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  • Mo., 02. Oktober 2017, 09:55 Uhr
    Kerwevadder Damiano Brucato weiß, wo es in Bäschdad hakt

    Bürstädter Kerwe in Hochform

    Nach dem Kranzaufhängen waren Freibier und Freifahrten angesagt. Ein bisschen Regen gehörte dazu. Foto: Hannelore Nowack


     

    BÜRSTADT – Die Stimmung auf dem Marktplatz nahm schon Fahrt auf als der Kerweumzug dort ankam. Hoch flogen die Gondeln des Fahrgeschäfts in den grauen Himmel, unten das bunte Treiben und der anregende Duft von gebrannten Mandeln. Ein paar Regentropfen fielen, da war es angenehm, dass unter dem schützenden Markthallendach Tische und Bänke aufgestellt waren. Nach dem ökumenischen Gottesdienst auf dem Festplatz im Bürgerhauspark schlossen sich viele Gottesdienstbesucher dem Kerweumzug an, der durch die St.-Michael-Straße über die Wilhelminenstraße und Marktstraße zum Marktplatz führte. An der Spitze des Umzugs lief musizierend der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr mit Stabführer Erik Minnder. Ihnen folgten zwei Traktorengespanne des Bulldog-Clubs Bürstadt mit dem Kerwekranz, begleitet von den Kerweborsch des Heimat- und Carnevalvereins Bürstadt (HCV) in blauen Hemden, die wie der Kerwevadder im HCV-Männerballett aktiv sind. Im Planwagen fuhr Kerwevadder Damiano Brucato mit, an seiner Seite Bürgermeisterin Barbara Schader. Prächtig blauweiß gekleidet folgten die HCV-Garden, fröhlich winkend der Frauenfastnachtsverein Guud druff und die Sackschdoahogger. Bis zur Kerwerede musste die Menge noch ein wenig warten. Mit Trommeln, Fanfaren und Flöten machte der Musikzug Stimmung. HCV-Präsident und Mitorganisator Patrick Brenner begrüßte die Menge auf dem Marktplatz. Früher, so berichtete er, war die Kerwe anders, da wurde sogar zu Hause Kerwekuchen gebacken. Früher wurde der Kerwebaum aufgestellt, jetzt wird der Kerwekranz von der elektrischen Seilwinde in die Höhe gebracht, erklärte Bürgermeisterin Schader und dankte allen, die engagiert die Tradition der Kerwe aufrechterhalten. Dank sprach sie auch dem Kerwevadder Damiano Brucato aus, der anschließend zum dritten Mal seine Stimme zur Kerwerede erhob. Manfred und Willi Winkler unterstrichen die Aussagen mit Saxofon und Quetschkommod. Die mit Spannung erwartete Kerwerede hatte Damiano Brucato kräftig mit Humor angereichert, in klangvoller Bäschdedder Mundart vorgetragen. Dabei machte sich der Kerwevadder so manchen Reim auf das Geschehen in der Stadt, fing jedoch mit dem Schönen an. Für das Stadtjubiläum 1250 Jahre Bürstadt fand er lobende Worte: „Die Stadt war top im Organisiere, Sponsern unn Plane, deshalb hielten sich die Preise fa Esse unn Drinke im Rahme“ und „Commedian unn Sänger gabe sich die Klinge in die Hond“. Begeistert ging es weiter: „Der Umzug am Sunndag war werklisch super, vunn Fußvolk bis Wage, war alles in Butter – war Werbung fa unser Stadt“. Außerdem „hodd unser Bärbel ausgseje wie frieher die Queen“. Nach dem „Radrenne im Auguschd dorsch unsern Ort, die Metropole vum Ried“ als sportlicher Jubiläumsabschluss nahm der Kerwevadder Kurs auf die neuralgischen Punkte wie den Umbau am Bahnhof und die neue Radspur in der Wilhelminenstraße. Auch auf die Supermärkte und die Bäckereien machte er sich seinen Reim. „Warum ich die uffzähl, des saa ich eich glei – ich mach mär Sorge um Bäschdatts Bäckerei. De kloane Bäcker steht do we en Zwerg unn muss hart kämpfe um soi Handwerk“. Die Pointen saßen, die Zuschauer lachten, auch bei der Erfindung neuer Wochentage in der Werbung wie den „Framstag“. Damiano Brucato ließ es nicht mit dem Örtlichen bewenden, er holte unterhaltsam aus zum Dieselskandal und nahm Anstoß an den Ablösesummen im Fußball und kam schließlich auf die Bundestagswahl zu sprechen. „Die mache sowieso was se wolle, ich här uff … alla proschd“. Sein Fazit: „Drum feiern mär Kerb, wie’s immer schun war“. Vorher aber noch ein Kracher. „Unn schickt uns die Brauereri aach a Fass, donn halte mär’s wie Angela Merkel … „wir schaffen das“. Wem ist die Kerwe? Keine Frage: „Unser“. Den Kerwekranz begoss der Kerwevadder mit einer Flasche Wein, dann folgten die Blicke dem Kranz, bis die bunten Bänder hoch oben unter dem Markthallendach im Wind flatterten. Hannelore Nowacki

     

     

    Kerwevadder Damiano Brucato unterhielt das Publikum mit mundartlich gereimter Rede, die das Ortsgeschehen auf die Schippe nahm und die große Politik nicht schonte. Foto: Hannelore Nowacki


     

     

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