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  • Do., 22. Oktober 2015, 17:07 Uhr
    Neue Serie: TIP stellt Flüchtlingshilfen im Nibelungenland vor / Heute: Koordinierungskreises der Flüchtlingshilfe Lampertheim

    Ängste abbauen und aktiv die Integration fördern

    Sprache ist das A und O, um eine Zukunft in Deutschland zu haben. Dies wissen auch die Flüchtlinge. Foto: oh


    LAMPERTHEIM – Angesichts der aktuellen Situation rund um die Flüchtlinge und der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer startet der TIP eine neue Serie. In dieser wird einmal wöchentlich eine Organisation, Institution oder Verein vorgestellt, die sich aktiv für die Integration von Flüchtlingen in Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim einsetzen. Den Beginn macht der Koordinierungskreises der Flüchtlingshilfe Lampertheim, dessen Vorsitzender Kurt Stass die Redaktion des TIP zu einem Gespräch besuchte.

    „Wir haben hier in Lampertheim ein gutes Klima, was das Thema Flüchtlinge angeht, und wir sollten alles dafür tun, dass dies auch so bleibt”, betonte Kurt Stass mit Blick auf andere Gemeinden, in denen es immer wieder zu Demonstrationen und sogar Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime kommt.
    Dazu gehöre auch, dass auch die Flüchtlinge sich ebenfalls einbringen: „Eine persönliche Betreuung ist dabei unabdingbar”, weiß Stass. „Deshalb gehen wir zu den Menschen und in die Unterkünfte, arbeiten dort direkt mit ihnen und machen ihnen klar, dass sie alle Möglichkeiten bekommen, um in Lampertheim zu bleiben. Dazu müssen sie aber auch selbst etwas tun. Die Flüchtlinge wissen, dass gute Sprachkenntnisse der Schlüssel zur Erlangung einer Arbeitsstelle sind. Deswegen schätzen sie den Sprachunterricht, den Ehrenamtliche, dreimal wöchentlich anbieten, sehr und lernen hoch motiviert.” Derzeit laufen zwei Programme, eines auf ehrenamtlicher Basis, bei dem die normale Kommunikation im Vordergrund steht, damit die Flüchtlinge sich in ihrer neuen Heimat verständigen und zurecht finden können, und die Kurse der vhs, einer intensiven Sprachausbildung, die mit dem Zertifikat A1 als Abschluss endet. „Wir sind streng mit den Flüchtlingen, sie müssen lernen, sich an Regeln zu halten, sie müssen sehen, dass man arbeiten muss. Wir geben eine Ausbildung in Form von Sprachunterricht und erwarten, dass sie dies mit regelmäßiger Teilnahme, Pünktlichkeit und aktiver Integration zurückgeben.”
    Generell sei davon auszugehen, dass viele der 230 Flüchtlinge, die derzeit in Lampertheim untergebracht sind, als Aslysuchende angenommen werden und dann auch in der Region bleiben. Denn ob aus Syrien oder aus Eritrea, wo die meisten schutzsuchenden Menschen herkommen, in beiden Ländern herrschen Krieg und Verfolgung. „Es gibt nichts besseres, als wenn wir für die Zukunft vorsorgen”, ergänzte Stass. Und dies gehe am Besten durch eine gelungene Integration, für die Manpower viel mehr wert als Geld sei, da man diese nicht kaufen kann. „Ohne die zahlreichen Helfer wären die Flüchtlinge allein, es gäbe keine Eingliederung, sie würden sich nicht in Vereine und Sprachkurse einbringen. Wir müssen diesen Menschen helfen, indem wir sie eingliedern und ihnen Selbstvertrauen zurückgeben, wir dürfen sie nicht alleine lassen. Hier sind Vereine, insbesondere die Sportvereine, Kirchen und die gesamte Gesellschaft gefordert.”
    200 Vereine gibt es in Lampertheim, wenn jeder einen Flüchtling aufnehmen würde, könnten diese statistisch untergebracht werden. Dass dies natürlich schwierig, da nicht jeder Interesse an jedem Verein hat, ist den Verantwortlichen der Lampertheimer Flüchtlingshilfe bewusst. Aber jeder Schritt zählt. „Es ist wichtig, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, eine große Hilfe war uns hier die Viernheimer Initiative, die bereits sehr früh sehr weit in der Organisation war. Dort habe ich geschaut, was für Lampertheim umsetzbar war, und dies entsprechend auf die jetzt bestehende Struktur umgebaut”, ergänzte Stass.
    Insgesamt fünf Arbeitskreise konnten so aktiviert werden, mehr als 100 Lampertheimer engagieren sich dabei für die Flüchtlinge. Der eine dauerhaft, der andere eine Stunde in der Woche, je nachdem was er einbringen möchte oder auch kann. Vom Deutschunterricht über die Begleitung zum Arzt bis
    ist vieles möglich. „Generell benötigen wir aber weitere Unterstützung, zumal die Flüchtlingszahlen steigen. Auch wenn wir nicht für jeden direkt etwas zu tun haben, seine Zeit, in der er benötig wird, wird kommen”, hofft Kurt Stass auf weiteren Rückhalt aus der Bevölkerung. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich gerne telefonisch unter 06206/910707 und 01726209730 sowie per E-Mail unter Kurtstass@googlemail.com  direkt an ihn wenden.
    Ein positives Beispiel der erfolgreichen Arbeit, die jüngst im ZDF dokumentiert wurde, ist der Arbeitskreis Arbeit: Hier wurden mehrere Arbeitgeber gefunden, 20 Flüchtlinge sind bereits in Tätigkeiten vermittelt und werden alle mindestens nach Mindestlohn bezahlt. „Es wird niemand ausgenutzt. Die größte Schwierigkeit ist bei uns nicht die Wirtschaft, die uns gut unterstützt, sondern die Bürokratie und Politik, das größte Hemmnis ist hierbei die Bundespolitik”, wirkt Kurt Stass verärgert. „Egal ob finanziell oder kommunikativ.”

