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  • Mo., 12. Dezember 2022, 15:40 Uhr
    JAHRESBERICHT 2021: Drei Sparkassen unterstützen Schulden-Prävention mit 14.500 Euro 

    AWO-Schuldnerberatung führte 465 Beratungen durch

    Gemeinsamer Spendenscheck, unterschiedliche Beiträge - die drei Sparkassen im Kreisgebiet zeigten sich auch diesmal großzügig mit 14.500 Euro. Im Bild: Sandra Vögtlein (Leiterin der Rechtsabteilung der Sparkasse Starkenburg), Andrea Jäger (Vorstandsstab der Sparkasse Bensheim), AWO-Geschäftsführer Sebastian Parker und AWO-Präventionsberaterin Melanie Schilling, Frank Belzer (Vorstandsmitglied Rheinhessen Sparkasse) und Marc Sittel (Gebietsdirektor Lampertheim für Privatkunden der Rheinhessen Sparkassse).  Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Wenn die Schuldnerberatung der AWO mit Sitz in der Nibelungenstraße 164 ihren Jahresbericht vorstellt, ist dies ein Ereignis, bei dem stets auch Vertreter der drei Sparkassen im Kreis Bergstraße anwesend sind und ihren Besuch mit einem Spendenscheck für die Arbeit der AWO-Schuldnerberatung bereichern. Der gemeinsame Spendenscheck in Höhe von 14.500 Euro setzt sich aus den unterschiedlichen Beiträgen der drei Sparkassen zusammen und dient der Präventionsarbeit. Seit Jahren ist die AWO mit Präventionsprojekten mit Jugendlichen in den kooperierenden Schulen aktiv. Neuerdings wendet sich die AWO-Schuldnerberatung präventiv auch an Senioren, die bei niedrigen Renten besonders unter den gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten zu leiden haben und im geselligen Rahmen nützliche Informationen bekommen. Der Anfang war mit dem Infocafé mit 35 Teilnehmern in Zusammenarbeit mit dem Quartiersbüro gemacht. An weiteren Ideen werde gearbeitet, teilte AWO-Geschäftsführer Sebastian Parker mit. Zur Situation im Kreis Bergstraße berichtete AWO-Präventionsberaterin Melanie Schilling, dass die Überschuldung 2022  mit 5,88 Millionen Personen in 2,94 Millionen Haushalten ein Rekordtief erreicht habe, das seien 274.000 Personen weniger als 2021. Die Überschuldungsquote in Deutschland betrage 8,48 Prozent, in Hessen sind es mit 8,43 Prozent geringfügig weniger. Ausgabenverzicht und Konsumzurückhaltung im Coronajahr 2021 und die Unterstützungsprogramme der Bundesregierung hätten gewirkt. „Zum Glück ist die Überschuldungswelle ausgeblieben und die Arbeitslosigkeit zurückgegangen“, resümierte Schilling. Die Sparquote sei gestiegen und das Sparvermögen zur Schuldentilgung verwendet worden. Aktuell sei die Sparquote leicht rückläufig, wusste Frank Belzer vom Vorstand der Rheinhessen Sparkasse. Wegen der gestiegenen Kosten für Lebenshaltung, Lebensmittel und Energie könnten die Leute nun weniger sparen. Jeder 12. bis 13. Haushalt sei überschuldet, das sei wahnsinnig viel. Zu befürchten sei, dass dies zu weiteren Überschuldungen von Haushalten führt. „Es ist wichtig, was Sie hier in der Schuldnerberatung leisten“, folgerte Belzer, „wir sehen unseren Auftrag, die Schuldnerberatung in unserem Geschäftsgebiet zu unterstützen und hoffen, dass die Betroffenen aus der Schuldenfalle herausfinden“. 

    Schuldenfalle und Prävention

    Schilling bedauert den Trend zu mehr Ratenkrediten bei jungen Menschen nach dem Motto „buy now, pay later“, wobei die Zahlung nur gestundet sei. Bedenklich seien auch die Zunahme der „Schufa freien Kredite“, die von nicht seriösen Kreditinstituten kämen. Wer mit dem Rücken zur Wand stehe, ergreife dies als Strohhalm, was aber als Bumerang zurückkomme. Der gesetzte Anreiz sei groß, meinte Sandra Vögtlein von der Rheinhessen Sparkasse. Was sind die Ursachen von Überschuldung? Seit Jahren sind Arbeitslosigkeit, Krankheit und niedriges Einkommen die Auslöser von Überschuldung, wobei Schilling darauf hinweist, dass sich das Problem der niedrigen Einkommen verschärfen werde. Insgesamt 465 Personen wurden im Kreis Bergstraße von der AWO beraten, das seien 14 Prozent mehr Beratungen als im Vorjahr. Von den Jobcentern in Bürstadt und Mörlenbach werden Klienten überwiesen. Alle Personen ohne Jobcenter-Bezug werden kreisweit betreut, jeder könne Kontakt aufnehmen, betonte Schilling. Eine telefonische Beratung werde vorgeschaltet, die zweimal in der Woche angeboten werde, Terminvergabe in der Regel innerhalb von sechs Wochen. Als kommunale Schuldnerberatungsstelle sei die Beratung kostenfrei.  

    Rechtlich sei das Pfändungsschutzkonto kein großer Wurf, habe den Betroffenen jedoch etwas Erleichterung gebracht, der AWO-Schuldnerberatung aber Mehrarbeit – wegen der nötigen P-Konto-Bescheinigung wurde sie zur Anlaufstelle. Für die Zukunft sieht Schilling durch Energiekosten und Inflation für die Klienten „eine Herausforderung“ kommen, die sie mit großer Sorge sehe. Das entwickle sich zeitversetzt, sei noch kein großes Thema. Eine Haushaltsplanung werde wichtiger werden. Mit den Energieunternehmen vor Ort gebe es gute Kontakte, im Notfall könne über Nachzahlungen und Abschlagszahlungen verhandelt werden. Prävention wird seit Jahren an den Schulen angeboten, der symbolische Azubi Anton ist weithin bekannt. Als Hauptprojekt an den Schulen nannte Schilling ein Simulationsspiel, bei dem die Jugendlichen ein Girokonto eröffnen, einen monatlichen Haushaltsplan aufstellen, einen Handyvertrag abschließen und am Ende merken, ob ein Plus herauskommt. Diese Kooperation mit festen Partnern in den etwa 15 Schulen aller Schulformen habe sich erfreulicherweise zum Selbstläufer entwickelt. In den Abschlussklassen der Lernhilfeschulen sei die AWO kreisweit präsent. Auf Nachfrage der Finanzfachleute machte die Präventionsberaterin deutlich – sie sieht Erfolge der Schulprojekte, die dank der langjährigen Unterstützung der Sparkassen geerntet werden können. In Zahlen lasse sich das weniger fassen, aber aus den Diskussionen und Gesprächen mit den Jugendlichen. Die finanzielle Unterstützung des Kreises Bergstraße für die Prävention mit 16.000 Euro jährlich werde seit 2009 nicht dynamisiert. Es seien politische Entscheidungen, wenn die Zahlung nicht an die Inflation angepasst werde, das heiße dann weniger Leistungen, wie  Parker anmerkte. Und das in Zeiten steigender Bedarfe. Hannelore Nowacki

     

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