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  • Fr., 07. Oktober 2022, 09:03 Uhr
    TEILHABE: Aktionsplan Inklusion erfasst Ist-Zustand und formuliert Ziele und Maßnahmen für die nahe Zukunft

    „Bauplan für ein inklusives Lampertheim” erstellt

    Stellten den Aktionsplan Inklusion vor, für den sie gemeinsam mit vielen anderen aktiv waren: Andreas Dexler, Chantal Schwarz, Günther Baus, Lara Strubel, Marius Schmidt und Jochen Halbauer (v.l.). Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – „Es ist ein Meilenstein in der Entwicklung Lampertheims zu einem Gemeinwesen, in dem es normal ist, verschieden zu sein. Weder Herkunft, noch Geschlecht noch ein Handicap dürfen ein Ausschlusskriterium sein, um dabei sein zu können, wenn der Mensch am menschlichsten ist: Bei seiner Begegnung mit Anderen” formuliert es der Erste Stadtrat Marius Schmidt in seinem Grußwort zum Aktionsplan für ein inklusives Lampertheim richtig. Dieser wurde am Donnerstag vorgestellt und geht nun in die politischen Gremien – vorbehaltlich deren Zustimmung folgt dann die Umsetzung der einzelnen formulierten Zielen und Maßnahmen. Dabei ist es wichtig, dass alle Bürger vom Aktionsplan Inklusion profitieren sollen, denn man lebt zusammen in derselben Stadt – die Menschen ohne und mit Beeinträchtigungen. Wobei die Beeinträchtigungen vielfältiger Art sind, wie schwer hören und schlecht sehen, zur Mobilität auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sein oder auch das ganze Spektrum gesundheitlicher und geistiger Beeinträchtigungen. Inklusion betrifft alle und geht alle etwas an. Gleichberechtigte  gesellschaftliche Teilhabe für alle Bürger, gemeinsam und barrierefrei, für dieses Ziel setzten sich die fünf Arbeitsgruppen ein, die den Aktionsplan innerhalb eines Jahres entwickelten.

    Der Erste Stadtrat nutzte die Gelegenheit, sich bei allen Beteiligten zu bedanken, besonders aber beim städtischen Behindertenbeirat, der den Prozess angeschoben hat, der Lebenshilfe um deren Vorsitzenden Günther Baus sowie bei der Koordinatorin des Planungsprozesses, Chantal Schwarz. Diese betonte, dass Ende 2021 insgesamt 6.811 Menschen mit einer amtlich festgestellten Behinderung in Lampertheim lebte, in etwa ein Anteil von 21 Prozent der Bevölkerung. Davon haben 3.290 Menschen einen Grad der Behinderung von mindesten 50. 

    „Der vorliegende, durch die Verwaltung initiierte Aktionsplan Inklusion veranschaulicht den aktuellen Ist-Zustand der Umsetzung der Inklusion in Lampertheim, zeigt geeignete Maßnahmen zur Erreichung definierter Ziele in den Handlungsfeldern Wohnen, Arbeit, Bildung, Sport, Kultur, Freizeit und Mobilität von Menschen mit Behinderungen auf und beinhaltet letztendlich auch Visionen, wie sich die Stadt mit dem Themenbereich mittel- und Langfristig entwickeln könnten”, stellte Jochen Halbauer, Vorsitzender des Behindertenbeirates Lampertheim klar und ergänzte, dass der Behindertenbeirat nicht nur mit viel Freude mitgearbeitet hat, sondern sich auch sehr freuen würde, wenn die „schriftlich fixierten Maßnahmen zu einer beschleunigten Umsetzung durch die beteiligten Akteure führen würde.”

