Geschichte des Wohlfahrtsverbandes bis zum 12. September im Foyer des Rathauses
Ausstellung „100 Jahre AWO“ eröffnet
Sebastian Parker, Geschäftsführer AWO Kreisverband Bergstraße, eröffnete die Ausstellung, die noch bis 12. September im Rathaus in Bürstadt zu sehen ist. Foto: Petra Gahabka
BÜRSTADT – 1919 wurde die AWO von der Frauenrechtlerin und Sozialreformerin Marie Juchacz gegründet und hat sich seitdem in wechselvoller Geschichte zu einem großen Wohlfahrtsverband entwickelt. Im Rahmen der bundesweiten Feierlichkeiten wurde am Montag im Foyer des Rathauses die Wanderausstellung „100 Jahre AWO“ eröffnet.
„Auch hier im Kreis Bergstraße engagiert sich die AWO schon etliche Jahrzehnte für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, unabhängig von Herkunft, politischer oder religiöser Überzeugung“, so Ludwig Kern, Vorsitzender des AWO Kreisverbandes Bergstraße, zur Begrüßung. Die existenzielle Not, die damals zur Gründung führte, gebe es zwar heute in diesem Ausmaß nicht mehr, aber die Nöte und Probleme der Menschen seien nicht verschwunden. „Es gibt zu viele, die nicht an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können. Menschen, die einsam sind, Hilfe und Unterstützung brauchen.“ Damals wie heute werde der Sozialverband gebraucht, um denen eine Stimme zu geben, die nicht gehört werden. In einer älter und zunehmend verunsicherter werdenden Gesellschaft brauche es eine funktionierende soziale Infrastruktur von Kitas über Beratungseinrichtungen bis hin zu Seniorenzentren. Der steigenden Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen für ältere Menschen oder zu betreuenden Kindern stehe ein wachsender Fachkräftemangel gegenüber. „Blicken sie mit uns zurück auf 100 Jahre Einsatz für Solidarität, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz“, lud Ludwig Kern zum Betrachten der Ausstellung ein, die motiviere, mutig und voller Hoffnung nach vorne zu schauen.
Bürgermeisterin Bärbel Schader erinnerte daran, dass die Grundidee „Gemeinsam, miteinander, füreinander“ immer weiterentwickelt worden sei und neue Herausforderungen angenommen wurden. „Es ist gut, dass es sie hier in Bürstadt gibt neben den anderen Wohlfahrtsverbänden“ Es sei wichtig den Bürgern eine Möglichkeit zu geben, beraten zu werden, niederschwellig unterstützt zu werden, ambulante Pflege und Dienste anzubieten. Die Rathauschefin zeigte sich zuversichtlich, dass sich über einen gemeinsamen Austausch vieles entwickeln lasse. Man stehe auf einem starken Fundament, „weil wir eine Grundlagenbasis haben, den Menschen im Mittelpunkt zu sehen. egal woher er kommt, ihm Wert und Würde zu geben, damit er sich entfalten kann“. Dies sei der Aufrag für die Stadt, alle sozialen Partner, aber auch die Bevölkerung. Schader wünschte sich, dass in Bürstadt noch viele gemeinsame Projekte realisiert werden können.
Die bewegende Geschichte des Wohlfahrtsverbandes, die die Ausstellung kompakt auf Roll-Ups erzählt, fasste Sebastian Parker, Geschäftsführer AWO Kreisverband Bergstraße, in zehn Minuten zusammen. Die Gründung fiel in eine Zeit, die infolge des Ersten Weltkriegs von einer bisher nicht gekannten Massenverelendung geprägt war. Dies machte die Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität vieler freiwilliger Helfer notwendig. Eine Vielzahl von Diensten und Einrichtungen wie Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten oder Beratungsstellen entstanden. 1933 von den Nationalsozialisten verboten, nahm die AWO 1946 schnell wieder ihre Arbeit auf, kümmerte sich um Heimkehrer und Menschen, die ihre Heimat verloren hatten. In den 50er und 60er Jahren übernahm der Verband die Betreuung ausländischer Arbeitnehmer, die Altenpflege, Suchtberatung und sozialpädagogische Betreuung.
In dieser Zeit setzte die Arbeit der AWO Bergstraße ein, die sich in der Seniorenarbeit, Essen auf Rädern und Kinderfreizeiten engagierte, in den 80er Jahren wurde unter anderem der mobile soziale Hilfsdienst sowie ein Wohn- und Arbeitsprogramm für ehemalige Drogenabhängige aufgebaut. In den 90ern entstand der ambulante Pflegedienst Bürstadt, im neuen Jahrtausend die Trainings- und Betreuungsgruppe für Menschen mit Altersdemenz. In den letzten zehn Jahren habe vor allem die Weiterentwicklung der Kinder-und Jugendarbeit sowie die Unterstützung von Familien in schwierigen Lebenssituationen im Fokus gestanden, erzählte Parker. Heute hat die AWO Bergstraße zwölf Ortsvereine, die mit vielen ehrenamtlich Engagierten in Kleiderstuben undUnterstützungsdiensten in der Seniorenarbeit tätig sind. Um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, benötige man allerdings nicht nur Helfer, sondern auch die Unterstützung von Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Petra Gahabka
Info
Die Ausstellung kann bis einschließlich 12. September zu den Öffnungszeiten des Rathauses im Foyer besichtigt werden: Montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, dienstags, mittwochs und freitags von 8 bis 13 Uhr sowie am Samstag, 7. September, von 8 bis 13 Uhr.