STADTENTWICKLUNG: Rundgang mit Bürgermeisterin Schader am „Tag der Städtebauförderung“ vom Marktplatz zum Historischen Rathaus
10 Jahre Marktplatz und lebendige Innenstadt gefeiert
Buntes Treiben auf dem Marktplatz Richtung Passage zur Nibelungenstraße beim Tag der Städtebauförderung und 10-jährigem Marktplatz-Jubiläum. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Wo einst das Haag`sche Gelände als geschotterter Parkplatz mit Blick auf Drahtzäune und in die Jahre gekommene Gebäude keinen Glanzpunkt in der Stadtmitte darstellte, ist vor zehn Jahren die „neue Mitte“ entstanden. Eine markante Markthalle mit offenen Seiten hat die Stadt auf diesem komplett neu gestalteten Platz bekommen, auf dem freitags der Wochenmarkt stattfindet und Parkraum für Autos gibt es auch. Frühjahrsmarkt, Stadtfest und die Kerwe haben hier ihren Mittelpunkt und bei schönem Wetter bietet sich das damals neu gebaute Back- und Brauhaus mit Biergarten zum Genießen unter freiem Himmel an. Die neu gepflanzten Bäume gedeihen ebenfalls seit zehn Jahren. „Optimal zentral in der Sonnenstadt feiern“ hatte damals der TiP getitelt. Am „Tag der Städtebauförderung“ letzten Samstagmorgen hielt sich die Sonne zurück, doch es gab Anlass für gute Stimmung unter dem Dach der Markthalle. Unter dem Motto „10 Jahre Marktplatz und lebendige Innenstadt“ hatte Bürgermeisterin Barbara Schader die Bevölkerung zu einem Rundgang mit drei Stationen eingeladen, moderiert von der geborenen Bürstädterin Yvonne Hotz, die sich als Schauspielerin und Kabarettistin auch in ihrer Heimatstadt einen Namen gemacht hat. Der Kinderchor des MGV Harmonie unter der Leitung von Michael Held begrüßte den Morgen mit einem kleinen Konzert und stimmte die Zuschauerrunde auf die Zeitreise durch die Stadt ein. Dazu passte besonders das fröhliche Lied „Schön ist es auf der Welt zu sein“.
Zeitreise und Blick auf das Erreichte
Bürgermeisterin Schader erinnerte in ihrer Rede an die zahlreichen Akteure aus der Stadtgesellschaft, die bei der Stadterneuerung mit ihren Ideen mitgewirkt hatten wie die LoPa (Lokale Partnerschaft). LoPa-Mitglied Hermann Müller sprach von der hohen Motivation, von Freude und Begeisterung. Entscheidungen mit den politischen Mitstreitern seien fast immer einstimmig gefallen. Für Bürgermeisterin Schader war der Marktplatz die erste Baustelle ihrer Amtszeit, wie Moderatorin Hotz anmerkte, mit einem „Trampelpfad“ zur Landesregierung nach Wiesbaden, um an die Fördermittel zu kommen. Ein Zusammenspiel aller sei es gewesen. Schader erinnert sich: „Ab dem Moment habe ich von der Eröffnung geträumt – mit einem Kinderfest und einer Stadtverordnetenversammlung unter der Markthalle“. So kam es dann auch vom 15. bis 18. Mai 2014. Von „Killerphrasen“ habe sie sich nicht beirren lassen und 20 Millionen Euro an Fördergeldern nach Bürstadt geholt. „Es ist unsere Stadt – lasst sie uns gemeinsam entwickeln“, ruft sie die Bürger auf. Zur damals strittigen Frage, ob ein weiteres Café sein müsse, ob nicht andere kaputt gehen würden, hatten die Ideengeber eine Antwort gefunden. Friedel Drayß aus Lorsch baute mit dem Architekten Heinz-Dieter Freudenberg ein historisches Gebäude um und verband es mit einem Neubau. Der Zuschauerrunde berichtete er, dass er in Bürstadt herzlich aufgenommen worden sei, wenngleich es anfangs nicht einfach gewesen sei. Die neue Bürstädter Mitte sieht er als „unglaubliche Aufwertung“. Davon konnten sich auch die Zuschauer an den Schautafeln überzeugen, die den Werdegang dieser Entwicklung bildlich dokumentierten. Beteiligt war von Anfang an Stadtplaner Christian Schwarzer von NH Projektstadt, der mit Kollegin Jana Simon-Bauer am Stand an der Passage zur Nibelungenstraße weitere Informationen beisteuerte. Die Bürgerbeteiligung damals sei ein Prozess gewesen, der nicht von heute auf morgen gehe. Beim Rundgang war Gelegenheit den NH-Mitarbeitern eigene Ideen mitzuteilen und auf Zetteln zu notieren.
Neue Ziele für Grünraum und Kultur
Das nächste Projekt ist die Passage, die unter dem Motto „Grün trifft Kultur“ mit mehr Grünräumen und Ruheinseln als „Chill-out-Lounge“ mit Liegestühlen und Sitzwürfeln gestaltet werden soll. „Etwas tun, damit die Stadt im Herzen lebendig bleibt“, sagte Schader an dieser zweiten Station des Rundgangs. Das Stichwort an dieser Stelle ist auch „essbare Stadt“ mit Hochbeeten, die allen Bürgern zugänglich sind. Carina Cestaro, bei der Stadt Bürstadt als Fachbereichsleiterin für Stadtplanung und Umwelt zuständig, hatte zur Veranschaulichung ein Modell mitgebracht. Kultur aus seiner Heimat Libyen in Form eigener Fotos zeigte Abdalla Gdoura in der Passage, eine Ausstellung, die er schon in Tripolis, Paris, Rostock und Mannheim gezeigt hat. „Bürstadt ist für mich Heimat“, sagt der Leiter des Interkulturellen Büros. Gleich nebenan hatten Integrationslotsen aufgetischt, was die Küche ihrer ursprünglichen Heimat an Köstlichkeiten zu bieten hat. Zugreifen und genießen war hier angesagt. Ein weiterer Stand hatte Mokka auf Sand im Angebot, der erwärme das Herz, meinte Moderatorin Hotz. Durch das lange Erhitzen sollen sich über 300 Aromen entfalten, war hier zu erfahren. Auf einer Bühne an der Nibelungenstraße beeindruckten Tänzerinnen mit tamilischen Tänzen. Nach der Station Historisches Rathaus mit einem Exkurs von Klaus-Dieter Grinda in die Heimatgeschichte und Besuch bei „MITtendrin“, dem neuen Beratungszentrum und Treffpunkt, endete später der Rundgang in der Passage mit der Gelegenheit sich auszutauschen, beim Quiz mitzumachen und Kräutertöpfchen mitzunehmen.
Unter dem Markthallendach begrüßte der Kinderchor des MGV Harmonie den Morgen mit fröhlichen Liedern. Foto: Hannelore Nowacki