwettbewerb insgesamt. Hannelore Nowacki
Information
Die 37 Teilnehmer im Alter zwischen 11 und 88 Jahren kommen mehrheitlich aus Lampertheim (22), einige aus Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim sowie zwei Teilnehmer aus Worms. Das Preisgeld für den 1. Preis beträgt 500 Euro, für den 2. Preis 200 Euro, für den 3. Preis 100 Euro. 16 Autoren nahmen bereits mehrmals Wettbewerb teil. Die Jury erhielt die Texte anonymisiert ohne Namen der Autoren.
Im Bild die Teilnehmer des 4. Lampertheimer Schreibwettbewerbs, Organisatoren, Juroren und Verwaltung. Foto: Hannelore Nowacki