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  • Mo., 27. Juli 2015, 13:17 Uhr
    Bundesverkehrswegeplan in Arbeit – jetzt Einfluss nehmen als Ziel

    „Aktionstag Bahntrasse“ in Lorsch mit aktuellen Informationen und Unterhaltung

    Wie hier am Informationsstand der BILA, waren die Besucher des Aktionstages Bahntrasse sehr interessiert. Foto: Hannelore Nowacki


    LORSCH - In Lorsch hieß Landrat Matthias Wilkes die Ankömmlinge aus Lampertheim und den Stadtteilen willkommen und ließ sie mit einer besonderen Fanfare begrüßen. Aus den Lautsprechern ertönte der Lärm eines vorbeifahrenden Güterzuges – am besten zu ertragen durch Ohrenzuhalten. Schon am frühen Nachmittag hatten Mitarbeiter des Landratsamtes auf der Informationsmeile in der Lindenstraße 4.200 Besucher gezählt. Als Schirmherr des Aktionstages Bahntrasse unter dem Motto „Mit Deiner Stimme! Damit keiner auf der Strecke bleibt“ hielt Landrat Wilkes eine engagierte, bejubelte Rede – ein Fanal für das frühzeitige Einflussnehmen, bevor der neue Bundesverkehrswegeplan Ende des Jahres verabschiedet wird. Den Lückenschluss zwischen Frankfurt und Mannheim hält Wilkes zwar für dringend notwendig, aber „wir wollen die Züge nicht sehen und auch nicht hören“. Um das zu erreichen, brauche der Kreis Bergstraße  Verbündete im Norden und im Süden. Viele Besucher und Verbündete waren nach Lorsch gekommen, unter ihnen die BILA aus Lampertheim, Naturschutzverbände, die Bürgerinitiative aus dem Mittelrheintal, der Zusammenschluss von Bürgern aus Lorsch und Einhausen „Mensch vor Verkehr“ und die Mannheimer Bürgerinitiative GESBIM „Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim – Lärm3“ mit fünfzehn Vereinen und Organisationen. Lärmschutz, die Trassenbündelung der Neubaustrecke entlang der Autobahnen, der gewünschte bergmännische Tunnel von Bensheim-Langwaden bis hinter Lorsch waren Forderungen, die alle Akteure vereint. In drei Interviewrunden auf der Bühne mit Moderator Karl-Heinz Schlitt erfuhren die zahlreichen Zuhörer von den Sprechern der Bürgerinitiativen, welche Schritte nach Vorlage der „Korridor-Studie“ im März nun notwendig sind, und hörten, was die Bürgermeister von Lampertheim (Gottfried Störmer), Einhausen (Helmut Glanzner), Lorsch (Christian Schönung) und Bensheim (Rolf Richter) planen und bereits unternommen haben – bei weitgehender Einigkeit in der Einschätzung der Lage. Gerhard Eppler vom NABU Hessen, überzeugt von der Verlagerung des Personen- und Güterverkehrs auf die Schiene, favorisiert wegen zusätzlicher Probleme des Mischverkehrs reine Güterverkehrsstrecken. In der dritten Interviewrunde nahmen Politiker und die Deutsche Bahn  zu den Themen des Aktionstages Stellung. Wolfgang Bohrer, bei der DB Netz AG als Leiter zuständig für Infrastrukturplanung und –projekte sowie für Netzplanung und Portfoliomanagement, erteilte der Forderung nach 50 km/h statt 80 km/h für Güterzüge eine Absage, stellte aber im Rheintal bis 2020 eine Lärmminderung im Güterverkehr um 10 dB in Aussicht, was einer hörbaren Halbierung entspreche. Jedoch befänden sich von den insgesamt 180.000 Güterfahrzeugen nur 60.000 im Bahneigentum. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir war der politische Stargast, der sich bereit erklärte, beim Bund für die Region einzutreten und als Erfolg wertete, dass die Wunschliste an das Bundesverkehrsministerium abgeschickt wurde. Landrat Wilkes, der sich für die bergmännische Tunnellösung stark macht, dankte dem Minister für das „Konsenspapier“ und überreichte ihm am Schluss ein echtes Bergsträßer „Tunnelbrot“. Bundestagsabgeordneter Gustav Herzog (SPD) wies auf die leisen Güterwagen ab 2020 hin. „Der Nutzen-Kosten-Faktor muss stimmen“, meinte Bundestagsabgeordneter Dr. Michael Meister (CDU) mit Blick auf den von der Bahn geplanten Mischverkehr, eine  Diagonale lehne er jedoch ab. Das Verfahren solle möglichst transparent sein und der Mensch habe oberste Priorität – Äußerungen, die ihm Applaus einbrachten. Mit seinen Ausführungen erzielte Landrat Wilkes beim Applaus jedoch einen absoluten Spitzenplatz. Keine riesigen Lärmschutzwände in der schönen Landschaft, stattdessen moderne Technik zur Lärmreduzierung und bergmännische Tunnellösungen waren Forderungen, die beim Publikum gut ankamen.

    Wer schon einmal auf einem Bahnsteig in Bürstadt, Bobstadt oder Lampertheim stand, um auf den Regionalzug zu warten, kennt den Lärm, wenn ein Güterzug vorbeidonnert. Eine mehrmalige Hörprobe gab es auch beim Aktionstag in Lorsch. Foto: Hannelore Nowacki


    Sein Fazit: „Ich habe den Eindruck, dass wir einen Schritt vorangekommen sind. Die eindrucksvolle Geschlossenheit habe Auswirkungen auf die Diskussion gehabt und: „4.200 Menschen haben hier bisher Flagge gezeigt“. Viele Diskussionen an den Informationsständen bewiesen das große Interesse. Für Unterhaltung war mit Musik und Angeboten für Kinder gesorgt. Die Stadtjugendförderung der Stadt Lampertheim war mit dem Spielmobil gekommen, es gab eine Hüpfburg und beim VRN durften Kinder sich als Busfahrer fühlen. Am Stand des Kreises  Bergstraße hatten die Besucher die Gelegenheit, nach Programmwahl verschiedene Lärmstufen auf ihr Gehör wirken zu lassen, Güterzüge mit und ohne Lärmschutzmaßnahmen, aus sieben oder einem Meter Entfernung. Außerdem war der einstimmige Beschluss des Kreises Bergstraße zur Eisenbahn-Verkehrskonzeption an der Infotafel zu lesen, der an das Bundesverkehrsministerium weitergeleitet wurde. Auch am Stand der Deutschen Bahn AG ging es um Güterzuglärm, ein Test mit Kopfhörern war bei den Besuchern gefragt. Mit Imbissständen, Getränkeverkauf und  Eiscreme aus Bürstadt war der Aktionstag auf die kulinarischen Anforderungen der Besucher eingestellt.  Hannelore Nowacki

     

     

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