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Do., 10. März 2022, 11:28 Uhr
UKRAINE: Solidaritätskundgebung vor dem Rathaus mit Fraktionen und Bürgern
Angriffskrieg verurteilt – zur Hilfe aufgerufen
Zahlreiche Menschen waren dem Aufruf zur Solidaritätskundgebung der Bürstädter Parteien SPD, CDU, Freie Wähler und Bündnis 90/Die Grünen gefolgt und spendeten Applaus. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Zur Solidaritätskundgebung mit der Ukraine vor dem Rathaus am Mittwochabend eine Stunde vor der Beginn der Stadtverordnetenversammlung hatten alle vier im Stadtparlament vertretenen Parteien die Bürger eingeladen – schätzungsweise rund 200 Teilnehmer hatten sich versammelt. Einige Plakate und ein paar kleine ukrainische Fahnen waren zu sehen. Die Farben Gelb-Blau waren auf die Leinwand projiziert, auf der am Ende der Kundgebung ein Ausschnitt von einem Auftritt Udo Lindenbergs mit seinem eindrucksvollen Lied „Wir ziehen in den Frieden“ aus dem Jahr 2018 gezeigt wurde, angekündigt von Bürgermeisterin Barbara Schader als ein Lied, das die Sehnsucht nach Frieden und als Mahnung ausdrücke. Auf der Rednerliste standen Sprecher aller vier Parteien, die den Krieg als Angriffskrieg Putins verurteilten und die Bürger aufriefen, den Ukrainern und Flüchtlingen durch Spenden aller Art zu helfen. Bürgermeisterin Schader bittet die Bürstädter, Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine an den Kreis Bergstraße zu melden. Alle vier Fraktionen spenden ihre Sitzungsgelder der aktuellen Stadtverordnetenversammlung für die Ukraine-Hilfe. Als erster Redner zitierte German Dzsida, Vorsitzender der SPD Bürstadt, aus der gemeinsamen Resolution der Parteien und sprach von einem „unerträglichen Bruch des Völkerrechts“ durch Russland. Um der Opfer und ihrer Familien zu gedenken, als Zeichen der Verbundenheit, bat er die Kundgebungsteilnehmer um eine Minute des stillen Innehaltens. Sein Appell: „Wir müssen stärker denn je zusammenstehen und helfen“. Der Frieden müsse dauerhaft gefestigt werden, den Krieg am Verhandlungstisch zu beenden, sei das Gebot der Stunde. Das Zitat von Willy Brandt „Frieden ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Frieden“ nahmen auch die folgenden Redner auf. Die CDU-Vorsitzende Julia Killian-Engert sprach von einer Zeitenwende und einer grundlegenden Neuorientierung in Deutschland sowie von der gemeinsamen Pflicht in Europa die Flüchtlinge unbürokratisch und schnell aufzunehmen. Scharfe Sanktionen gegenüber Russland seien erforderlich. Christoph Lang, Vorsitzender der Freien Wähler Bürstadt, wies auf die räumliche Nähe dieses Kriegs „vor unserer Haustür“ hin. Bilder aus dem Kriegsgebiet seien belastend und verstörend. Er sei sicher, dass auch viele Menschen in Russland den Krieg ablehnen. Lisa Gesue, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, sieht sich als Vertreterin der jungen Generation, geboren 2003, in einem friedlichen Europa aufgewachsen, in dem nun seit dem 24. Februar Krieg herrsche. Sie fragt: „Was sind wir bereit auf uns zu nehmen, finanzieren wir mit dem Erdgas den Krieg mit – wir müssen uns entscheiden“. Auch Chantal Stockmann, Fraktionsvorsitzende und Schatzmeisterin der FDP Bürstadt, sieht sich als Kind der 1980er Jahre weit weg von Kriegen. Mit Schockstarre, gefolgt von Wut und Fassungslosigkeit habe sie auf den Krieg in der Ukraine reagiert. Zeichen zu setzen für den Frieden schlägt sie vor, ihre Checkliste enthält unter anderem Spenden für die eine Seite und langfristige Sanktionen „ohne Abschwächung“ gegenüber der anderen Seite. Wir hätten noch keine Vorstellung wie teuer alles werden wird, mahnte sie. Die Organisatoren hatten Alina Golub für eine Rede gewinnen können, die als gebürtige Ukrainerin mit Angehörigen im Heimatland und in Deutschland, ihren Blick und ihre Gefühle auf das Geschehen vermittelte, sichtlich mit den Tränen kämpfend. Angst um die Verwandten in der Ukraine habe sie, aber auch Hoffnung, dass der Kampf um die Freiheit durch die gegenseitige Unterstützung gelinge. „Hoch lebe die Ukraine“ rief sie den Zuhörern auch in ukrainischer Sprache zu. Bürgermeister Schader sagte: „Wir stehen zur Bevölkerung der Ukraine, wir stehen für Frieden und Freiheit in Europa“. Als Zeichen der Solidarität und Hoffnung werde der Raiffeisenturm ab Donnerstag angestrahlt. Hannelore Nowacki