Volles Haus bei Weinprobe des Fördervereins Domkirche
An der Ahr wärmen Sonne und Fels die Reben
Weingenuss mit acht Proben aus kleinen Weinbaugebiet Ahrtal war den Gästen bei der Weinprobe unter dem Motto „Klein –aber fein“ geboten. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Das Ahrtal ist eine Reise wert, das zeigten die Weine, die Karl Hans Geil und Rudolf Steffan bei ihrem Ausflug in eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschlands verkostet, ausgewählt und mitgebracht hatten. „Klein – aber fein“ war das Motto der diesjährigen Weinprobe, die der Förderverein Domkirche den Gästen am Freitagabend im großen voll besetzten Saal der Notkirche anbot, inspiriert von der kleinen Größe des sonnigen Ahrtals und der Qualität der dort vor allem von Nebenerwerbswinzern erzeugten Weine. Auf nur 564 Hektar gedeihen die Reben, von der Sonne verwöhnt. Und nachts geben Felsen und Schieferböden die gespeicherte Wärme ab. Herzförmig werden die Reben nach unten gebunden. Dies und mehr erfuhren die Gäste des Fördervereins von Karl Hans Geil über den Wein aus dem milden Ahrtal, in dem Winzer im Jahr 1868 nach dem Vorbild von Raiffeisen mit achtzehn Gründungsmitgliedern die erste Winzergenossenschaft Deutschlands gründeten, die als älteste Winzergenossenschaft der Welt gilt. Auf 141 Mitglieder war sie 1883 angewachsen, heute sind es 444 Winzer, wie Karl Hans Geil berichtete. Auf der Bühne ein kleiner Tisch, darauf eine Kerze und ein Weinglas, das sind die Genießerrequisiten, die der zweite stellvertretende Dekan des evangelischen Dekanats Bergstraße benötigt, um den Gästen während der Probenfolge geistreiche und vertiefende Informationen über den Wein und kulturgeschichtliche Hintergründe zu vermitteln. Matthias Braun hatte das Ahrtal mit dem bekannten Rotweinwanderweg in schönen Bildern dokumentiert, die während der Weinprobe zu sehen waren. Zwei Filme des Deutschen Weininstituts mit Sitz in Mainz rundeten die Informationen ab. Acht Weine der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr wurden von den ehrenamtlichen Helfern an den Tischen ausgeschenkt, beginnend mit dem Ahr Rivaner Jahrgang 2018, trocken ausgebaut wie fast alle der angebotenen Qualitätsweine. Die Fruchtigkeit der Aromen schlürfen und ins Glas riechen, war die Empfehlung. Heute werden Weine jung getrunken und für die Harmonie der Weine werden die Beeren vom Traubengerüst getrennt, denn aus den Stielen könne beim Quetschen Gerbsäure in den Wein gelangen, erfuhren die Zuhörer. Dem Ahr Riesling folgte die S-Klasse mit dem Ahr Riesling „S“, dann das Essen. Der zarte Rinderbraten war begleitet von Burgundersauce, es gab Schweinekammbraten, Spätzle und Semmelknödel. Eine gute Grundlage konnten sich die Gäste bereits zu Beginn mit Schmalzbroten schaffen. Der Wein beflügelte die Tischgespräche, die den Saal während des Probierens erfüllten.
Unterhaltsam und informativ führte Karl Hans Geil die Gäste durch die Weinprobe des Fördervereins Domkirche. Foto: Hannelore Nowacki
Auch der Philosoph Hegel schätzte den Weingenuss, allerdings im Übermaß wie dessen Arzt ihm vorhielt. Vereinsvorsitzender Herbert Eichenauer las aus einem Buch von Otto A. Böhmer vor, derdieses Arzt-Patienten-Gespräch vielleicht erfunden hat, das jedoch zum Lachen anregte. Demnach nannte der Arzt Hegel einen Drei-Liter-Philosophen. Fazit: Die Alten wussten schon, dass Wein die Gedanken beflügelt. Friedrich Hegel wusste auch: „Im Wein liegt Wahrheit – und mit der stößt man überall an“. Dieses Zitat zierte das Blatt mit der Probenfolge, das auf den Tischen auslag. Aus dem Psalm 104 zitierte Eichenauer zu Beginn der Weinprobe: Du lässt das Gras wachsen für das Vieh und lässt die Pflanzen wachsen und machst, dass der Wein erfreut das Menschenherz.Zum Abschluss des geselligen Abends hatte der Förderverein ein feines Kuchenbüffet vorbereitet, ein besonderer Blickfang die gestiftete Torte mit dem Bild der Domkirche zum 150-jährigen Jubiläum.Der Erlös aus dieser Veranstaltung kommt dem Erhalt der Domkirche und der Orgel zugute, für die ein Darlehen aufgenommen wurde und immer wieder durch neue Register erweitert wird. Hannelore Nowacki