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  • Mo., 28. September 2020, 15:11 Uhr
    GESUNDHEIT: Vorbeugende Maßnahmen gegen Erkrankungen wie COPD wichtig / Wenn Atemnot als neues Symptom auftritt: Zum Arzt gehen!

    „Atemnot hat viele Ursachen”

    Durch Blutarmut kann eine Luftnot entstehen – vorbeugende Maßnahmen sind daher ebenso wichtig wie die regelmäßige natürliche Zufuhr von Eisen und Vitamin B 12. Foto: www.pixabay.com


    KREIS BERGSTRASSE – Atemnot ist das Symptom vieler Erkrankungen. Denn sowohl die Lunge als auch Herz und Kreislauf spielen eine bedeutende Rolle bei der Atmung und können daher eine Ursache für die Luftnot darstellen. Unter anderem können insbesondere COPD, Bluthochdruck, eine Herzschwäche oder Lungenentzündung, aber auch Blutarmut ursächlich sein. Gerade in Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus-Pandemie hat das Thema nochmals an Bedeutung gewonnen – Grund genug für die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz, gemeinsam mit der Fachärztin für Pneumologie Dr. med. Brigitte Dudek und dem stellvertretenden Chefarzt der Abteilung Innere Medizin des St. Marien Krankenhaus Lampertheim, Dr. med. Nicolai Härtel, dem Chefarzt Geriatrie des St. Marien Krankenhaus, Dr. med. Csaba Reich, sowie der Gesundheitspräventionsbeautragten des Kreises, Reinhild Zolg, im Rahmen einer Videopressekonferenz zu informieren. 

    „Bestimmte Gruppen sind aufgrund von Corona besonders gefährdet. Daher haben wir COPD als Schwerpunkt gewählt, denn dies ist eine der Erkrankungen, die explizit durch das Robert-Koch-Institut als Risikoerkrankung genannt wurde”, so Diana Stolz. „Wir wollen daher gemeinsam mit Fachleuten aufklären, wann man bei Problemen mit der Atmung zum Arzt gehen sollte.”

    Die Abkürzung COPD steht für Chronic Obstructive Pulmonary Disease, übersetzt: chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Studien zufolge leiden 15 Prozent der Europäer über 40 an der Lungenkrankheit. Die Entstehung von COPD müsse man sich bildlich vorstellen, erläuterte Dr. Brigitte Dudek: „Die Bronchien werden Reizstoffen ausgesetzt, beispielsweise durch das Rauchen oder durch Giftstoffe am Arbeitsplatz. Dabei kommt es zu einer chronischen Verengung der Bronchien, die man durch Medikamente nicht behandeln kann, nicht wie etwa bei Asthma. Ein COPD-Patient muss mit der Krankheit leben, wobei man die Atemmuskulatur durch entsprechendes Training stärken kann.”

    Dr. Brigitte Dudek betonte in diesem Zusammenhang, dass Luftnot so ähnlich sei wie Schmerzen – „und wenn man Schmerzen hat, geht man zum Arzt, beispielsweise mit einem gebrochenen Arm.” Daher sei es gerade dann wichtig zum Arzt zu gehen, wenn die Luftnot stärker wird oder aber als ganz neues Symptom auftritt. „Wenn Luftnot bei einer akuten Erkrankung auftritt, sollte man auf jeden Fall reagieren und sich untersuchen lassen”, so Dr. Dudek. Und auch Dr. Härtel betonte: „Wenn wir in Coronazeiten Atemnot bekommen, sollten wir unbedingt zum Arzt gehen um das Blut kontrollieren zu lassen, denn das Virus kann eine ganze Reihe von Organen betreffen!” 

    Präventiv gegen Atemnot vorbeugen

    Generell spiele die Lunge bei der Atmung eine große Rolle, aber man müsse bei Atemnot auch an andere Organe als diese denken. Gerade das Blut wäre hierbei sehr wichtig. Durch Blutarmut kann eine Luftnot entstehen, ebenso wenn der Kreislauf nicht richtig funktioniert. Dr. Nicolai Härtel hob hervor, was man präventiv gegen Atemnot und damit verbundene Erkrankungen wie COPD machen kann. „Um dem Symptom vorzubeugen, ist es wichtig, sich zu bewegen und viel Sport zu treiben. Gesunde Ernährung ist dabei ebenso wichtig wie nicht zu rauchen.” Dr. Csaba Reich ergänzte, dass auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufige Ursache für Luftnot sind. Sollten diese auftreten sei eine Lebensstiländerung immens wichtig – etwa durch Gewichtsabnahme bei Übergewicht, eine Beachtung des BMI, Bewegung und Sonne. Und eine Raucherentwöhnung senke das Risiko für Herzinfarkte um 50 Prozent.

