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  • Mo., 07. September 2020, 09:23 Uhr
    Jusos Ried luden zu Gedenkspaziergang und Putzaktion von Stolpersteinen ein

    Aufpolieren der Erinnerungen - Ein Appell wider das Vergessen

    Für eine offene und tolerante Gesellschaft einstehen: Mit dem Gedenkspaziergang mit Putzaktion, an der sich rund 30 Personen beteiligten, gedachten die Jusos der Opfer des Nationalsozialismus. Foto: Eva Wiegand


    BÜRSTADT - Für eine angemeldete Demonstration gegen die für den 6. September stattfindende Veranstaltung der AfD Bergstraße im Bürstädter Bürgerhaus war die Zeit zu knapp. Denn erst am vergangenen Dienstag erfuhren die Sozialdemokraten via Facebook von der anberaumten AfD-Veranstaltung zu der unter anderem die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch gekommen war. Doch nur tatenlos zuschauen war für die Jusos keine Option. „Eine Kundgebung braucht allerdings eine gewisse Vorlaufzeit, das Ordnungsamt muss informiert werden, viele Abstimmungen sind zu treffen und dafür hat die Zeit leider nicht gereicht. Da die Veranstaltung der AfD nicht groß angekündigt wurde, sollte Kritik offensichtlich vermieden werden“, meinte der Juso-Vorsitzende Philipp Ofenloch. Doch sich nun gar nicht äußern und nur zuschauen, wollten die Jusos nicht und luden die Bevölkerung am Samstagmittag zu einer Gedenkveranstaltung mit Putzaktion der in Bürstadt verlegten 16 Stolpersteine ein, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Treffpunkt war die Kirche St. Michael, dort startete die Aktion in der St. Michael Straße 1, am Stolperstein von Pfarrer Josef Johann Jakob Adams, der 1943 wegen „Kritischer Äusserungen“ verhaftet wurde. An diesem ersten Stolperstein, den Ofenloch mit Scheuermilch und Putzlappen wieder auf Hochglanz polierte, erläuterte er warum die Sozialdemokraten die AfD für eine menschenverachtende und geschichtsvergessene Partei halte, die rechtsextreme, rassistische und fremdenfeindliche Gedanken vertrete: So habe Beatrix von Storch im Januar 2016 gefordert, dass deutsche Grenzen zur Not auch auch mit Waffengewalt gegen Geflüchtete geschützt werden müssten. Ebenfalls twitterte sie das Zitat von Sophie Scholl „Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele“ – und verglich sich damit absurderweise mit der Widerstandskämpferin aus der NS-Zeit. Der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Alexander Gauland habe gefordert, die SPD-Politikerin Özuguz „entsorgen“ zu lassen und bezeichnete das Dritte Reich als „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Das Holocaust-Mahnmal sei ein „Denkmal der Schande“, sagte der Thüringer AfD-Sprecher Björn Höcke. „Deswegen haben wir heute zu dieser kreativen Protestidee eingeladen, denn wir wollen der Erinnerung Namen geben und der AfD eine klare Absage erteilen“, so Ofenloch. Mit der Teilnahme an der Aktion zeigten die Menschen deutlich, dass sie für eine offene und tolerante Gesellschaft stünden. Gekommen waren neben zahlreichen Bürstädtern auch Vertreter der Initiative „Vielfalt. Jetzt!“ sowie der GRÜNEN-Politiker Uwe Metzner und der FDP-Fraktionsvorsitzende Burkhard Vetter, der die Idee der Stolpersteine in Bürstadt mit initiiert hat. Beide berichteten im Rahmen des Gedenkspaziergangs immer wieder über Hintergründe zu den einzelnen Schicksalen, die hinter den 16 Stolpersteinen stehen. Eva Wiegand

     

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