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  • Fr., 16. Februar 2024, 07:30 Uhr
    ARZTVERSORGUNG: Ärztlicher Bereitschaftsdienst ÄBD in Lampertheim schließt zum 1. April / Personalmangel Dreh- und Angelpunkt

    Versorgung beim ÄBD in Heppenheim gesichert

    Diese Tür zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst Hessen in Lampertheim am Hintereingang des St.-Marien-Krankenhauses bleibt ab 1. April für Ratsuchende verschlossen. Foto: Hannelore Nowacki

    Diese Tür zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst Hessen in Lampertheim am Hintereingang des St.-Marien-Krankenhauses bleibt ab 1. April für Ratsuchende verschlossen. Foto: Hannelore Nowacki

    LAMPERTHEIM – Bei einem lebensbedrohlichen Krankheitsfall wählt man den Notruf 112. Aber was tun, wenn man an einem Samstag, Sonntag, Feier- oder Brückentag krank wird und für Husten oder Bauchweh ärztlicher Rat und ein Rezept nötig ist?

    Die Hausarztpraxis ist zwar geschlossen, aber es gibt für diese Fälle im Rahmen der hausärztlichen Versorgung bekanntlich den Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) Hessen, zum Beispiel in Lampertheim die ÄBD-Zentrale am St.-Marien-Krankenhaus von 8 bis 16 Uhr mit einem Arzt vor Ort. Das Schild am Eingang verrät jedoch, dass die ÄBD-Zentrale in Ausnahmefällen oder Notfällen unbesetzt ist. Dann fährt man eine andere ÄBD-Zentrale an, die nächste in Heppenheim oder holt sich Rat unter der kostenfreien Telefonnummer 116117.

    Doch ab 1. April schließt die Lampertheimer ÄBD-Zentrale für immer. Eine Neuigkeit, die den Lampertheimer Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Walter Seelinger letzte Woche dann doch überraschte. Auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) ist darüber nichts zu erfahren. Sein Kollege, Dr. Matthias Früh, ebenfalls Lampertheimer Allgemeinmediziner, weiß als Obmann für die ÄGD-Zentralen, warum das so kam und hat sogar eine positive Nachricht. Auf Nachfrage erklärte er dem TiP gegenüber, die hausärztliche Versorgung durch das ÄBD-Angebot in Heppenheim sei gesichert und betont: „Heppenheim kann das Problem auffangen“. Grund für die Schließung in Lampertheim sei der Personalmangel, das sei der Dreh- und Angelpunkt.

    Als Obmann ist er mit Kollegen für die ärztlichen Dienstpläne an den drei Standorten Lampertheim, Heppenheim und Lindenfels zuständig und versichert: „Wir mussten die Lampertheimer Zentrale schließen“. Durch die Altersgrenze von 65 Jahren fallen die nicht wenigen niedergelassenen Kollegen dieser Altersgruppe für die verpflichtenden Bereitschafts- und Nachtdienste aus. Und wie überall in Deutschland im ländlichen Raum, gebe es kaum jüngeren Ärztenachwuchs, der eine Praxis übernimmt. Allein im hiesigen südhessischen Gebiet von Groß-Rohrheim bis Viernheim gebe es ein Dutzend freier Hausarztsitze. Auch die KV, zuständig für das nichtärztliche Personal der ÄBD-Zentralen, habe Stellen nicht besetzen können, mit der Folge zeitweiser Schließungen bereits in der Vergangenheit. Dazu komme, dass die Lampertheimer Zentrale schon länger wenig frequentiert gewesen sei. Stattdessen strömten wohl viele Leute in die Notaufnahmen der Krankenhäuser.

    Komplexes Thema
    Ein komplexes Thema, wie auch Dr. Seelinger meint, der in der Zukunft eine „Verwaltung des Mangels“ sieht, wenn sich immer weniger Ärzte niederlassen wollen. Schon jetzt seien wir in dieser Region in der Unterversorgung. Das sieht auch die Bürstädter Allgemeinmedizinerin Elfi Hoffmann so, es sei eine schleichende Entwicklung gewesen. Wenn die ÄBD-Zentrale in Heppenheim um Mitternacht Feierabend hat, komme der Fahrdienst zum Einsatz, erklärt Dr. Früh, doch nach Millionenverlusten in dieser Gegend durch zu geringe Auslastung wegen der vielen sehr langen Fahrstrecken habe die KV eine Sparmaßnahme eingeführt: Die Notdienstärzte sind bei ihren nächtlichen Hausbesuchen im Kreis Bergstraße allein ohne Fahrer im Odenwald, an der Bergstraße und im Ried unterwegs. Besonders für die Notdienstärztinnen sei das nicht einfach, meint auch Elfi Hoffmann, die den Wegfall als Super-GAU sieht.

    Nachdem nicht mehr genug freiberufliche Ärzte einspringen, seien die niedergelassenen Hausärzte vermehrt im Einsatz, die schon durch ihre vollen Praxen ausgelastet seien. Der regionale Hintergrunddienst ist ein weniger bekannter Begriff, den Dr. Seelinger erläutert: Wenn der Bereitschafts- und Notdienst wegen überraschender Ausfälle, zum Beispiel wegen Krankheit, nicht besetzt werden kann, seien neuerdings niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen in der Pflicht.

    Hannelore Nowacki


    Der Ärztliche Bereitschaftsdienst Hessen in Heppenheim ist ab 1. April für das Ried und die Bergstraße zuständig (Viernheimer Straße 2a, beim Kreiskrankenhaus). Der ÄBD in Lindenfels versorgt den Odenwald. Foto: Hannelore Nowacki


     

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