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  • Fr., 03. Juni 2022, 11:57 Uhr
    GESCHICHTE: Neue Erkenntnisse bei der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße

    Bibliser Rathaus war 1838 richtungsweisend für das Rathaus in Zwingenberg 

    Das Rathaus in Zwingenberg. Foto: A. Dinges


    BIBLIS/ZWINGENBERG – Zwingenberg an der Bergstraße war der diesjährige Gastgeber bei der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße. Während des Vormittags stellte Bürgermeister Dr. Holger Habich die Geschichte Zwingenbergs vor. Das Katzenelnbogensche und später Hessische Landstädtchen, das 1258 seine Kirche erhielt und schon 1274 mit Stadtrechten ausgezeichnet wurde, hat heute mit seiner reichen Fachwerkbausubstanz und den relativ wenigen Gewerbeflächen, gepaart mit begrenzter Wohnbebauungsmöglichkeit eine hohe Aufenthalts- und Lebensqualität. Das zeigt sich auch an den sehr gestiegenen Baulandpreisen in Zwingenberg.

    Der anschließende Stadtrundgang brachte den Bibliser Teilnehmern die Überraschung des Tages. Schon von weitem überragte das alte Rathaus das Stadtbild. Genau wie in Biblis, stand das alte Zwingenberger Rathaus an gleicher Stelle wie mindestens zwei Vorgängerbauten. Allerdings das Rathaus in Biblis wurde bereits Ende 1834 angefangen zu bauen. Das Zwingenberger erst 1838, als das Bibliser fertig war. Kreisbaumeister Krönke, ein Sohn des renommierten Rhein-Regulierers Claus Krönke war für beide Bauten verantwortlich. Wahrscheinlich hat er auch in Biblis, ähnlich wie in Zwingenberg, massive Erdgeschossmauern des Vorgängerbaus in seinen Neubau mit einbezogen. Beide Gebäude sind zweigeschossige Putzbauten mit zurückhaltender Sandsteingliederung, flachen Walmdächern und oktogonalen Türmen mit Spitzhelm und Wetterfahne. Das Erdgeschoss weist heute zum Marktplatz einen zentralen, reich profilierten Rundbogeneingang mit jeweils zwei seitlichen Rundbogenfenstern auf. Das Bibliser Rathaus ist zusätzlich mit einem Mittelrisalit hervorgehoben, der den Balkon trägt, ein weiteres Rundportal aufweist und in einem mit Rundbogenfries verzierten Turm endete. Mit Rundbogenfriesen war schon die alte um 1560 erbaute Bibliser Kirche verziert.

    Im Obergeschoss des Zwingenberger Rathauses wurden 1899 mindestens zwei große Fensteröffnungen mit breiten Sandsteingewänden neu eingebaut. Dieses stilbrüchige Schicksal ist dem Bibliser Rathaus erspart geblieben. Es hat im Obergeschoss seine alten rechteckigen Fenster behalten. Beide Rathäuser sind typische Vertreter des Klassizismus und wenn das Bibliser Rathaus fertig renoviert ist, gilt hier das gleiche kunsthistorische Urteil wie in Zwingenberg, dem Dr. Griesbach-Maison vom Landesdenkmalamt schrieb: „Für die Stadt und speziell für den Marktplatzbereich ist das Gebäude von großer städtebaulicher Relevanz.“ zg

    Das Rathaus Biblis während des Ersten Weltkrieg. Foto: Bildarchiv Biblis

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