Anglervereine und Wassersportverein helfen dem Aal
Aale vom Aussterben bedroht
Karl-Heinz Barchfeld, Jürgen Bösche und Manfred Back beteiligten sich an der Jungaale-Aktion. Foto: oh
LAMPERTHEIM - Mit zwei Booten beteiligen sich am Samstag zwei Lampertheimer Angelvereine und der Wassersportverein (WSV) an einer den ganzen hessischen Rheinstrom umfassenden Aal-Besatzaktion. Insgesamt werden 50.000 Jungfische auf 107 Kilometern im Rhein und in Nebengewässern verteilt – im Rheinstrom 500 Stück und in den Altrheinen 200 Stück pro Kilometer. Fünfzehn Boote hessischer Angler beteiligten sich insgesamt, um die Verteilung der Jungfische auf der Gesamtstrecke sicherzustellen – kostenlos und ehrenamtlich. Teure Profis hätte sich die Hessische Landgesellschaft nicht leisten können. Aus Lampertheim mit dabei sind der Anglerclub Freundschaft e. V. (ACF) mit Karl-Heinz Barchfeld und dem 1. Vorsitzenden Manfred Back, vom WSV nahm Schiffsführer Jürgen Bösche mit einem 4,75 Meter langen Motorboot teil, der Angelsportverein 1920 e. V. Lampertheim war mit Gewässerwart Matthias Seidenspinner und Bernd Tiefelt vertreten. Der ACF wird die rund fünf Kilometer lange Strecke am Altrhein vom Bau bis zur Mündung und Fretter Loch mit 1.000 nur bleistiftdicken Jungaalen besetzen, die rund 20 Zentimeter lang und zehn Gramm schwer sind. Die Helfer vom ASV tun das gleiche auf dem Rheinstrom von Kilometer 440 bis 448, sie werden mit 4.000 Jungaalen in den gut belüfteten Transportbehältern von der Steganlage des Wassersportvereins ablegen. Die Aufgabe ist nicht ganz einfach: Die vom Transport ohnehin gestressten Tiere müssen nach dem Aussetzen möglichst schnell eine sichere Deckung erreichen, um sich erholen zu können. Ohnehin gibt es Stress, wenn an guten Stellen Löcher oft schon von anderen Arten besetzt sind, zum Beispiel von den nichtheimischen Schwarzmeer-Grundeln. Konkurrenz untereinander können die kleinen Kerlchen da nicht gebrauchen – sie müssen also vom ganz langsam fahrenden Boot aus einzeln oder höchstens paarweise möglichst nahe an den bevorzugten Deckungsstrukturen verteilt werden. Der Verband Hessischer Fischer koordiniert die Aktion der Angler, die durch Dr. Egbert Korte vom Institut INGA im Auftrag des RP Darmstadt wissenschaftlich begleitet wird. Die Besatzaale werden von der Fischzucht Hermann Rameil in Fritzlar geliefert und von der Hessischen Landgesellschaft bezahlt, die das Fischereirecht des Landes am Rheinstrom verwaltet. Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) kam früher in allen großen hessischen Fließgewässern vor und war für die Fischerei an Rhein, Main, Neckar, Fulda und Weser wirtschaftlich von hoher Bedeutung. Europaweit wird seit den 1970er Jahren ein enormer Bestandsrückgang verzeichnet, fast ausschließlich durch menschengemachte Ursachen. Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Art hat der Rat der Europäischen Union die Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 vom 18. September 2007 erlassen. Diese EU-Aalverordnung sieht Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestands vor, mit dem Ziel, die durch menschliche Einflüsse bedingte Sterblichkeitsrate so weit zu verringern, dass mindestens 40 Prozent der ehemals vorhandenen Biomasse an „Blankaalen“ (Abwanderstadium des Aals) das Meer erreicht. Damit verbunden ist auch die langfristige Sicherung des Aals als Nahrungsgrundlage für den Menschen. Innerhalb Deutschlands wird für jede Flussgebietseinheit ein Aalbewirtschaftungsplan erstellt, Landes-Fischereigesetze werden vereinheitlicht und verschärft (Verlängerung der Schonzeit, Anhebung des Schonmaßes usw.). zg