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  • Di., 04. August 2020, 09:55 Uhr
    Christiane Michel-Ostertun brachte das Publikum zum Strahlen

    16. Lampertheimer Orgelsommer 2020 eröffnet 

    Christiane Michel-Ostertun vor Konzertbeginn. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Immer sonntags im August um 20 Uhr erklingt die Vleugels-Orgel in der Domkirche zum Lampertheimer Orgelsommer. So ist es auch in diesem Jahr wieder. Und das bei freiem Eintritt. Faszinierende Klangerlebnisse erzeugte die Orgel am vergangenen Sonntag unter den kundigen Händen von Christiane Michel-Ostertun, die dem Publikum mit einem sorgsam ausgesuchten Programm einen Spannungsbogen von umwerfend kraftvollen Klangwelten bis hin zum hellen zarten Klang wie von Westminsterglocken aus Pièces de Fantasie Carillon de Westminster von Louis Vierne ermöglichte. Am Ende, nach einer guten Stunde, klatschten die Konzertbesucher nach Kräften im Stehen Beifall und erhielten dafür zur Belohnung noch eine schöne Zugabe. Kantorin Heike Ittmann hat für diesen 16. Orgelsommer das Thema „Komponistinnen“ gewählt, dennoch bekommen auch die männlichen Komponisten ihren Platz im Programm. Nur wenige Komponistinnen seien bekannt, erklärte Ittmann in ihren einführenden Worten. Die Gründe dafür sind vielfältig, es gebe viele Stücke, die nicht oder nur unter dem Namen eines männlichen Verwandten verlegt wurden. „Öffnen Sie Ihre Ohren für die Frauen unter den Komponisten“, rief Ittmann dem Publikum zu. Eine leichte Aufgabe, wie sich in der folgenden Stunde zeigte. An der Orgel hatte zudem eine Frau Platz genommen, die Ittmann aus begreiflichen Gründen „eine unglaubliche Frau“ nannte, die sie auch als Freundin willkommen hieß. Christiane Michel-Ostertun, die in Mannheim wohnt, verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat, ist Professorin für Orgel-Improvisationen an den Hochschulen für Kirchenmusik in Herford und Heidelberg, hat mehrere Lehrbücher veröffentlicht – und sie komponiert. Werke für Orgel, Chor, Bläser und Oratorien mit szenischen Elementen und Orgelkonzerte für Kinder hat sie geschaffen. Ittmann berichtete dem Publikum von einer vielfältig engagierten Christiane Michel-Ostertun, die auf einem eigenen Youtube-Kanal präsent und sportlich aktiv sei. Michel-Ostertun sieht sich mit ihren Kompositionen zwar in der Moderne, jedoch „postromantisch“. Die Komponistinnen in ihrer Programmauswahl hatten es im Leben nicht leicht, erklärte Michel-Ostertun dem Publikum. Elisabeth Stirling (1819-1895) wurde der akademische Titel trotz erfolgreichen Studienabschlusses verwehrt und Elfrida Andrée (1841-1929) durfte nicht an der königlichen Musikschule studieren, wurde dann aber immerhin die erste festangestellte Organistin in Schweden. Allerdings erst nachdem sie mit ihrem Vater ein entsprechendes Gesetz erwirkt hatte. Cécile Chaminade (1857-1944) hatte einen Vater, der ihr das Studium an der Pariser Musikakademie verbot. Im Programm vom 17. Jahrhundert bis heute hatte Michel-Ostertun dem Hochbarock, der Frühromantik und der französischen Spätromantik Raum gegeben, mit Stücken von Dietrich Buxtehude (1637-1707), Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Louis Vierne (1870-1937). Michel-Ostertun brillierte mit eigenen Stücken, darunter drei Präludien zur Abendzeit und ihrer Suite Romantique. Der Eintritt zum 16. Lampertheimer Orgelsommer ist frei, Spendenkörbchen am Ausgang wurden am Sonntag gerne auch mit Scheinen gefüllt. Üblicherweise würde der Eintritt 7 Euro kosten. Einiges ist anders in dieser Coronazeit. Mund-Nasen-Schutz ist angesagt bis der zugewiesene, namentlich gekennzeichnete Platz erreicht ist. Mit etwa 80 Konzertbesuchern ist die  Domkirche weiträumig besetzt, mit jeweils einer Bankreihe Abstand wird den Abstandsregeln entsprochen. Am nächsten Sonntag, den 9. August ist Jochen Steuerwald aus Speyer mit Werken von Martinez, Rinck, Boulange und Vierne zu Gast. Noch seien einige Platzreservierungen zu haben, gab Kantorin Heike Ittmann bekannt. Hannelore Nowacki

    Kantorin Heike Ittmann stellte als Gast des Abends Komponistin und Organistin Christiane Michel-Ostertun vor und erläuterte die besonderen Regeln in der Coronazeit. Foto: Hannelore Nowacki

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