    Dr. Härtel erläuterte, „dass nach der Sauerstoffaufnahme durch die Lunge dieser im Körper verteilt werden muss. Dies geschieht normalerweise über rote Blutkörperchen, der Sauerstoff wird dann in den Organen verarbeitet. Wenn nun eine Blutarmut auftritt, kann die Verteilung nicht mehr erfolgen. Dies kann berufliche Belastungen durch Giftstoffe als Ursache haben, aber die häufigste Ursache sind Mangelzustände, zum Beispiel durch Eisenmangel, unter dem zwei Milliarden Menschen weltweit leiden – betroffen sind besonders junge Frauen”, so Dr. Härtel. „Eisen ist ein Spurenelement, das in den Blutfarbstoff eingearbeitet wird und wichtig ist, um Sauerstoff zu transportieren. Blutarmut merken wir durch Anzeichen von Schwäche oder Luftnot. Wenn ich viel Blut verliere, in dem Eisen erhalten ist, muss ich entsprechend mehr Eisen zuführen. Ein Mann verliert etwa ein Milligramm Eisen pro Tag, eine Frau im gebärfähigen Alter zwei und im Laufe einer Schwangerschaft sogar drei Milligramm pro Tag. Daher st gerade hier der entsprechende Ausgleich wichtig, idealerweise durch das Essen von Fleisch, da Eisen dort in einer Form vorhanden ist, die wir mit Körper am besten aufnehmen können – natürlich in Maßen, etwa 500 Gramm Fleisch pro Woche.” Aber die Aufnahme von Eisen ginge  auch durch verschiedene Hülsenfrüchte wie Sojabohnen oder auch Sonnenblumenkerne. Ein vermeintlich starker Eisenlieferant sei aber in Wirklichkeit keiner: „In Spinat ist Eisen nicht in großer Menge vorhanden, hierbei handelt es sich um einen historischen Irrtum, der auf einen Kommafehler zurückzuführen ist.” Generell sei eine ausgewogene und gesunde Ernährung völlig ausreichend, um Eisen aufzunehmen und genügend Blutkörperchen zu produzieren. Gleiches gelte für das Vitamin B 12, welches ebenfalls Mangelerscheinungen hervorrufen könne: „Dieses wird vornehmlich über den Magen gesteuert, wir brauchen es zusammen mit Folsäure, um genetische Bausteine zu bauen. Bei einem Mangel kommt es ebenfalls zu Blutarmut. Das Vitamin kann über die Ernährung zugeführt werden, vor allem über tierische Produkte. In Fleisch ist es beispielsweise in Rinderleber  sehr stark enthalten, aber auch in Eiern, Käse oder Kuhmilch ist es zu finden, so dass auch Vegetarier bei gesunder Ernährung keine Gefahr eines Mangels laufen. Veganer können das Vitamin B12 über Tabletten ergänzen.” Folsäure hingegen kommt viel in Gemüse vor, etwa in Spargel, Spinat und Salat. Wer sich gesund ernährt, wird hier keine Mangelerscheinungen haben.

    „Impfen ist wichtig”

    Abgesehen von den vorbeugenden Maßnahmen hält Dr. Brigitte Dudek eine Impfung gegen Grippe und andere Krankheiten gerade jetzt für unheimlich wichtig. „Wir müssen uns vor Augen halten, dass, wenn unser Immunsystem heruntergeschaltet oder mit Grippe oder anderen Infekten beschäftigt ist, es keine Zeit für Corona hat. Daher ist es wichtig, Impfungen ernst zu nehmen!” Und mit Blick auf Corona stellte Dr. Dudek klar: „Dies ist ein Virus, der nachweisbar nicht in irgendwelchen Laboren entstanden ist, sondern der von Tieren auf Menschen übergegangen ist. Das ist eindeutig nachgewiesen, Verschwörungstheorien sind daher absoluter Quatsch. Es war richtig, wie wir uns mit dem Lockdown verhalten haben, auch wenn dies für viele Bereiche wie die Wirtschaft schwer war. Denn so haben wir Zeit gewonnen, das Virus besser kennen zu lernen. So

    wissen wir mittlerweile, dass es nicht nur Lungenentzündungen sind, die hervorgerufen werden, sondern dass viele Organe und auch das zentrale Nervensystem betroffen werden. Leider ist vieles immer noch unklar, aber ich habe viele Patienten, die Covid19 überlebt haben, und diese haben unterschiedliche Spätschäden und auch Spätsymptome – gerade auch jüngere Menschen. Daher müssen wir dieses Virus weiterhin sehr ernst nehmen.” Benjamin Kloos
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