KULTUR AUF DEM WOCHENMARKT: In der zweiten Folge begeisterte die MIL Walking Band die Wochenmarkt-Besucher / Kulturprogramm soll weiter ausgebaut werden
„Aber Fisch gibt’s nur samstags für mich“
Sorgte bei den Wochenmarktbesuchern für gute Laune: Die MIL Walking Band. Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – War sie Comedy-Act, Fernweh-Generator, Tanz-Kapelle oder Zeitmaschine? Warum „oder“? Sie war multi-musikalische Einheit alledem – die zweite Folge der Reihe „Kultur auf dem Wochenmarkt“ in diesem Jahr. Am vergangenen Samstag gaben sich die MIL Walking Band die Ehre auf dem Schillerplatz und spielten mit einem Potpourri aus den verschiedensten Musikstilen auf. Das faszinierende daran: Die Lieder aus ihrem scheinbar unerschöpflichen Repertoire legten die Tonkünstler jedes Mal aufs Neue mit einer gewissen Situationskomik aus.
Der Regen schien explizit für den Auftritt der fünf Musiker eine Pause einzulegen, doch kalte Finger blieben diesen leider nicht erspart. Helmut Wehe an der Gitarre nahm das schon sehr früh zum Anlass, passenderweise das Lied „I scream“ (… for ice cream) auszusuchen. Der musikalischen Qualität taten die kühlen Temperaturen jedoch keinen Abbruch, auch wenn die Holzinstrumente schon mal nachgestimmt werden mussten. „Das sind wir ja vom Weihnachtsmarkt gewohnt“, schmunzelte Wehe. Der Bassist Frank Willi Schmidt gestand, dass er eigens für die Auftritte im Freien ein separates Instrument habe. Auch Günter Fröhlich hatte ein passendes Akkordeon gewählt – allerdings nicht der Witterung wegen: Das Kinder-Akkordeon sei im Gegensatz zu seinem großen Bruder wesentlich leichter und für den Auftritt mit der Walking Band das angenehmere Instrument.
Der Name „Walking Band“ war auch an diesem Tag Programm, wandelte das Quintett doch von Marktstand zu Marktstand und hob die jeweils angebotene Warengruppe in der Wahl seiner Lieder hervor. So wurde aus „All of me“ kurzerhand „Käsezeit“, beim Bauern flossen die zur Auswahl stehenden Gemüsesorten in den Text ein, der Feinkost-Stand wurde mit „L’Italiano“ besungen und beim Fisch-Wagen wurde aus dem größten Hit der Nilsen Brothers die einmalige Sonderausgabe „Aber Fisch gibt’s nur samstags für mich“. Bei „Seemann, deine Heimat ist das Meer“, entlockte Alex Kiesow seinem Saxofon gekonnt den Klang eines Nebelhorns und Hans-Jürgen Götz legte bei mehreren Stücken mit seinem minimalistischen Schlagzeug große Soli hin.
Den Musikern war der Spaß am Musizieren an ihren Gesichtern abzulesen und die Gute Laune, die sie an den Tag legten, übertrug sich zusammen mit dem Rhythmus in Windeseile auf das Publikum. Während die Musik den einen zumindest ein Lächeln ins Gesicht zauberte, blieben andere explizit zum Zuhören stehen, wippten Wartende mit dem Fuß, vergaß manch einer sein Wechselgeld entgegenzunehmen oder sangen einige Zuhörer mit. Ein Mutter-Tochter-Gespann ließ sich sogar dazu hinreißen, bei einem flotten Rock’n’Roll begeistert das Tanzbein zu schwingen. Quer durch die Generationen begeisterten sich die Marktbesucher für die Teils mehrstimmig gesungenen Lieder. Einige waren sogar nur wegen der Musik gekommen. „Besser wie ‘ne Rolle Tabletten vom Doktor!“, tat eine Seniorin ihre Meinung kund und der kleine Mads erfragte mit seinen viereinhalb Jahren interessiert Informationen über die Instrumente.
Über die Samstage mit kulturellem Highlight erzählte Erster Stadtrat Marius Schmidt: „Wir haben feststellen dürfen, dass der Wochenmarkt noch besser besucht ist und den Besuchern noch mehr Spaß macht. Das ist ein Anker, um weitere Beschicker anzulocken.“ Die „Biedensand Braubeuter“, erklärte er, werden in diesem Jahr beispielsweise an jedem Kultur auf dem Wochenmarkt-Termin vertreten sein. „Einkaufen beim Bass-Solo ist eben einmalig. Das gibt es nur in Lampertheim“, freut sich Schmidt, dass sich die Kultur-Reihe so etabliert hat und dankte den Musikern herzlich im Namen der Stadtverwaltung.
Dirk Dewald erwähnte gegenüber dem TIP, dass man bereits Gespräche über eine Erweiterung des kulturellen Angebots führe. Man erachte es als sinnvoll, auf Straßenmusiker zugehen, um sie darauf hinzuweisen, dass das Musizieren am Vormittag des jeweils letzten Samstags im Monat wegen der Auftritte im Rahmen der Kultur auf dem Wochenmarkt unrentabel sei. Aus dieser Not heraus habe man ein neues Projekt geboren: Würden die Musikanten in diesem Zuge Ihre Kontaktdaten mitteilen, könnte man für sie ebenfalls eine solche Plattform schaffen. Die Ideen gehen sogar über das Musikalische hinaus und umfasst die gesamte Bandbreite der kulturellen Möglichkeiten. „Manchmal,“ schloss Schmidt, „sind’s die kleinen Ideen für die große Lebensqualität.“ Nadine Schütz