So., 28. Januar 2018, 13:40 Uhr
Gesprächs- und Informationsabend der Bürgerkammer Neuschloß / Erörterung der Lösungsmöglichkeiten mit den Anwohnern
Busverkehr im Stadtteil Neuschloß im Fokus
NEUSCHLOSS – Die Bürgerkammer Neuschloß lud am vergangenen Donnerstag zu einer Informationsveranstaltung im Bürgersaal des Stadtteils ein, um die Bürger über das Thema Busverkehr mit den damit verbundenen Linienführungen und Bushaltestellen in Neuschloß zu informieren. An der Gesprächsrunde beteiligt war Bernd Isenhardt, Geschäftsführer der VTL (Verkehr und Tourismus Lampertheim Verwaltungsgesellschaft mbH). Bewohner des Stadtteils waren anwesend, um gemeinsam über die Gegebenheiten und die möglichen Veränderungen zu diskutieren. Carola Biehal, Vorsitzende der Bürgerkammer Neuschloß, die sich Anfang Februar neu konstituieren wird, entschuldigte den 1. Stadtrat Jens Klingler aufgrund kurzfristiger Erkrankung.
Nachdem beim vergangenen Treffen der Bürgerkammer die häufigen Verspätungen der Linie 605 zur Pestalozzischule im Mittelpunkt standen, ging es diesmal hauptsächlich um andere Punkte. Anwohner im Ahornweg hatten sich im Vorfeld beschwert, dass die Busse grundsätzlich viel zu schnell fahren würden und in den Kurven über die Gehwege. Auch die Geruchsbelästigung war hier Thema. Diskussionsschwerpunkt war nun, die Haltestelle an der Landesstraße sicherer zu machen und die 602 (Lampertheim Schulzentrum West) nicht mehr im Ulmenweg halten zu lassen. Das würde aber auch vor allem für Anwohner aus dem Akazienweg den Nachteil der deutlich längeren Wege mit sich ziehen – Schulkinder und ältere Menschen müssten entlang der gefährlichen Landstraße laufen.
Der Busverkehr bringt die Neuschlößer schon Jahren immer wieder auf die Palme und stößt auch aktuell auf heftige Kritik – deshalb wurde das Thema nun von der Bürgerkammer erneut aufgegriffen. Im Vorfeld gab es auch eine „Probefahrt“, um Beschwerden nachvollziehen zu können. Biehal wies die Anwesenden auf den demographischen Wandel hin, der auch in Neuschloß mit sich ziehe, dass es künftig mehr ältere Einwohner geben werden wird, aber auch gleichzeitig viele junge Familien mit Kindern. Ein Verlegung der Bushaltestellen könne nicht alle paar Jahre erfolgen wegen dem damit verbundenen Verwaltungsaufwand und den gleichzeitig hohen Kosten. Isenhardt ergänzte, dass die Änderungen der Dienst- und Buspläne lediglich im Rahmen von Fahrplanänderungen erfolgen können.
Obwohl Biehal die Anwesenden zu sachlichen Redebeiträgen aufforderte, blieb es nicht aus, dass der Ein oder Andere sich sehr emotional äußerte. So sei die Straße nicht für Buslinien geeignet, insbesondere durch die enge Kurve, die gefahren werden muss. Einig waren sich die Anwohner, dass die Sicherheit hier absolute Priorität hat, auch beim Ein- und Aussteigen an den Haltestellen. Eine anwesende Mutter stellte den Vorschlag in den Raum, künftig kleinere Busse für die Pestalozzischüler einzusetzen. Isenhardt wies in diesem Zusammenhang auf die betriebstechnischen Probleme beim Einsatz von weiteren Bussen hin. Er meinte, dass ein Kleinbus mit einer Kapazität von 40 Fahrgästen hier ausreichen würde und sprach auch die Problematik der Verspätungen nochmals an – bedingt unter anderem durch den Zuwachs von verkehrsberuhigten Zonen. „Wie müssen Maßnahmen ergreifen – der Fahrplan kann auch stabiler werden“ merkte er an und warnte gleichzeitig davor, die momentan vorhandenen Verbindungen nicht zu sehr „auszudünnen“, um das Angebot nicht unattraktiv werden zu lassen. Alle Argumente müssten betrachtet werden. Er hob die Bedeutung des ÖPNV hervor, sowohl für Familien mit Kindern als auch für mobilätseingeschränkte Personen, deren Belange gleichfalls berücksichtigt werden müssten.
Der Vorschlag von Robert Lenhardt stieß allgemein auf sehr positive Resonanz im Saal: Die derzeitig vorhandene Linie 605 solle beibehalten werden und gleichzeitig die Linien 602 und 644 (Viernheim – Worms) vorverlegen an die Forsthausstraße. „Man kann nur mit einem Kompromiss leben“ erwähnte er. Auch Michael Bayer hielt einen Erhalt der Linie 602 für erstrebenswert – sie müsse lediglich verändert werden.
Während eifrig über den Busverkehr diskutiert wurde, galt es plötzlich, den kompletten Stadtteil zusammenzutrommeln, da Biehal einen Anruf von Bürgermeister Gottfried Störmer erhielt, dass Neuschloß den Wettbewerb als „Dolles Dorf“ gewonnen hatte und somit in der Hessenschau gezeigt wird.
Tenor der Anwohner war zum Schluss, für die Linie 605 den Einsatz des großen Busses mit 4 Fahrten täglich beizubehalten und für die weiteren Linien kleinere Busse einzusetzen und die Haltestellen vorzuverlegen – gemäß Vorschlag von Lenhardt. Das Thema werde auf der nächsten Bürgerkammersitzung am 22. Februar auf der Tagesordnung stehen. Biehal versprach, eine allgemeinvertägliche Lösung anzustreben. Die Bürger aus Neuschloß werden über das weitere Vorgehen rechtzeitig informiert. Sigrid Samson