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Do., 20. Juli 2017, 22:33 Uhr
Versteigerung von alten Orgelpfeifen bringt Geld zur Erhaltung ein
Baustellenparty an der evangelischen Kirche mit vielen Besuchern
Bei der Baustellenparty war es sommerlich heiß, als Rosemarie Kauß, Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt der evangelischen Kirche in Groß-Rohrheim die zahlreichen Besucher begrüßte. Foto: Hannelore Nowacki
GROSS-ROHRHEIM – Was braucht man für eine gelungene Baustellenparty im Freien? Gut gelaunte Besucher, schönes Sommerwetter, frischer Blumenschmuck, Tische und Bänke im Schatten, ein paar Stehtische, kühle Getränke und zur Stärkung mit Liebe vorbereitetes Fingerfood. Natürlich darf auch Musik nicht fehlen. Gerd Weigold hatte seine Gitarre mitgebracht und unterhielt die Besucher zunächst mit irischen Songs. Das alles war am Dienstag an der evangelischen Kirche in Groß-Rohrheim geboten, dazu gab es fundierte Information zur Kirchensanierung und die Möglichkeit zur Besichtigung der Baustelle. Organisiert wurde diese ganz besondere Party vom Förderverein zum Erhalt der evangelischen Kirche, in der Pfarrer Martin Müller nach der Sanierung wieder Gottesdienste abhalten kann. Später wagten mehrere Besucher sogar den Aufstieg über das Baugerüst bis zum Dach. In großer Zahl waren die Besucher zur Baustellenparty gekommen, schätzungsweise über achtzig Menschen. „Wir freuen uns, dass Sie so reges Interesse zeigen“, sagte Vereinsvorsitzende Rosemarie Krauß in ihrer Begrüßungsansprache. Der Förderverein wolle bewirken, dass die Kirche in neuem Glanz erstrahlt und die Glocken bald läuten. Aktueller Anlass war die Lieferung des mächtigen Holzbinders, der in das Kirchenschiff eingebaut wird. Bei der Besichtigung der Baustelle erfuhren die Besucher von Architektin und Diplom-Ingenieurin Iris Schäfer, die auch Baubiologin ist, dass dieses wuchtige Bauteil 880 Kilogramm schwer ist und eine Last von 40 Tonnen tragen könne. Der Einbau wurde notwendig, weil zwei große Stützen sehr geschädigt seien, erklärte Schäfer in ihrem einführenden Vortrag. Die Kirche habe notfallmäßig geschlossen werden müssen, nachdem bei den Sanierungsarbeiten Anfang des Jahres große Schäden festgestellt worden seien. Auch die Dachtraufe sei aufgemacht worden, wobei mehr Schäden an der Südseite und besonders schlimm im Chor entdeckt wurden. Auch an der Friedhofsseite seien überraschend massive Schäden entdeckt worden. Alles werde denkmalgerecht wiederhergestellt. Intensive Gespräche mit Statikern hätten stattgefunden und Bohrkerne wurden aus Holzbalken entnommen. An der Informationstafel konnten sich die Besucher von der Schadensdokumentation ein Bild machen. Wie bei der Innenbesichtigung zu erkennen war, liegt ein alter, über die Jahrhunderte geschädigter Stützbalken unter der geöffneten Holzdecke. Dessen Aufgabe werde zukünftig ein neuer Träger übernehmen, erklärte Schäfer, dabei verbleibe der alten Holzbalken jedoch an seiner bisherigen Position. Vier neue Stahlstützen werden neben den alten Emporenstützen eingebaut. Soweit nötig werde die Holzdecke saniert, allerdings solle niemand enttäuscht sein, denn die Malerei werde nicht aufgefrischt, betonte Schäfer. Im Boden sei eine alte Wand gefunden worden, die in Darmstadt untersucht werde. Bei den Arbeiten sei auch ein „kleiner Historienschatz“ in Form von historischen Orgelpfeifen gefunden worden, die nun gut verwahrt werden. Vergessen wurden sie wohl, als 1979 die Dietzorgel umgebaut wurde. Ein gutes altes Stück, die elektrisch betriebene Turmuhr, war noch gut in Schuss, als sie für die Turmsanierung abgeschaltet wurde, erzählte bei der Innenbesichtigung Hans Heinrich Hofmann. Er wusste noch, dass die Turmuhr 1962 restauriert worden sei. Bislang hatte er sich um die Wartung und Pflege des Uhrwerks gekümmert, abgestellt habe er sie um Punkt halb fünf. Nun legte er Architektin Schäfer seinen Wunsch ans Herz: Die alten Teile sollten erhalten bleiben, damit Besucher dieses Wunderwerk der Technik sehen könnten. Zukünftig werden Turmuhr und Glockengeläut digital gesteuert, teilte Schäfer mit. Zuversichtlich zeigte sich die Architektin hinsichtlich der geplanten Kosten von 492.000 Euro, die aus ihrer Sicht eingehalten werden könnten. Um die Kosten der Sanierung ging es auch bei der Versteigerung der alten Orgelpfeifen aus glanzlosem Zinkblech, die 1939 eingebaut wurden. Versteigerer Hein Krauß bewies, dass zumindest in den kleineren Pfeifen musikalisches Potenzial steckt, wenn man ordentlich hineinbläst. Mit einem Anfangsangebot von 10 Euro für kleine und 20 Euro für etwas größere Orgelpfeifen kam die Versteigerung in Schwung. Hannelore Nowacki
Die Kirche ist zurzeit eine Baustelle, der die Besucher großes Interesse entgegenbrachten. Architektin Iris Schäfer erklärte das Vorgehen bei der Sanierung. Foto: Hannelore Nowacki