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  • Mo., 29. Oktober 2018, 09:54 Uhr
    AWO-Schuldnerberatung - Drei Sparkassen spenden gemeinsam 14.500 Euro

    516 Menschen persönlich beraten und 490 Telefonate 

    14.500 Euro spendeten die drei Sparkassen gemeinsam zur Unterstützung der AWO-Schuldnerberatung.  Im Bild (von links): Geschäftsführer der AWO Bergstraße Soziale Dienste Sebastian Parker, Fachberaterin Melanie Schilling, Andrea Dietzel (Sparkasse Bensheim), Bereichsdirektor Klaus Thieme (Sparkasse Starkenburg), Gebietsdirektorin Martina Desch (Sparkasse Worms-Alzey-Ried in Bürstadt), AWO-Schuldnerberater Peter Kellermann und Vorstandsmitglied Wolfhard Hensel (Sparkasse Worms-Alzey-Ried). Foto:  Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – „Im Kreis Bergstraße sind 8,95 Prozent der Erwachsenen als überschuldet anzusehen“. Diese Zahl nannte Peter Kellermann, Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung der AWO Bergstraße am Freitag bei der Vorstellung der wichtigsten Informationen für das Jahr 2017, bei der auch die drei Sparkassen vertreten waren, die im Kreis Bergstraße tätig sind. Als Ursachen der Überschuldung nannte Kellermann die „Big Five“ – Arbeitslosigkeit, Trennung und Scheidung, Sucht, Konsumverhalten und Krankheit.  Im ländlichen Raum wie in Wald-Michelbach gebe es mit 7 Prozent weniger Überschuldete, ganz vorne bei den am meisten vertretenen Wohnorten liege Lampertheim mit 21,5 Prozent, gefolgt von Viernheim mit 20,4 Prozent und Bürstadt mit 10,3 Prozent. Die vier AWO-Berater der gemeinnützigen AWO Bergstraße Soziale Dienste gGmbH in der Nibelungenstraße 164 haben im vergangenen Jahr 516 Personen persönlich beraten: 256 Frauen und 260 Männer. Stark vertreten war die Altersgruppe 25 bis 50 Jahre mit 321 Beratungen, die unter 25-Jährigen waren mit 35 Personen gering vertreten, ebenso die über 65-Jährigen mit 32 Personen. Gegenüber 2016 stellte Kellermann insgesamt eine Steigerung fest. Bei der Telefonberatung gehe es um die Vorabklärung von Sachverhalten und um Terminvergabe, die Berater lassen sich Rahmendaten geben und erteilen rechtliche Auskünfte, erklärte Kellermann. Mit insgesamt 318 Personen 490 Mal telefoniert. Kellermann, der seit 2000 in der AWO-Schuldnerberatung Bergstraße tätig ist, sagte mit Blick auf die seit Jahren steigende Tendenz: „Die Schuldnerberatung wird es immer geben“. Landesweit gebe es weniger Verbraucher- und Firmeninsolvenzen, nicht jedoch im Landkreis Bergstraße. Positiv wertete er die 15 erfolgreich abgeschlossenen außergerichtlichen Einigungen im Rahmen der Insolvenzordnung. 104 Personen hätten diesen Weg versucht. Bei den 101 Insolvenzanträgen ging es 84 Mal um Verbraucherinsolvenz, Selbständige und ehemals Selbständige stellten 17 Mal einen „Regelinsolvenzantrag“. Bis es überhaupt zur Restschuldbefreiung komme, vergehen in der Regel 6 Jahre, bei Verkürzung seien es 5 Jahre. Im Jahr 2017 sei etwa 70 Personen die Restschuldbefreiung erteilt worden. In laufenden Verfahren werden zurzeit 550 Personen nachbetreut, davon sei bei 100 Personen ein größerer Aufwand mit Kontakten zum Insolvenz-Verwalter und –Gericht nötig. Ein Großteil der seit 1999 begleiteten Insolvenzen sei erfolgreich gewesen. Wer sich auf eine gewerbliche  Schuldnerberatung einlasse, riskiere in eine weitere Schuldenfalle zu tappen, erläuterte Kellermann, der solche Fälle aus seiner Arbeit kennt. Erst in den nächsten vier bis fünf Jahren rechnet Kellermann mit einer stärkeren Rolle von Migranten, die sich im Umfeld von Miete, Energiekosten und Verträgen schwertun. Große Hürden für ehemalige Schuldner sieht Kellermann bei der Schufa, deren Eintrag noch drei Jahre nach der bestehe. Dadurch könne es zur Ausgrenzung bei der Wohnungssuche kommen, auch wenn niemals Mietschulden gemacht wurden. Andererseits gebe es Wunschvorstellungen „für das Leben danach“, die mit Krediten erfüllt werden sollen. Auch Martina Desch, Gebietsdirektorin im Privatkundengeschäft der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, kennt diese Fälle, die sie jedoch differenziert sieht. Beispielsweise könne es notwendig sein einen Autokredit zu beantragen, um zur Arbeitsstelle zu kommen. Wolfhard Hensel, Vorstandsmitglied der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, der seit 24 Jahren zur Spendenübergabe kommt, sprach der AWO-Schuldnerberatung für „so viel Herzblut“ bei der Arbeit seine Anerkennung aus. Mit Blick auf den Weltspartag am 30. Oktober wies er darauf hin, dass „Kredit und Sparen“ zusammenhängen, denn es gehe in beiden Fällen darum vom Einkommen etwas abzugeben. 

    Prävention beginnt in der Schule

    Fachberaterin Melanie Schilling berichtete von der Präventionsarbeit, die von der Sparkassen-Spende profitiere. Damit es gar nicht erst zu einer Überschuldung kommt, bietet die AWO-Schuldnerberatung seit 2009 im Bereich Prävention Schulen ein Projekt an, das unter dem Titel „Mein Auto, mein Konto, meine Wohnung!“ mittlerweile an elf Schulen aller Schulzweige durchgeführt wird, darunter drei Gymnasien mit Erich-Kästner-Schule Bürstadt und Litauischem Gymnasium Hüttenfeld, die  berufsbildende Heinrich-Metzendorf-Schule in Bensheim, die beiden Realschulen Alfred-Delp-Schule Lampertheim und Friedrich-Fröbel-Schule Viernheim, die Hauptschule der Erich-Kästner-Schule und mehrere Lernhilfeschulen. An der „Projektwoche Lampertheim“ nehmen die Alfred-Delp-Schule, die Biedensandschule und die  Nibelungenschule Hofheim mit etwa 70 Schülern teil. Im Simulationsspiel lernen die Jugendlichen, wie der fiktive Azubi Anton seinen ersten Haushalt gründet und dabei zahlreiche ökonomische und rechtliche Entscheidungen zu treffen hat. Hannelore Nowacki

     

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