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  • Mi., 23. Februar 2022, 19:22 Uhr
    IG BAU: Gewerkschafter vertritt Interessen von 6.200 Beschäftigten im Landkreis

    Bruno Walle ist neuer Chef

    Bruno Walle ist neuer Chef der IG BAU im Kreis Bergstraße. Foto: oh


    KREIS BERGSTRASSE – Wechsel an der Gewerkschaftsspitze in der Region: Bruno Walle ist zum Vorsitzenden des Bezirksverbands Rhein-Main der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gewählt worden. Der 63-Jährige kümmert sich damit ab sofort um die Interessen von Bauarbeitern, Reinigungskräften und Beschäftigten aus der Land- und Forstwirtschaft auch im Kreis Bergstraße. Nach Angaben der Arbeitsagentur arbeiten in den Branchen der IG BAU im Landkreis aktuell rund 6.200 Menschen – 2.200 von ihnen im Bauhauptgewerbe und 1.800 in der Gebäudereinigung.

    Walle ist gelernter Maurer und Betonbauer. Nach seiner Ausbildung absolvierte er ein Studium zum Bauingenieur. Walle, der aus dem Saarland stammt und in Groß-Gerau lebt, ist seit 1979 gewerkschaftlich in Südhessen aktiv – als Mitglied des Landesjugendvorstandes der IG BAU Hessen in den 80er-Jahren bis hin zum Vorsitz des DGB-Ortsverbands Groß-Gerau (ab 2017). Seit knapp fünf Jahren ist der Gewerkschafter stellvertretender Bezirksvorsitzender der IG BAU Rhein-Main. Ehrenamtlich engagiert sich Walle zudem bei der IHK Darmstadt, wo er Prüfungen für angehende Bauzeichner abnimmt.

    „Ob auf der Baustelle, in der Reinigungsfirma oder im Malerbetrieb – gerade am Arbeitsplatz kommt es darauf an, dass die Menschen an einem Strang ziehen. Bessere Löhne und Arbeitsbedingungen fallen nicht vom Himmel“, sagt Walle. Der Gewerkschafter appelliert an die Beschäftigten, sich für die eigenen Belange einzusetzen. Gerade das Handwerk in der Region sei in den nächsten Jahren auf Tausende zusätzliche Fachkräfte angewiesen. Die Beschäftigten dürften sich deshalb nicht unter Wert verkaufen. Fachleute sollten auf einer tariflichen Bezahlung bestehen, so Walle. Wer zu wenig verdiene, solle sich an die IG BAU vor Ort wenden. 

    Ein entscheidender Punkt sei es, die drei Bereiche der Gewerkschaft – Bauen, Agrar und Umwelt – zusammen zu denken, unterstreicht Walle. „Der Klimaschutz ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit. Ob bei der energetischen Sanierung von Altbauten oder beim Waldumbau im Forst – es geht darum, dass die Beschäftigten aus unseren Branchen ihr Know-how einbringen.“ Dabei dürften die Kosten, die im Zuge der Klimapolitik auf die Menschen zukämen, nicht einseitig denen aufgebürdet werden, die ohnehin wenig verdienen, so Walle.

    Viel zu tun gebe es insbesondere auch in puncto Wohnungsbau. „Gerade im Rhein-Main-Gebiet sind bezahlbare Wohnungen Mangelware. Hier muss viel mehr passieren, gerade im sozialen Wohnungsbau.“ Entscheidend sei dabei, die Beschäftigten fair am Bau-Boom zu beteiligen. Doch immer wieder klagten Baubeschäftigte über geprellte Löhne oder unbezahlte Überstunden. „Hier muss der Staat besser durchgreifen, zum Beispiel durch verstärkte Kontrollen des Zolls. Damit die Beamten die Vorschriften besser überprüfen können, sollten Beschäftigte eine digitale Karte – eine ,Bau Card‘ – haben, über die der Lohn und die Arbeitszeiten leicht einsehbar sind“, sagt Walle.

    Außerdem kündigt der Gewerkschafter an, sich in politische Debatten einzumischen: „Viele Vorhaben der Berliner Ampel-Koalition haben direkte Auswirkungen in unserer Region – von der Wohnungsbau-Offensive über die Umgestaltung der Agrarwirtschaft bis hin zur gesetzlichen Rente. Bei all diesen Themen wird sich die IG BAU Rhein-Main einbringen und dabei auch der Kommunal- und Landespolitik auf die Finger schauen.“ zg

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