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  • Di., 27. Juni 2017, 09:19 Uhr
    Pilotversuch gestartet / 30 Kubikmeter Schlamm werden pro Stunde gefördert, in speziellen Säcken getrocknet und untersucht

    Am Altrhein wird endlich gebaggert

    Stephan Frech (Fachbereich Bauen und Umwelt, l.) und Bürgermeister Gottfried Störmer (2.v.r.) erläuterten den zahlreichen Interessierten das System des Pilotprojektes. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Am Lampertheimer Altrhein wird endlich gebaggert – in dieser Woche findet der Pilotversuch zur Altrheinausbaggerung statt. In der Nähe des Geländes des Wassersportverein wurden drei Felder abgesteckt. Der Schlamm aus diesen Bereichen wird hier in den kommenden Tagen ausgebaggert und in großen, Kartoffelsackähnlichen Textilsäcken am Altrheinufer getrocknet. Denn eine entscheidende Frage wird im Rahmen des Pilotversuches auch die Zusammensetzung des Schlamms spielen – und wie hoch dieser durch chemische Giftstoffe durchsetzt ist. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Kosten und die mögliche Umsetzung der Entschlammung – je höher der Grad der chemischen Belastung, desto höher der Aufwand der Entsorgung. Hierzu wird der getrocknete Schlamm diesbezüglich nach der Trocknung genauer untersucht werden.
    Der Saugbagger der Firma Royal Small trägt hierzu zunächst die oberste Sedimentschicht am Boden des Altrhein ab. Dieses Schlamm-Wasser-Gemisch wird durch lange und dicke Schläuche ans Ufer transportiert, wo der Schlamm entwässert wird, bis er stichfest ist. Hierzu wird ein Flockungsmittel eingesetzt, welches die Schlammpartikel besser bindet. Das Sediment wird anschließend – je nach Ergebnis der chemischen Untersuchung – seiner entsprechenden Entsorgung zugeführt. Das saubere Wasser wird in den Altrhein zurückgeführt – nicht jedoch ohne auch hier Proben zu entnehmen. „Denn wir wollen kein durch die Aufwirbelung des Sedimentes möglicherweise belasteteres Wasser zurückführen. Augenscheinlich ist das Wasser, das aus den Säcken abfließt, klar, das haben auch unsere Proben ergeben, die wir aber selbstverständlich weiter fortführen”, erläuterte Stephan Frech vom städtischen Fachbereich Bauen und Umwelt den zahlreich erschienenen Vertretern aus der Politik und den Interessenverbänden.
    30 Kubikmeter Feststoff saugt der Bagger stündlich vom Boden des Altrheins ab. Foto: Benjamin Kloos

    „30 Kubikmeter Feststoff werden hier pro Stunde gefördert, 90 Kubikmeter sind pro Sack möglich. Dies ist ein System, das sich an vielen Standorten und mit anderen Schlämmen bewährt hat, wir wollen hier in dieser Woche testen, ob dies hier von der Schadstoffbelastung und vom Schlamm her ebenfalls möglich ist.”
    Auch wenn auf die Ergebnisse auf die Ergebnisse noch zu warten sei, bis die Probebaggerung abgeschlossen und die Säcke getrocknet sind, hätten Stechzylinderproben bereits einiges verraten, so Stephan Frech weiter. „Die Belastung in den drei Feldern ist sehr unterschiedlich. Sinnvoll wäre es daher bei einer Fortführung der Ausbaggerung, eine umfangreiche Rasteruntersuchung vorzunehmen und so bereits im Vorfeld die unterschiedlichen Entsorgungsarten der einzelnen Bereiche deutlich zu machen. Dies ist zwar zunächst teurer, rechnet sich aber spätestens bei der Entsorgung wieder.”
    Bürgermeister Gottfried Störmer betonte in diesem Zusammenhang, dass „wirklich nur sauberes Wasser zurück in den Altrhein fließen darf und wird.” Die Nutzung des Altrheins für Freizeitangebote ist dabei nur geringfügig eingeschränkt, der Wassersportverein selbst, neben dessen Gelände die Probebaggerung stattfindet, fühlt sich im Trainingsbetrieb dabei nicht gestört. Und auch eine Lärm- oder Geruchsbelastung ist nicht gegeben, wie Stephan Frech ergänzte.
    Nachdem die Genehmigung seitens des Regierungspräsidiums Darmstadt vorlag, konnten die Arbeiten beginnen. 100.000 Euro wurden seitens der Stadt für das Projekt in den städtischen Haushalt eingestellt, von denen voraussichtlich jedoch lediglich 60.000 Euro verwendet werden müssen.
    Ende vergangenen Jahres fand am Altrhein bereits eine Munitionssuche statt, zwischen Kilometer 2,4 und 4,7 wurden hierbei insgesamt 97 000 Quadratmeter Altrheinfläche abgesucht. Zahlreiche Metallgegenstände wurden gefunden, aber erst eine genaue Untersuchung würde Klarheit geben, oh es sich dabei auch wirklich um Munition aus dem Zweiten Weltkrieg handelt oder lediglich um Müll. Die Bereiche, die jetzt ausgebaggert werden, sind nach Einschätzung der Experten frei von Munition und können somit bedenkenlos bearbeitet werden. Benjamin Kloos
    Am Altrhein wird gebaggert – der Wassersportverein fühlt sich dabei in seinem Trainingsbetrieb nicht gestört. Foto: Benjamin Kloos

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