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Do., 16. November 2017, 12:23 Uhr
Heimatkundler erforschten Hochwasserkatastrophen des 18. und 19. Jahrhunderts
„ … als alle Dämme brachen“ – neue Broschüre vorgestellt
In Bobstadt hatte das Hochwasser am 3. Januar 1883 den höchsten Stand erreicht, die eingemeißelte Hochwassermarke am Alten Rathaus zeigt, wie gefährlich es für die Menschen war. Im Bild (von links): Hans Heim, Volker Utz, Bürgermeister Felix Kusicka, Bürgermeisterin Barbara Schader, Bürgermeister Gottfried Störmer und Günter Mössinger. Foto: Hannelore Nowacki
BOBSTADT – Hochwasserkatastrophe im Ried? Biblis, Bobstadt, Bürstadt, Hofheim, Nordheim und Wattenheim meterhoch unter Wasser? Menschen in Lebensgefahr, Häuser zerstört, die Straßen nur mit dem Boot befahrbar? Im 18. und 19. Jahrhundert geschahen solche Hochwasserkatastrophen in diesen Riedgemeinden. Heute schützt ein verstärktes Deichsystem mit moderner Deichverteidigung das Land am Rhein. So hat „der Rhein, ein Schrecken unserer Vorfahren“, wie es auf dem Titelblatt der neuen Broschüre heißt, tatsächlich seine Schrecken verloren, die Gefahr scheint gebannt. Zeitzeugen haben damals die Ereignisse und ihre Erlebnisse aufgeschrieben, die heutige Heimatkundler aus den damals betroffenen Orten in der Broschüre mit dem Titel „ … als die Dämme brachen“ zusammengetragen haben und den Lesern das Geschehen mit weiteren Informationen, Bildern, Zeichnungen und grafischen Darstellungen nahe bringen. Zur Vorstellung dieser Hochglanzbroschüre, deren hochwertige Gestaltung und Layout der kürzlich verstorbene Rudi Dörr vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim übernommen hatte, begrüßte Volker Utz von der Arbeitsgruppe „Ortsgeschichte Bobstadt“ Bürgermeisterin Barbara Schader, den Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka und den Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer sowie die Ortsvorsteher Heinrich Ochsenschläger aus Wattenheim und Renate Weissbrodt aus Nordheim, interessierte Bürger, Heimatvereinsmitglieder aus Nordheim und Hofheim sowie Mitglieder der Arbeitsgruppe „Ortsgeschichte Bobstadt“. Sichtlich bewegt berichtete Utz, dass Rudi Dörr kurz vor seinem überraschenden Tod nicht nur die etwa 90 Exemplare der Broschüre in Einzelanfertigung erstellt, sondern auch noch diese Informationsveranstaltung organisiert hatte. Ein Foto des Verstorbenen mit Trauerflor war am Rednerpult platziert. Heimatforscher Hans Heim aus Hofheim dankte Dörr posthum für seine geleistete Arbeit und betonte: „Er ist der Initiator der Broschüre“. Dörr habe die Heimatkundigen der betroffenen Orte angesprochen und um Angaben gebeten. Der Nordheimer Verein habe sich bereit erklärt, für die entstehenden Kosten in Vorlage zu treten. Zur damaligen Gefahrenlage berichtete Heim, dass es schneereiche Winter gab, aber Ende 1882 eine überraschende Schneeschmelze zum schnellen Anstieg der Rheinnebenflüsse und des Rheins führte. Anders als heute seien die Dämme nur von Hand verfestigt worden und von Wurzelwerk durchdrungen. Sowohl rechts- als auch linksrheinisch brachen damals Dämme. In der Not kam aber auch Hilfe. Der Großherzog von Hessen und die Gemeinden Bürstadt, Groß-Rohrheim, Hofheim, Lampertheim und Wattenheim zeichneten zahlreiche Helfer aus. Günter Mössinger, 1. Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, berichtete von der Idee des verstorbenen Rudi Dörr, auch eine Broschüre über die Vorteile des Rheins zu erstellen, „der unsere Ortschaften mit gleicher Geschichte verbindet“. Die neue Broschüre ist ab Sonntag im Burg-Stein-Museum in Nordheim in der Zeit von 10 bis 12 Uhr zum Preis von 8 Euro erhältlich sowie ab Montag in der Hofheimer Außenstelle der Verwaltung neben dem Alten Rathaus. Interessenten können sich dort für einen späteren Nachdruck vormerken lassen, ebenso bei Volker Utz in Bobstadt und bei Bruno Gündling im Bürstädter Heimatmuseum. Utz kündigte an, dass die Bobstädter Arbeitsgruppe eine öffentliche Veranstaltung plane, zu der auch Deichexperten der zuständigen Behörde für die heutigen Deiche eingeladen werden. Bürgermeisterin Schader lobte die Heimatkundigen für ihre Arbeit, mit der sie auch einen Bildungsauftrag für die Jugend wahrnähmen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit für die nachfolgenden Generationen findet auch Bürgermeister Störmer wichtig. Mit Blick auf die Sanierung des Weschnitzdamms gab Bürgermeister Kusicka zu bedenken, dass diese Geschichte heute noch aktuell sei. Als „völlig unsinnig“ bezeichnete Hans Heim die Behauptung im damaligen „Volksspiel“ in fünf Akten, dass ein Lampertheimer den Damm durchstochen hätte, um Lampertheim zu verschonen. Ein nicht ernst zu nehmendes Gerücht, das auch Bürgermeister Störmer zurückwies. Hannelore Nowacki