Hiddema Wirtschjaftskrise lockt viele Zuschauer ins evangelische Gemeindezentrum
Ausgelassene Stimmung bei ZwiBur
Ein Brüller waren auch wieder die schrulligen Typen auf der Parkbank, dargestellt Jürgen Rudolph und Bodo Ehret. Foto: Ehret
HÜTTENFELD – Der Lampertheimer Vorort Hüttenfeld ist schon ganz schön gebeutelt: Bald schließt ein weiteres Lokal – den Hüttenfeldern droht eine Wirtschaftskrise. Zu dieser Auffassung kam der Theaterverein „ZwiBuR“ bei seinem Kabarettabend unter dem Motto „Hiddema Wirtschjaftskrise“, der einmal mehr zahlreiche Besucher ins evangelische Gemeindezentrum lockte, die sich diese alljährliche Veranstaltung nicht entgehen lassen wollen. Mit Witz, Humor und Ironie beschäftigten sich die elf Zwiburianer mit Hüttenfelder Themen wie: Buslinien, Verkehrsregelung und Hundetobewiese. Doch auch bundes- und weltpolitische Dinge fanden Beachtung. Bei dem wiederkehrenden Running Gag bekam die AfD ihr Fett weg. Bruno Ehret und Vereinspräsident Jürgen Rudolph fanden bedenkliche Ansatzpunkte im Programm der rechtspopulistischen Partei, was schon an schwarzen Humor grenzte. Doch der Reihe nach. Wie immer in den letzten Jahren eröffnete Jochen Köcher den Abend, hinterfragte was Satire sei und stimmte das Publikum darauf ein, was es in den nächsten zwei Stunden zu erwarten habe. Die Nachrichten, dieses Mal von Kristina Tiedemann und Ralf Ehret verlesen, nahmen die „Hundetobeweise“ neben der Kleingartenanlage auf’s Korn und ließen auch den türkischen Präsidenten Erdogan nicht ungeschoren davonkommen. Bodo Ehret übernahm auch dieses Mal die Führung durch das Programm. Sein „Konfronteur“ führte süffisant zu den folgenden Beiträgen hin, ohne zuviel vorwegzunehmen. Zu den alljährlich wiederkehrenden Nummern zählt die „Grün-Weiße Stange“, an der sich Ronald Ehret und Jürgen Rudolph über das Fußballgeschehen von der SG Hüttenfeld bis zur Nationalmannschaft auslassen, und was wohl die tätowierten chinesischen Schriftzeichen auf Armen und Rücken der Fußballer bedeuten. Wahrscheinlich nur „Arme und Rücken“. Ralf Ehret und Jochen Köcher übertrumpften sich in ihrer Bescheidenheit, wie schwer sie es in ihrer Jugend hatten – „da wäre ich froh gewesen“, und erklärten – passend zum Thema des Abends in einer Kneipe – was „Deja vu“ bedeutet. Auf jeden Fall nicht, sich daran zu erinnern, dass man gestern das Gleiche gemacht hat, nämlich zusammen ein Bier getrunken. Ronald Ehret gab in seinem Sketch „Von Epiphanias bis Ramadan“ zu bedenken, dass ein Teil der deutschen Bevölkerung zwar vor der Islamisierung fürchte, ihrerseits der christlichen Kirche aber den Rücken kehrt. Wer „Christi Himmelfahrt“ zum „Vaddertag“ macht und Reformation zu Halloween, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann der Muezin von den Kirchtürmen ruft. Mit seiner Frau Manuela spielte er dann wie schon in den letzten Jahren eine Szene aus dem Eheleben vor. Streitpunkt dieses Mal: „Wer hat das Holzbrettchen in die Spülmaschine getan?“ Ein Brüller immer wieder die schrulligen Typen auf der Parkbank, dargestellt von Bodo Ehret und Jürgen Rudolph. Sie nahmen sich dieses Mal das Handelsabkommen TTIP vor und dessen Konsequenzen. Vorbei die Zeiten mit Hausmacher Wurst und reinem Bier. Zeitungsmotzer Bruno Ehret hat die Ursache für den Kneipenschwund in Hüttenfeld schnell gefunden. Die Väter – einst Lebenserhalter der Hüttenfelder Gastronomie – müssen im Zeitalter der Emanzipation nun abends die Kinder ins Bett bringen. Er gab dann die Bühne frei für seine Tochter Lotti, die derzeit in Marburg studiert und in Form eines Poetry Slams eine Epsiode ihres Studentenlebens parodierte. Welcher PC-User kennt nicht das Phänomen, wenn der Bildschirm milchig weiß, und der Mauscursor zu einem blauen, sich drehenden Kreis wird. Ärgerlich, wenn das bei der Speicherung der Examensarbeit passiert. Bodo Ehret zitierte dann eine Glosse des Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein zum Thema „Sargpflicht“ in Deutschland und wie die Moslems damit umgehen. Zu guter Letzt dann noch einmal zurück in die Kneipe. Am Stammtisch erörterten Kristina Tiedemann, Bodo, Ralf und Heike Ehret die Diskrepanzen zwischen Fleischeslust und Veganertum. Das Ganze endete dann mit einem Song, gesungen von Heike „Habt ihr schon einmal einen lusitgen Veganer gesehen?“ Überhaupt spielte natürlich auch das gesungene Wort eine große Rolle an diesem Abend. Kristina nahm sich die Gitarre und wunderte sich über die Hüttenfelder Verkehrs-, Hunde- und Wirtschaftspolitik. Ralf Ehret nahm sich Peter Alexanders „Die kleine Kneipe“ vor, bekundete mit sonorer Stimme den Abgesang der Hüttenfelder Kneipenkultur und erinnerte sich an die alten Zeiten, als in Kurpfalz und Dorfschänke die Stammtische noch voll waren. Und bei der Zugabe gab es eine Überraschung. Denn plötzlich stand Klaus Ehret auf der Bühne und gab seinen Evergreen – bei vielen Gelegenheiten schon dargeboten und daher auch gleich wiedererkannt – „wonn isch mojends vun de Kneip‘ hoamgei“ zum Besten und beendete den Abend, bei dem Frank Plenert und Holger Grieser für die Technik zuständig waren. ehr