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Fr., 25. Oktober 2013, 11:02 Uhr
Sparkassen Worms-Alzey-Ried, Bensheim und Starkenburg spenden 16.000 Euro für Präventionsarbeit und Nachbetreuung
AWO-Schuldnerberatung geht die Arbeit nicht aus
Die Freude beim AWO-Team war groß (von links: Peter Kellermann, Melanie Schilling und Geschäftsführer Peter Blessing), denn ohne die großzügige Sparkassen-Spende von 16.000 Euro kann vieles nicht geleistet werden. Die Sparkassen waren vertreten durch Christine Schäfer (Starkenburg), Willi Sztorc (Worms-Alzey-Ried), Sandra Voegtlien (Starkenburg) und Marek Jost (Bensheim). Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Schnell sind ein paar tausend Euro Schulden aufgelaufen, die mit Hartz IV oder einem niedrigen Gehalt nicht mehr getilgt werden können. „Schon fünf- oder sechstausend Euro Schulden sind dann zu viel“, wusste Schuldnerberater Peter Kellermann aus seiner langjährigen Arbeit zu berichten. Zur Vorstellung der Arbeitsergebnisse aus Intervention und Prävention der AWO-Schuldnerberatung des Jahres 2012 waren auch Vertreter von drei Sparkassen im Kreis Bergstraße gekommen, die einen großen Spendenscheck in Höhe von 16.000 Euro mitgebracht hatten. Ohne diese jährliche Zuwendung wäre ein Teil der Präventionsarbeit und individuellen Nachbetreuung von Schuldnern gar nicht möglich, erklärte Peter Blessing, Geschäftsführer der AWO Bergstraße Soziale Dienste GmbH mit Sitz in Bürstadt in der Nibelungenstraße 164. Nur geringfügig sind die Beratungen gegenüber dem Berichtsjahr 2011 zurückgegangen, eine Entspannung der Lage ist dennoch nicht in Sicht. Fachberater Kellermann befürchtet eher einen Anstieg der Klientenzahlen durch die zunehmende Altersarmut. Statistisch erfasste die Schuldnerberatung im Jahr 2012 bei telefonischen Anfragen 426 Personen (2011 waren es 321 Personen), in laufender Beratung befanden sich 437 Personen, geringfügig weniger als 2011 mit 479 Personen. Dabei gelang der AWO-Schuldnerberatung eine Steigerung von 20 Prozent der Regulierungen bei Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr.
Neben den erfahrenen Fachberatern, die mittlerweile fast jede Fallkonstellation kennen, wie Kellermann hervorhob, gab es eine Stellenneubesetzung. Ein großes Problem für die Zukunft sieht Kellermann im neuen Insolvenzrecht, das zum 1. Juli 2014 in Kraft trete. „Das Gesetz ist frustrierend, es verschlimmert die Lage für die Schuldner“. Vorteile sieht Kellermann für die nun bevorzugten Finanzbehörden und die Insolvenzverwalter, die sich mit 40 Prozent am Geld bedienen können. Das Nachsehen hätten Schuldner und sogar die Gläubiger. Fünf Hauptursachen führen in die individuelle Schuldenkrise. Mit 32 Prozent stehe die Arbeitslosigkeit an erster Stelle, gefolgt von Trennung, Scheidung und Krankheit. Die gescheiterte Selbständigkeit, die meistens sofort im Bezug von Arbeitslosengeld II ende, besser bekannt als Hartz-IV, sei ebenfalls ein Problem. Eigentlich sei die AWO-Schuldnerberatung mit ihren drei Vollzeitstellen vollkommen ausgelastet und brauche daher keine Öffentlichkeitsarbeit, erklärte Geschäftsführer Blessing und bedauert: „Es ist unschön, wenn man nicht allen helfen kann“. Aber „wir sind im Kreis der größte und auch der effektivste Anbieter“, erläuterte Blessing zur Bedeutung dieser größten Schuldnerberatungsstelle im Kreis, die eng mit den vier Jobcentern zusammenarbeite. Für diese Leistung zahlen die Jobcenter bis zu 150.000 Euro jährlich. Daher kämen nur wenige Kreisbürger ohne Jobcenterbezug bei der Schuldnerberatung zum Zuge. Der Kreis Bergstraße beteilige sich mit Zuschüssen an der Präventionsarbeit, für die bei der AWO-Schuldnerberatung eine halbe Stelle vorhanden ist.
Der „Finanzführerschein“ habe sich in einigen Schulen des Kreises bereits einen festen Platz im Unterricht erobert, berichtete Fachberaterin Melanie Schilling. Schwerpunkt der Arbeit seien Haupt- und Realschulen, auch die Elisabeth-Selbert-Schule in Lampertheim beteilige sich. Lehrkräfte werden in Workshops für diese Aufgaben fit gemacht und wirken häufig selbständig als Multiplikatoren weiter, ohne eine weitere Begleitung durch die AWO zu benötigen. Als weitere Projekte nannte Schilling die „Kooperation Lampertheim“, mit verschiedenen Ansprechpartnern für die Jugend der Klassen 8 im Rahmen einer jährlichen Projektwoche sowie die Ausbildung als Nachwuchsexperte in Finanzfragen. Mit der Idee der „konsumlosen Erziehung“ wollen die beiden Fachberaterinnen der AWO zukünftig in die Kitas und Grundschulen gehen. Ein Konzept für Elternabende stehe bereits. Netzwerkarbeit und Kooperationen werden auch in Zukunft einen Schwerpunkt in ihrer Arbeit bilden. Ohne die Unterstützung durch die Sparkassenstiftung wäre ein solches Angebot nicht möglich, betonte Schilling.