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  • Do., 09. Juli 2015, 16:01 Uhr
    Landesbeauftragte überbringt Glückwünsche und Grüße der Landesregierung zum Jubiläum und Johannisfest

    65 Jahre Litauisches Gymnasium in Hüttenfeld

    HÜTTENFELD - Das 65. Jubiläum des  Privaten Litauischen Gymnasiums wurde von der Schulgemeinde gemeinsam mit vielen aus aller Welt angereisten ehemaligen Schülerinnen und Schülern mit einem großen Fest in der Johannisnacht gefeiert. Dazu gratulierte Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf und überbrachte herzliche Glückwünsche des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und von Staatsminister Stefan Grüttner.

    Das Private Litauische Gymnasium mit Sitz im südhessischen Lampertheim-Hüttenfeld ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule mit angeschlossenem Internat mit den Klassen 5 bis 13, das je zur Hälfte von 200 litauischen und deutschen Schülern und Schülerinnen besucht wird. Die Unterrichtssprache ist litauisch und deutsch.

    In ihrem Grußwort führte die Landesbeauftragte aus: „Das Litauische Gymnasium ist etwas Besonderes in Hessen. Es ist einzigartig in unserem Bundesland, in Deutschland, in Europa und sogar weltweit. Es wird von Kindern von Litauern aus aller Welt und von Kindern von Spätaussiedlern, aber auch Einheimischen besucht. Damit findet an diesem Schulort Integration, Verständigung und Erziehung zu interkultureller Toleranz in wunderbarer Weise und seit 65 Jahren sehr erfolgreich statt.“

    Hauptziel im Litauischen Gymnasium sei eine Erziehung im christlichen und europäischen Geiste. Seit der Unabhängigkeit Litauens werde die Schule auch von Jugendlichen aus Litauen besucht, die hier die deutsche Sprache erlernen und ihr Abitur erwerben, um so in Deutschland studieren zu können. „Dies ist auch ein Beitrag, die über 40 Jahre währende Teilung Europas ganz praktisch zu überwinden“, sagte Ziegler-Raschdorf. Das Land Hessen freue sich über die exzellenten Beziehungen zwischen den beiden Ländern Litauen und Deutschland und unterstütze die anerkannte Ersatzschule mit Zuschüssen. Seitens des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration wird darüber hinaus auch der Betrieb des Internats unterstützt, um externen Schülern, deren Eltern den Internatsbeitrag nicht aufbringen können, den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen. Derzeit hat das Gymnasium 55 Internatsschülerinnen und -schüler.

    Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf gratuliere anlässlich der Johannesnacht dem Litauischen Gymnasium zum 65. Jubiläum. Foto: oh


    Die Landesbeauftragte erinnerte an das selbst vielen Deutschen unbekannte Schicksal der ostpreußischen „Wolfskinder“, die im II. Weltkrieg ihre Eltern verloren, sich in den Wäldern verstecken und alleine durchschlagen mussten. Es sollen etwa 5.000 gewesen sein. Viele seien verhungert oder an Entkräftung gestorben. „Einigen gelang, was die Eltern ihnen noch auf dem

    Sterbebett aufgetragen hatten: sie gelangten bis nach Litauen, wo sie von Litauern unter eigener Lebensgefahr als ihre eigenen Kinder ausgegeben und aufgezogen wurden. Durch den Mut und die Hilfe der Litauer konnten dadurch viele Kinder überleben. Dafür möchte ich allen Litauern aus tiefstem Herzen danken“, so Ziegler-Raschdorf. Es sei eine bittere, aber am Ende auch gute

    Geschichte, die Litauer und Deutsche in besonderer Weise verbinde. Sie sprach den Wunsch aus, auf diesem gemeinsamen europäischen Weg unbeirrt weiter zu gehen und damit beispielgebend auch für andere Länder zu sein.

    Als einziges Litauisches Gymnasium im Ausland habe sich die Schule im Laufe der Jahrzehnte zu einem wichtigen kulturellen Zentrum aller Litauer entwickelt und jahrzehntelang alle Litauer im Westen vereint. Damit sei sie zu einem Symbol der Solidarität und des Freiheitswillens geworden. Die Schule werde heute als moderne, europäisch ausgerichtete und christliche Institution geführt,  betonte die Landesbeauftragte zum Ende ihres Grußwortes und übergab an Frau Schulleiterin Janina Vaitkiene ein Paket mit Büchern für den Schulunterricht.

    Im Schlosspark unter der großen Eiche wurden von Schülerinnen und Schülern des Litauischen Gymnasiums in litauischer Tracht Lieder und Volkstänze dargeboten. Ein reichhaltiges Unterhaltungs- und Verpflegungsprogramm erfreute ehemalige und jetzige Schüler und die zahlreich anwesenden Gäste. zg

     

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