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Di., 17. Mai 2022, 09:21 Uhr
WSV LAMPERTHEIM: Sieg und Vizemeistertitel bei der Offenen Deutschen Meisterschaft im Kanumarathon
Anna Hofmann und Liv Grete Köntopp wie entfesselt
Anna Hofmann und Live Grete Köntopp bei der Siegerehrung. Foto: WSV Lampertheim
LAMPERTHEIM – Zwei Athletinnen des WSV Lampertheim gingen am vergangenen Wochenende in Kassel bei den Offenen Deutschen Meisterschaften im Kanumarathon an den Start. Niemand konnte ahnen, wie erfolgreich sie sein würden!
Für Anna Hofmann (15) und Liv Grete Köntopp (14), die am Samstag im K2 an den Start des 16-Kilometer-Rennens der weiblichen Jugend gingen, war klar: Wir wollen nicht die Letzten werden. Aus diesem Satz spricht eine große Unsicherheit. Aber warum? Normalerweise fahren beide nur 500 Meter als Hauptstrecke. Dazu kommt, dass Anna noch nie einen Marathon gefahren war. Die Besonderheit neben dieser 16 Kilometer langen Strecke ist nämlich, dass man unterwegs aussteigen und über Land laufen muss, das Boot geschultert, am Ende dieser sogenannten Portage wieder einsteigen muss, um schnell weiterzupaddeln. Die beiden Athletinnen mussten während des Rennens drei solcher Portagen bewältigen. Wer schon einmal in solch einem wackligen Rennboot saß, weiß um die Schwierigkeit. Dazu kam noch, dass die britische Nationalmannschaft mit am Start war. Allein das flößte allergrößten Respekt ein.
Nach dem geglückten Start, der als Massenstart ausgetragen wird und bei dem es daher oft zu Kenterungen kommt, fahren die beiden in ihrem K2 ein beherztes Rennen und heften sich gleich an das Boot der favorisierten Britinnen. Kilometer um Kilometer können sie ihren Vorsprung vor den anderen Booten ausbauen und am K2 der britischen Nationalmannschaft dranbleiben.
Sicherheit gibt ihnen noch ein ganz wichtiges Detail, das Trainer Dieter Brechenser noch besorgt hatte: die Pumpe. Das Wasser, das ins Boot gelangt, wird mittels dieser am Stemmbrett befestigten Pumpe gleich wieder aus dem Boot gepumpt. Das spart viel Kraft.
Als die Boote wieder gleichzeitig aus der letzten Portage kommen und nur noch 2,5 Kilometer zu fahren sind, muss die Entscheidung her. Spitze an Spitze fahren sie auf die letzte Wende zu, von der es noch 1,3 Kilometer ins Ziel sind. Die Britinnen fragen sich ab, wie es ihnen gehe: „2 von 10“. Natürlich beherrschen Anna Hofmann und Liv Grete Köntopp die englische Sprache und verstehen sofort: Den beiden geht es sehr schlecht. Die sind zu knacken! An der letzten Wende fällt die Entscheidung. Liv Grete steuert das Boot in einer Ideallinie um die Wendebojen und forciert auch gleich deutlich das Tempo. Die Britinnen versuchen alles, aber sie müssen die Lampertheimer Mädchen ziehen lassen. Die fahren wie entfesselt zu ihrem Sieg und haben am Ende eine halbe Minute Vorsprung. „Jetzt weiß ich, dass der Englischunterricht in der Schule doch ganz wichtig ist“, freut sich Anna.
Die beiden erfolgreichen WSV-Athletinnen Anna Hofmann und Live Grete Köntopp bei der Vorbereitung auf das Rennen. Foto: WSV Lampertheim
Am nächsten Tag stand noch der K1 von Liv Grete Köntopp auf dem Plan. „Mir tut alles weh“, war morgens noch der Schmerz der Belastungen vom Vortag zu spüren. Doch sie ging professionell ins Rennen, war es doch schon ihr dritter Marathon.
Zunächst läuft alles nach Plan, Liv Grete fährt sicher in der ersten Gruppe mit und absolviert die erste Portage. Doch dann – eine Unachtsamkeit? Sie wusste auch nach dem Rennen nicht, was es war. Liv Grete stürzt und fällt ins Wasser. Ein Schreck! Aufstehen, Boot ausleeren und los. Noch ein Sturz und noch einer. Gleich dreimal verliert sie das Gleichgewicht. Nahezu alle Boote fahren vorbei und sie liegt abgeschlagen ziemlich am Ende des Feldes zurück. „So konnte das nicht enden. Ich war so wütend.“ Die Wut im Bauch setzt Kräfte frei. Liv Grete kann Boot um Boot aufholen und landet am Ende auf dem zweiten Platz der Deutschen Meisterschaften im Kanumarathon.
Das Fazit der beiden? „Es hat sehr weh getan, aber viel Spaß gemacht. Das war nicht unser letzter Marathon!“. Bericht von Kathrin Köntopp