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  • Di., 15. September 2015, 08:26 Uhr
    Kerwe – Verbal-Kracher bei der Kerwerede zur Eröffnung

    Bürgermeister meisterlich mit dem Holzhammer

    Das war ein Meisterstück. Bürgermeister Gottfried Störmer holte Schwung und schon lief das Freibier. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Die gute Stimmung hängt nicht vom Wetter ab, jedenfalls nicht bei der Lampertheimer Kerwe. Der Beweis: Graue Wolken und wiederholte Regentropfenattacken konnten nicht verhindern, dass die Besucher am Samstagabend ins Kerwedorf strömten und auch am Sonntag beim Künstlermarkt und Einkaufsbummel nicht locker ließen, bis am frühen Abend doch noch die Sonne schien. So ging es dann auch noch am Montag weiter. Zur empfehlenswerten Ausrüstung gehörte ein schöner bunter Regenschirm, passend zum fröhlich-bunten Kerwetreiben. Pünktlich zur offiziellen Eröffnung am Samstagnachmittag auf dem Europaplatz war es dann soweit: Die Schirme öffneten sich. Hoch oben über der Zuschauermenge, auf dem Balkon des Alten Rathauses stehend, begrüßte Spargelkönigin Elena I. in festlicher Robe die zu ihr aufschauenden Kerwebesucher. In der Mitte Kerweborscht Heinz „Clever“ Eichenauer, neben ihm der gut gelaunte Bürgermeister Gottfried Störmer, der zum ersten Mal in seiner Amtszeit die Lampertheimer Kerwe eröffnete und für den Bieranstich seinen eigenen Holzhammer mitbrachte. Richtig, im letzten Jahr war der Bürgermeister bei den Hofheimern zur Eröffnung der Howwemer Kerb. Auf der Leiter stehend hatte Kerweborscht Christoph Oberfeld den Kerwekranz fest im Griff, bis zur Kranztaufe mit einem Schluck Wein, den Kerweborscht Eichenauer nach altem Brauch aus seinem Glas entließ. Die vielen Kerwe-Strunzer, wie die Kerwebesucher fachgerecht genannt werden, lauschten erwartungsvoll, was von oben mundartlich verkündet wurde. Die Kerweredd nahm ihren unterhaltsamen Lauf von der Ost-Umgehung und Rosengarten bis hin zur „Ringstrooß“. Dort, so die Idee des Kerweredners, soll die Grünzugtrasse mit Kokospalmen, Badesee und Strand, mit „extra oigflowe karibischem Sand“ und Ausblick wie an der Côte d’Azur dafür sorgen, dass die „Ringströßler endlich Ruh gewwen“.

    Rosen für die Damen. Die Kerweborscht hatten sich nach dem Bieranstich unter das Publikum gemischt und suchten Abnehmerinnen für die langstieligen Schönheiten. Foto: Hannelore Nowacki


    Wie könnte es anders sein, hat Kerweborscht Eichenauer allerhand Ungereimtes aus Lokalpolitik und Verwaltung in treffsichere Reime verpackt, die beim Publikum zu herzhaften Lachausbrüchen führen. Sein Fazit zu Sportplatzangeboten allerorten: „Ehr liewe Leit, mer derfs nit vergesse, unser Stadt, die hot jo Geld zum Fresse“. Ob Mehrheitsfraktion im Stadtparlament, der Stadtsheriff  oder das Stadtoberhaupt – sie alle bekommen ihr Fett weg. Doch der lang gediente Kerweborscht gesteht, dass über Störmer „de fünfte Bojemoschter in moinre Kerweborschtzeit“, „noch nitemol oon Sexskandal“ zu berichten sei – „fer mich schun e Qual“. Doch dann legte er los und die Zuschauer hatten wieder ordentlich Stoff zum Lachen mit Fragen wie „un dät gern wisse, wonn der Kerl mol was schafft“. Aber so richtig auf den Wecker geht ihm „persönliches Gezänkel“, anstatt sich „parteiüwwergreifend zu respektiere“. Kommt Obama nach Lambade, um Stellung zu nehmen? Könnte nach der Resolution im Stadtparlament ja sein, findet Eichenauer - „‘s fehlt dann bloß noch, liewe Kerwegescht, dass er dort aa noch ‚Ich bin Lambader‘ zu uns sescht.“  Nach dem Ausflug in die große Politik kehrte der Redner wieder zurück, um „Howwe“ und der Ortsvorsteherin  mundartlich-bissig Revanche zu verpassen – zum Lachen, wie mancher erschrocken bemerkte, jedoch kaum politisch korrekt. Was hat ihn da wohl geritten?  Eine Frage, die einige Kerwebesucher beschäftigte, in Sorge um das friedliche Zusammenleben aller Stadtteile.  Bürgermeister Störmer machte dem altgedienten Kerweredner mit seiner Replik mundartlich heftig Konkurrenz und hatte mit seinem Vorschlag die Lacher auf seiner Seite: Er werde mal feiern  und der Kerweredner hält die Reden des Bürgermeisters. Dann würde er schon sehen, was Arbeit ist. Mit großer Leichtigkeit, im scheinbar routinierten Ruck-Zuck-Verfahren, holte Bürgermeister Störmer unter den aufmerksamen Blicken der versammelten Kerweborscht und Spargelkönigin Elena I. mit seinem Holzhammer Schwung und vollbrachte den Bieranstich für das nun fließende Freibier. Dazu spielten die „Zwoa Spitzbuam“ das Kerwelied wie schon bei der Fahrt der Kerweborscht und Spargelkönigin vom Heimatmuseum durch die Römerstraße bis zum Europaplatz  – diesmal wieder auf der Rolle mit dem alten Lanz-Hochglanztraktor  von Christoph Oberfeld. Die Kerwe hatte mittlerweile Fahrt aufgenommen, vom Taiga-Jet hallte das muntere Kreischen fast bis zur Domkirche, während die jüngsten Kerwebesucher fröhlich winkend ihre ruhigen Karussellrunden drehten. Appetit anregende Düfte machten sich breit, Vereine und Gastronomie hatten sich mit ihrem Angebot auf die Kerwegäste eingestellt. Gemütlichkeit in den zahlreichen Zelten war angesagt. Viele Damen hatten Glück und erhielten von den Kerweborscht eine wunderschöne Rose. Hannelore Nowacki

    Vor dem Heimatmuseum wartete der Traktor mit Rolle auf die sieben Kerweborscht und Spargelkönigin Elena I. Die „Zwoa Spitzbuam“ waren für die Gute-Laune-Kerwe-Musik zuständig. Foto: Hannelore Nowacki


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