Sprache und Arbeit sind Schlüssel zu einer gelungenen Integration. Die neue Broschüre „Berufliche Perspektive schaffen” soll ZugewanderteBroschüre „Berufliche Perspektive schaffen” vorgestelltn die Möglichkeiten zu Ausbildung und Beruf im Kreis Bergstraße aufzeigen. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – Wie werden Neuzugewanderte im Kreis Bergstraße dabei unterstützt, eigene berufliche Perspektiven zu entwickeln und diese umzusetzen? Antworten auf diese Fragen gibt eine neue Broschüre des Kreises, die am Donnerstag im Rahmen einer Videopressekonferenz durch Landrat Christian Engelhardt und die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz vorgestellt wurde.
Landrat Engelhardt betonte zu Beginn, dass es „sich zwar ‚nur um eine Broschüre‘ handelt, diese aber dennoch sehr wichtig ist. Seit Beginn der Flüchtlingskrise war uns im Kreis Bergstraße klar, dass die auf der Hand liegenden Maßnahmen wie die Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten nur der kleinste Teil der Herausforderung ist, der größte Teil ist die Integration in unsere Gesellschaft. Dabei ist die Integration zum Teil eine Bringschuld derer, die zu uns kommen, aber dazu müssen auch Angebot da sein. Deshalb haben wir von Beginn an einen starken Fokus auf den Bereich Bildung gesetzt und die Volkshochschule für Deutschkurse genutzt. Zudem haben wir im Rahmen eines Bundesprogrammes die Stabsteile Bildungskoordination und Neuzugewanderte eingerichtet. Diese hat die Aufgabe, die vielen verschiedenen Angebote, die es gibt, so miteinander zu verknüpfen dass es Sinn macht. Denn wir haben ein großes Angebot von Schulen, freien Trägern und Organisationen in diesem Bereich. Es ist wichtig, dass man seinen Unterhalt erwirtschaften kann und durch Beschäftigung Sinn findet und mehr dazu lernt, was einen noch mehr zum Teil der Gesellschaft macht. Unsere Bildungskoordinatoren Darja Janus und Tanja Kirsch haben gemeinsam mit Neue Wege diese Broschüre mit dem Schwerpunkt erstellt, welche Angebote es für Flüchtlinge gibt, um in den Arbeitsmarkt zu kommen und sich beruflich zu integrieren.”
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz stellte klar, dass „Berufstätigkeit ein ganz wesentlicher Teil für die soziale Integration in die Gesellschaft ist. Neue Wege hat sich hierzu frühzeitig Gedanken darüber gemacht. Denn berufliche Integration ist einer der Grundschlüssel für Integration in unser Land. Wir haben bei unseren Kunden bzw. Bedarfsgemeinschaften einen großen Anteil, die nicht Deutsch sind, von diesen stammen mehr als 75 Prozent aus Drittstaaten, und von diesen ebenfalls ein großer Teil aus Asylländern. Erfreulich ist, dass 2019 mehr als 600 Personen mit Migrationshintergrund in Ausbildung und Arbeit vermittelt werden konnten, 190 von diesen waren unter 25 Jahren.”
Tanja Kirsch stellte anschließend den Inhalt der Broschüre vor. Im ersten Kapitel finden sich Angebote zur Beratung, allgemein und speziell zum Thema Arbeit und Beruf. „Die Berufsorientierung ist ein weiterer Schwerpunkt, denn viele Migranten kennen die Vielfalt an Berufen in Deutschland nicht. Hierzu ist auch ein Beratungsangebot aufgelistet”, erläuterte die Bildungskoordinatorin. Vorgestellt wird zudem Navi — der Infopoint für Menschen mit Fluchthintergrund.
Ein weiterer Schwerpunkt der Broschüre ist die Ausbildung: Hier werden Unterstützungsangebotegenannt, „erster Ansprechpartner bei Problemen mit dem Arbeitgeber oder in der Berufsschule ist hierbei das Projekt QuABB (Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule).” Bei der Bildung für den Arbeitsplatz muss zudem beachtet werden, dass nicht alle Zugewanderten die Möglichkeit hatten, in ihrem Heimatland zur Schule zu gehen. „Aber selbst wenn man all das nachholen muss gibt es Angebote im Kreis, man muss einfach nur anfangen”, so Tanja Kirsch weiter. Im Bereich der Nachqualifizierung wirdunter anderem gezeigt, was man neben einer Ausbildung machen kann, um einen Berufsabschluss zu erwerben und wie man Schritt für Schritt zum Berufsabschluss kommen kann. „Es gibt zudem Angebote für alle, die bereits mehrere Kompetenzen mitbringen, und auch alle, die sowohl Kompetenzen als auch Zertifikate mitbringen, werden in der neuen Broschüre ebenfalls fündig. Zum Schluss der Broschüre finden sich zudem informative Links zu den vielfältigen Themen.”
Darja Janus ergänzte, dass es vier Berufstypen gibt. „Wichtig ist es, sich realistische Ziele zu setzen, die von der Bildungsbiographie abhängen. Die Broschüre soll in diesem Bereich helfen, passende Lösungswege für die einzelnen Personen aufzuzeigen und sie dient gleichzeitig als Unterstützung für Berater. Es gibt die Typen Personen von hohem akademischen Grad mit Zertifikaten, Personen mit Berufsausbildung aber ohne Zertifikate, Personen mit geringer schulischer Bildung, aber die es geschafft hat in Deutschland gering qualifizierte Arbeit zu finden sowie Personen ohne Schulbildung und mit wenig Berufserfahrung. Diese sind häufig sehr jung, hier spielt die Berufsberatung und die Heranführung an den Arbeitsmarkt eine große Rolle.”
Dr. Melanie Marysko und Harald Weiß vom Eigenbetrieb „Neue Wege Kreis Bergstraße - Kommunales Jobcenter“ ergänzten, dass nach „unserer Erfahrung Menschen mit hoher Motivation bei uns landen, die zugewandert sind. Sie sind sehr gewillt sich einzubringen und Fuß zu fassen. Viele Menschen, die Integrationskurse besuchen, haben aber leider oft keine Möglichkeit zur Weiterführung. Hier geben wir Beratung, wie es weitergehen kann. Denn Sprache ist der Schlüssel und öffnet die Türen, deshalb ist es wichtig, dass Menschen sprechen. Dafür brauchen sie ein entsprechendes Umfeld, deshalb muss es nach Integrationskursen direkt weitergehen, am besten mit hoher Praxisnähe.” Benjamin Kloos
INFO: Die Broschüre ist in digitaler Form unter www.kreis-bergstrasse.de/pics/medien/intranet-lrahp-net_1_1600269919/Berufliche_Perspektiven_schaffen.pdf zu finden. Interessierte können sich die Broschüre aber auch als Printversion bestellen, einfach per E-Mail unter bildungskoordination@kreis-bergstrasse.de. Es steht eine Auflage von etwa 400 Stück zur Verfügung.