Tag der offenen Tür im Heimatmuseum und Oldtimersammlung
Bürstädter Lebenswelten vergangener Zeiten
Zum Tag der offenen Tür des Heimatmuseums zeigten Edgar Gräf und Sohne Uwe Gräf ihre Oldtimer-Sammlung. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – „Wir wollen zur Oldtimer-Ausstellung“. Das auswärtige Paar sagte die Worte mit einem Strahlen im Gesicht. Die beiden mussten nur noch den richtigen Weg dorthin finden. Gut, dass ihnen in der Nibelungenstraße Gabi Winkler begegnete, die den Weg einfach beschrieb – immer geradeaus, über die Kreuzung und dann links. Dort vor dem Bürstädter Heimatmuseum der Familie Gräf in der Peterstraße 11 standen die mobilen Prachtstücke aufgereiht. Auf der einen Seite Motorräder wie die NSU Max mit 21 PS aus der Weltmeisterklasse mit drei Siegen in den Jahren 1953, 1954 und 1955. Ulrike van Weelden und Dirk Ceelen waren von diesem Renner beeindruckt und fanden in Dirk Tremmel einen versierten Gesprächspartner. Auf der Sonnenseite der Peterstraße glänzten mehrere Oldtimer aus der Sammlung von Edgar Gräf und Sohn Uwe Gräf, die schon damals, als sie fabrikneu auf die Straße kamen, die Blicke auf sich zogen: Ein Ford Mustang, Baujahr 1965, zwei schwere Mercedes-Limousinen aus den Jahren 1966 und 1974 sowie ein Porsche, Baujahr 1981, der ein Lieblingsauto von Edgar Gräf ist. Alle Oldtimer sind topfit, auch für den Fahrspaß auf der Autobahn geeignet. „Selbstverständlich“, wie Oldtimersammler Edgar Gräf betonte. Auch auf dem Acker fuhr der Bauer früher Porsche, ein rotes Exemplar dieser seltenen Oldtimer-Spezies aus Gräfs Sammlung war ebenfalls zu bewundern. Stammbesucher kamen und viele, die sich zum ersten Mal im Heimatmuseum umschauten und in die ländlichen und bäuerlichen Lebenswelten früherer Generationen eintauchten wie Familie Kraus aus Bürstadt, die gerade ins Musikzimmer eintreten wollte, als Horst Adam sich einen Traum erfüllte. Mit flinken Fingern entlockte er der Hammond-Orgel M 100, Baujahr 1964, eine schöne Melodie. „Sehr gut in Schuss“ fand er die Oldtimer-Orgel. In der Jugend habe er das Orgelspiel erlernt, spiele jedoch Akkordeon, weil man dieses leichter transportieren könne, berichtete er im Gespräch mit dem TIP. Zu verdanken habe er seiner Partnerin Viola Stalyga diesen erstmaligen Besuch im Heimatmuseum. Vollkommen begeistert sagte sie: „Es ergreift einen, diese Dinge zu sehen, mit denen man früher gearbeitet hat, diese ganzen Ackergeräte. Und alles ist restauriert. Das fasziniert mich einfach“. Bei Familie Kraus ist es der fünfjährige Etienne, der diesen vielen alten Dingen auf den Grund gehen will und das Holzfass im Hof entdeckt hat. Doch das Schiff habe ihm am meisten gefallen. Er weiß schon viel über frühere Zeiten, zum Beispiel, dass es vor vielen Jahren eine große Überschwemmung gegeben hatte, weil die Rheindeiche gebrochen waren. Familie Kraus hatte noch viel vor, die alla hopp!-Anlage und das Kindertheater beim Stadtfest wollte sie noch besuchen. Mit Bruno Gündling hat Familie Gräf einen ehrenamtlich tätigen Unterstützer für das Heimatmuseum gefunden, der die Heimatgeschichte mit großer Hingabe und riesigem Kenntnisschatz erforscht, der den Besuchern gerne Auskunft gibt. Für seine Sonderausstellung zum Tag der offenen Tür im Heimatmuseum hatte er historische Landkarten gerahmt und aufgehängt, die eines gemeinsam haben: Bürstadt ist überall verzeichnet – sogar auf einer Landkarte, die dem Rhein von den Alpen bis in die Nordsee folgt. Die etwa 200 Jahre alten Kupferstiche dreier Kupferstecher aus Deutschland, Holland und Österreich seien Originale, der Holzstichkarte jedoch ein Faksimile, erklärte Gündling und folgerte stolz: „Bürstadt, die Weltstadt mit Herz ist sogar auf großen Karten verzeichnet“. Manche Fehler wiederholten sich in den Karten, ganz einfach - weil die Kupferstecher voneinander abgekupfert hätten. Auf jeder Karte leuchtete ein roter Punkt – Bürstadt. Allerdings hat man damals verschiedene Schreibweisen gepflegt, so heißt Bürstadt auch Birstatt, Fürstadt oder Burstat und Bobstadt findet man als Popstatt. Und wenn Gündling aus der Geschichte so lebendig erzählt, als wäre sie noch gegenwärtig, dann versteht man, wenn er überzeugt sagt: „Bürstadt ist eine geschichtsträchtige Stadt“.
Familie Kraus auf Erkundungstour durch das Heimatmuseum. Dem fünfjährigen Etienne machte es besonders Spaß, denn er ist sehr an alten Dingen interessiert. Foto: Hannelore Nowacki
Über die Geschichte desNachens im Innenhof weiß Matthias Molitor bestens Bescheid. Das Rettungsboot hat er selbst hergerichtet und weiß, dass Bürstadt auf Geheiß des Großherzogs nach der Flut 1883 einen Rettungsnachen anschaffen musste, unsinkbar durch zwei seitliche Luftkammern, auch eine Mannschaft wurde ausgebildet. Aber es sei nie zu einem Einsatz gekommen. Bei strahlendem Sonnenschein flanierten die Besucher durch den blühenden Garten, verweilten hier und da bei den ausgestellten Gerätschaften, gingen in die Schmiede, das Musikzimmer und das kleine Schulzimmer, schauten sich die Alltagsgegenstände vergangener Zeiten an. Hannelore Nowacki