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  • Fr., 01. November 2019, 09:41 Uhr
    Drittes Mundart-Treffen über Wirtschaften und die gute alte Zeit

    Bäschdädder Babbler nehmen Fahrt auf

    Beim dritten Treffen der Bäschdädder Babblern standen die Wirtschaften im Mittelpunkt. Foto: Nadine Schütz


    BÜRSTADT – Eine überwältigende Anzahl an Gästen, angeregtes Geplauder und knisternde Vorfreude. Das waren die Vorboten zum dritten Treffen der Bäschdädder Babbler. Mit den ersten Piano-Klängen wurde es still und Hermann Hoffmann sang unter kräftiger Mitwirkung des Publikums sein Lied „Umschunscht“. Dieses entsprach eigentlich gar nicht seinem Titel, denn umsonst ist das Lied keines Falls; beschreibt es doch liebevoll die wesentlichen Gegebenheiten Bürstadts. Im Hinblick auf den Dialekt, allerdings, ist der Titel ein Volltreffer: „Unser Sproch dess is ä Kunscht, Unn jedes weitere Wort: Umschunscht“. Und nicht umsonst wurde im Laufe des Abends festgelegt, dieses Lied zukünftig gemeinsam zur Einleitung der Babbler-Abende zu singen.

    Frank Gumbel – unverkennbar mit dem gelben Babbler-T-Shirt – fokussierte gleich in seiner Begrüßung das Thema des Abends: „Was iss’n aus unsre Wärdschafde geworre?“ Gleich fünf Wirtschaften fielen Gumbel auf Anhieb ein, die seit seiner Jugend verschwunden sind: „Die Bubbs Marie, de Landgroofe Busche, de Sieschler in de Schremser Stroß, die Frisch Quelle vom Helde Laggo un de Schbiro in de Peterstroß.“ In Anlehnung an das Thema hatten Gumbel und sein Team sich diesmal als Versammlungsort das Schützenhaus ausgesucht, eine alte bürstädter Wirtschaft, die kürzlich von Manfred Roeder übernommen wurde, der auch der Sponsor der neuen Babbler T-Shirts ist.

    Gerhard Winkler gab dem Publikum zunächst einen Überblick über die Entwicklung der Kneipen in Bürstadt. In seinen Erinnerungen von Vor-vor-gestern, wie er selbst sagte, thematisierte er den Bedarf der Kneipen. Damals sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass man sich ein Bier aus dem Keller holt: „Wann ohna Dorscht k’hadde hot, konnt es gescheh – er musste in die Kneipe geh.“ So gab es, laut den Recherchen von Jürgen Manske, im Jahre 1810 bei 1350 Einwohnern vier Wirtschaften. Gute einhundert Jahre später kam eine Kneipe auf nur 200 Einwohner.

    Hildegard Rother plauderte aus dem Nähkästchen und wusste so einiges vom Stammtisch „Zur Krone“ zu berichten und Siegfried Gebhardt hatte früher aus seinem Fenster heraus gleich drei Wirtschaften sehen können. „Schee war’s frieher!“, schwärmte Gebhardt. Monika Kroker wurde als Kind schon mal in „de Krug“ geschickt, wo sie das „Schobbe-Blesch“ voll machen ließ, und fürs Abendessen nach Hause brachte.

    Cornelia Koroscha erfreut sich noch immer an ihrer Kindheitserinnerung, als sie zur Musik der Hochzeiten beim „Laggo“ abends im Bett lag und mit den Füßen wippte bis sie einschlief. Eine schlüssige Antwort auf die Motto-Frage dieses Mittwochsabend hatte Inge Kilian: „Aus’m Schillereck is mô Wohnstubb unn mô Schlofstubb gewornn.“ Und das „Howwema Mädche“ Margit Kühn hatte sich als Kind immer gefreut, wenn ihr Vater sie in der Wirtschaft auf den Stuhl gestellt hat und sie von den anderen Gästen für den Vortrag eines Gedichtes „Sinalco und Salzstängele“ bekommen hat.

    Die kleine Abordnung der Lômbadda Babbler, bestehend aus Kerstin Zecher und Karl-Heinz „Kalle“ Horstfeld konnten zwar nicht über Bürstädter Kneipen berichten, hatten aber trotzdem ihre Beiträge im Gepäck. Ein Gedicht aus der Feder Zechers stellt die Qualität des Essens in manch einer Gaststätte in Frage: „Als Gascht frogschte disch noch, wellen Beruf hot wohl de Koch?“ Horstfeld hatte eine kleine Sammlung von Wirtshaus-Witzen zusammengestellt.

    Hans-Dieter Niepötter übergab den beiden Lampertheimern zum Dank je ein Buch über die Geschichte Bürstadts. Zudem berichtete er, womit sich einige Gäste identifizieren konnten, dass die Männer am Sonntagmorgen schon mal an der Kirchenmauer hängen geblieben sind, sich dann zum Frühschoppen getroffen hätten und sich im Nachhinein haben erzählen lassen, was in der Messe gepredigt wurde.

    Gundolf Karg berichtete über die Maskenbälle im Löwensaal und im Kronensaal. „Was dou lous war, des glaabt uns heit kôhner meh!“ Und Elke Kany verlas das Gedicht ihres Vaters „aus der guten alten Zeit“ in dem es heißt: „Weggeschwemmt hot die neie Zeit, alles scheene unn guude aus der alten Zeit.“

    So unterschiedlich die Charaktere, so unterschiedlich waren auch die Vorträge. Aber in einem sind sich alle einig: Kneipen hatten einen hohen Stellenwert, stellten sie doch das Zentrum gemeinschaftlicher Freizeitgestaltung und gesellschaftlichen Seins dar, denn in den Kneipen wurde sich ausgetauscht und in den Tanzsälen lernte sich beim Tanzkurs das ein oder andere junge Pärchen kennen.

    Das nächste Treffen der Bäschdädder Babbler findet am 27. November unter dem Motto „Mär henn emol drei Kinos kadde!“ statt. „Wirrer dohin, wanns eisch gefalle hod“, lud Gumbel die Zuhörer ins Schützenhaus ein. Nadine Schütz

     

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