    Vielfältige Ziele und Maßnahmen wurden dabei in den Aktionsplan mit aufgenommen und klar formuliert. So hat die Arbeitsgruppe „Mobilität und Barrierefreiheit” unter anderem die Ziele genannt, alle 97 Haltestellen in Lamperthei, barrierefrei auszubauen und alle öffentlichen Verkehrsmittel barrierefrei nutzbar zu machen. Ebenso sollen öffentliche Gebäude hinsichtlich der Barrierefreiheit überprüft und Mängel entsprechend beseitigt werden. Arzt- und Therapiepraxen sowie Apotheken sollen ebenfalls barrierefrei zugänglich sein, mit entsprechenden Behindertenparkplätzen direkt vor Ort. Weiterer Schwerpunkte sind die Sensiblisierung von Gaststättenbetreibern hinsichtlich barrierefreier Zugänge, der barrierefreie Zugang zu Kulturstätten und eine barrierefreie Internetseite der Stadt Lampertheim. 

    Für den Bereich „Wohnen” sollen Wohnbedarfe und -wünsche von Menschen mit Beeinträchtigungen und im Alter erfasst werden, öffentlich beauftragte und sozial geförderte Bauvorhaben sind nach dem Aktionsplan künftig barrierefrei. Und alle Bürgerinnen und Bürger haben bei Bedarf Zugang zu barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum in einem für alle zugänglichen und nutzbaren Wohnumfeld.

    Für das Gebiet „Arbeit und Beschäftigung” sind folgende Ziele mit aufgenommen worden: Einerseits die Schaffung barrierefreier Arbeitsplätze und Maßnahmen für die Förderung der Beschäftigung behinderter Menschen im ersten Arbeitsmarkt und andererseits die Schaffung eines „Integrationsnetzwerkers”, eines Ansprechpartners in Lampertheim rund um das Thema Arbeit mit Behinderung. Zudem soll das Unternehmerfrühstück wieder aufleben, um das Thema Inklusion für Firmen und Betriebe präsenter zu machen.

    Handlungsbedarf besteht auch in der Kategorie „ Sport, Kultur und Freizeit”. Die Schaffung einer Koordinationsstelle Inklusion, eventuell im Rahmen einer Non-Profit-Organisation, zwecks Aufbaus, Bekanntmachung und Vermittlung inklusive Angebote ist hier wichtiges Ziel, ebenso wie der Aufbau eines Begleitdienstes insbesondere für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Menschen mit Beeinträchtigung sollen zudem die inklusiven Angebote kostenneutral nutzen können, es sollen zudem ausreichend inklusive Angebote gemäß den Wünschen von Menschen mit Beeinträchtigungen zur Verfügung stehen. Alle Angebote sollen entsprechend bekannt gemacht werden, hierzu könnte sich ein Sport- und Familienfest mit Vereinen und Institutionen, die inklusive Angebote haben, anbieten.

    Auch im Bereich „Bildung und lebenslanges Lernen” sieht der Aktionsplan Inklusion Möglichkeiten der Verbesserung. Alle Kinder müssen mit ihren unterschiedlichen Bedarfslagen in den Kindertagesstätten in Lampertheim inkludiert werden. Es braucht genau diesen inklusiven Geist, um die Qualität und die Quantität der pädagogischen Arbeit zu sichern. Auch in der Schule soll jedes Kind die Möglichkeit erhalten, am allgemeinen Schulbesuch teilhaben zu können. Und wenn Bildung für alle zugänglich gemacht werden soll, sind auch die Zuständigkeitsbereiche der vhs und die Bildungsangebote der ortsansässigen Vereine in diesen Prozess miteinzubeziehen. Und natürlich muss auch der barrierefreie Zugang zu den Bildungsräumen gewährleistet sein.

    Die formulierten Ziele und Maßnahmen sollen nun Schritt für Schritt umgesetzt werden, inklusive des Jahres Vorbereitung sind fünf Jahre angesetzt worden. Die Arbeitsgruppen und die städtischen Gremien werden den Aktionsplan dabei intensiv begleiten und im Blick behalten – „wir werden immer wieder darauf aufmerksam machen, um dieses gelungene Projekt an Beteiligung entsprechend umzusetzen”, versprach Lara Strubel, Stadtverordnete und Vorsitzende des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses abschließend. Denn Lampertheim ist dann inklusiv, wenn kein Unterschied mehr zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gemacht wird – dies ist das große Ziel. Benjamin Kloos

     

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