HCV-Kerwevadder Damiano Brucato hatte sich auf einige Themen kritisch und mit Humor einen Reim gemacht, musikalisch garniert vom Duo Winkler & Winkler. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Musikalischer Einzug ins Kerwedorf auf dem Marktplatz – der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt und Hofheim hatte den Umzug angeführt und Stabführer Erik Minnder führte die Musiker schwungvoll in Wellenformation bis zur offenen Markthalle, ins Zentrum des Geschehens, denn hier wurde wenig später der Sonnenblumen geschmückte Kerwekranz aufgehängt – aber noch nicht hochgezogen. Auf der kleinen Bühne begrüßte HCV-Präsident Patrick Brenner die Zuschauer und verkündete den Programmablauf. In ihrem Grußwort ließ Bürgermeisterin Barbara Schader die Kerwe hochleben. Beim Blick in die Runde war ihr klar: „Ja, die Leit sinn froh“. Das gemeinsame Singen des Bürstädter Kerweliedes begleitete das Duo Winkler & Winkler, das auch die Kerweredd von HCV-Kerwevadder Damiano Brucato musikalisch würzte. Zuerst noch ein Schluck Wein für die Stimme, dann legte der Kerwevadder los. „Wem is die Kerwe?“ Auf seine Frage erhielt der Kerwevadder immer wieder die richtige Antwort. Aufmerksam hörte sein Publikum zu, welche Gedanken sich der Bärrstädder Italiener in hiesiger Mundart über das Leben und die Politik gemacht hat. An den verstorbenen Ur-Kerwevadder Karl-Heinz Wahlig erinnerte er, wie auch schon die Bürgermeisterin. Dessen Leitspruch gab er den Zuhörern mit auf den Weg: „Drum feier die Kerb, solang es noch geiht, denn leischt uff em Kärschhouf, is alles zu späit“. Zur Schnakenbekämpfung oder „Miggeplage“ meinte der Kerwevadder: „Die Schnouge sinn in Schare iwwer uns härg’falle unn g’schwebt und hänn sich von uns sehr gut ernährt“. Den Strossebau um Bäschdadd nahm sich Brucato ebenso kritisch vor wie den geplanten Kreisel: „Am Alte Rothaus soll er hin, ein mancher frogt sich noch dem Sinn“. Auch auf die abgerissene Tribüne im VfR-Stadion musste „nochmol getrunke soi“. Ebenso kritisch wie humoristisch angereichert nahm Brucato das weitere Geschehen am Bahnhof aufs Korn: „MoinVorschlag iss, um den Verkehr besser zu verwalte, tut die Schronke umbaue unn die Zig oahalte“. Für die Politik und gegen die schlechten Nachrichten hätte der HCV-Kerwevadder ein Rezept: „Mär täte mit unserm Verein bestimmt besser regiere, awwer mär henn koa Zeit, mär misse die Kerb unn die Fastnacht organisiere“. Wie die Tradition es verlangt, tränkte Brucato den Kranz mit einer ganzen Flasche Wein, bevor er auf den Knopf drückte, um den Kranz elektrisch betrieben bis unter das Hallendach zu fahren. Im Kerwetreiben verteilten die Gardemädchen nach der Kerwerede Gratis-Fahrkarten für die Fahrgeschäfte an alle Kinder auf dem Platz und an alle, die sich jung genug fühlten, wie HCV-Präsident Brenner abschließend verkündet hatte. Anamarija und Aurora, beide zehn Jahre, hatten wie ihre Freundinnen mehrere Gratis-Fahrkarten ergattert, die sie sich gut einteilten. Glück und Geschick bescherte Anamarija ein niedliches Bärchen. Sie gehen jedes Jahr Kerwe erzählten sie, weil es Spaß macht. Hannelore Nowacki
Der weinselig tropfende Kerwekranz fährt nach oben, die bunten Bänder flattern im Wind. Foto: Hannelore Nowacki