    Sorgt mit seinem Team für einen möglichst reibungslosen Ablauf der Flüchtlingshilfe in Lampertheim: Kurt Stass, Foto: Benjamin Kloos


    Begeistert zeigt er sich von der Hilfe vor Ort: „Die Helfer opfern Freizeit und nehmen die Betreuung vor, und dies alles unentgeltlich. Herzlichen Dank dafür! Auch die Zusammenarbeit mit Horst Schmitt und Bürgermeister Gottfried Störmer läuft hervorragend. Ansonsten war es uns wichtig, die Politik herauszuhalten, diese hat in unserem Kreis nichts verloren”, stellte Stass klar. Wenn sich aber ein Bundespolitiker für das wirkliche Geschehen vor Ort interessiere, sei dieser gerne eingeladen. „Vielleicht bringt es etwas, wenn er oder sie sieht, wie es ist, mit einem Flüchtling auf dem Amt oder beim Arzt zu sitzen, Deutsch zu lernen oder bürokratische Schwierigkeiten zu überwinden.”
    Wichtig sei weiterhin, dass die Flüchtlinge in der Öffentlichkeit präsent seien, dass die Menschen in Lampertheim sie als zum Stadtbild zugehörig akzeptieren und vor allem, um Hemmungen zu nehmen und Ängste abzubauen. Dies ist ein weiter Weg, weiß auch das Team der Flüchtlingshilfe in Lampertheim. „Sprechen Sie die Flüchtlinge im täglichen Leben einfach an und helfen, auch indem sie diese auf eventuelle Fehler ansprechen. Verlieren Sie die Angst. Wenn dies jeder tut, haben wir in Lampertheim 30.000 Helfer. Dies kostet nichts, nicht einmal viel Zeit.”
    Wer darüber hinaus aktiv sein möchte, wird in einer Helferdatei erfasst, mit de, Wunsch was man den Flüchtlingen geben möchte, ob Sprachunterricht oder ob man zeigt, wie man die Wohnung sauber hält oder vieles mehr.
    „Geben Sie den Flüchtlingen eine Chance. Wenn es gelingt, sie ins Lampertheimer Leben mit einzubringen, haben wir es geschafft. Bis dahin gilt: Wir jammern nicht, wir packen an!”, so Kurt Stass abschließend. „Machen Sie mit!” Benjamin Kloos

    Info: Neben ehrenamtlichen Engagement sind auch Spenden gerne gesehen. Derzeit herrscht besonders Bedarf an Winterkleidung für schmale Größen, überwiegendfür junge Männer. Diese kann mittwochs von 14.30 bis 17..30 Uhr in der AWO-Kleiderkammer abgegeben werden.

     

     

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