„AUFHOLEN NACH CORONA”: Kreis Bergstraße verteilt 474.000 Euro aus Bundesprogramm Kinder und Jugendliche fördern
Corona bedingte Versäumnisse aufholen
Große Freude in Lampertheim über die Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Aufholen nach Corona“ für Kinder und Jugendliche. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“, mit dem die Bundesregierung insgesamt zwei Milliarden Euro für Corona bedingte Versäumnisse bei Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stellt, kommt mit genau 473.940,68 Euro auch im Kreis Bergstraße an. Auf ihrer Tour durch den Kreis über Bensheim kam Diana Stolz, Erste Kreisbeigeordnete, als Dezernentin zuständig auch für Gesundheit und Jugend, am Donnerstagabend mit einem ganzen Stapel von Förderbescheiden nach Lampertheim mitTreffpunkt an der Stadtbücherei. Welche Einrichtung sollte mit den Fördermitteln unterstützt werden, wo wird das Geld am dringendsten gebraucht? Darüber hatte im Bereich Jugendhilfe ein eigens gebildeter Unterausschuss in Zusammenarbeit mit vielen Fachleuten beraten, erklärte Stolz. Das Geld soll direkt bei den Kindern und Jugendlichen ankommen, war man sich einig, kein Umweg beispielsweise über Multiplikatorenschulungen oder Verteilen von Maskottchen, was auch möglich gewesen wäre. Ein weiteres Entscheidungskriterium war, neue Ideen zu entwickeln. Auch Vereine waren gebeten worden sich Gedanken zu machen. Viele kreative Ideen seien aufgekommen, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen für unterschiedliche Altersgruppen.Dem Jugendamt dankte sie für die hochmotivierte Unterstützung. Die 26 Projekte im Kreis Bergstraße müssen bis September 2022 beginnen, mit einer Laufzeit bis August 2023, teilte Ulrich Schneider vom Fachbereich Bildung, Betreuung und Erziehung des Jugendamtes mit. Einige Projekte seien sogar schon abgeschlossen. In Lampertheim erhält die Stadtbücherei 2.750 Euro, die Jugendförderung der Stadt Lampertheim bekommt für die Spielenachmittage 1.200 Euro und für die Freizeit in Berlin 7.260 Euro, die Biedensandbäder erhalten 770 Euro, die DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) für das Sommerfest 737 Euro und die Pestalozzischule erhält 8.500 Euro aus dem Fördertopf. Mit dem größten Betrag von 32.912 Euro wird das Projekt der Nibelungenschule Viernheim gefördert.
Projektvielfalt in Lampertheim
Das Angebot derStadtbücherei richtet sich an Kinder des 2. Schuljahres, die ehrenamtliche Mitarbeiter im Rahmen des Projekts „Lesen lernen macht Spaß“ einmal in der Woche kostenlos beim Lesen unterstützen. Dabei hilft auch eine App. Wie die Leiterin der Stadtbücherei Barbara Burkhard berichtete, habe das Home-Schooling diesen Jahrgang ganz schwer getroffen, denn die Kinder mussten in der 1. Klasse zuhause lesen lernen, das merke man schon. Besonders schwer sei es für Kinder gewesen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Susanne Camus von der Jugendförderung stellte zwei Projekte vor, für die sie Anträge gestellt hatte. In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei ist Spielespaß angesagt beim „Flitze Feuersteins Familien-Spieletreff“.Vorbeikommen, einen schönen Nachmittag zusammen verbringen, neue Spiele kennenlernen und auch gerne eigene Spiele mitbringen, lautet die Einladung zum Treffen einmal im Monat. Im September geht es los. Das zweite Projekt der Jugendförderung ist die „Jugendfreizeit in Berlin 2022“ für die Altersgruppe ab 12 Jahren. Wie Jennifer Fröhlich erklärte, geht es um politische Bildung in Verbindung mit Spaß. Fast eine Wochewerden die Teilnehmer gemeinsam auf einem Schiff verbringen, das sie ganz für sich haben werden. In den Biedensandbädernheißt das neue Projekt „Schwimmfix-Schwimmkurse“, das Bäderchef und Erster Stadtrat Marius Schmidt vorstellte. Die Zielgruppe, Kinder, die schwimmen lernen wollen, sei doppelt betroffen worden, einmal wegen Corona und dann noch wegen der Schließung des Hallenbades wegen der Sanierung, erläuterte Schmidt die Lage. Das Hallenbad ist wieder geöffnet, aber die Nachfrage nach Schwimmkursen übersteige immer noch das Angebot. Doch werde das Engagement verstärkt, in den Ferien werde es einen Kompaktkurs geben. Vom Verein Lernmobil Viernheim waren Christin Zweigler, zuständig für den Bereich Grundschulbetreuung,und Geschäftsführer Dr. Gerd Baltes gekommen. Als sie vom Fördertopf gehört hatten, sei die Freude groß gewesen. Bei der Schulkindbetreuung war aufgefallen, dass besonders die 3. Klassen im Sozialverhalten am auffälligsten waren: „Wir haben gemerkt, in der Gruppe arbeiten und spielen, das können sie nicht mehr“. Zweigler erklärte, wie das Problem entstanden war – die Kinder wurden 2019 eingeschult, die meisten kamen nicht in die Notbetreuung, waren einzeln zuhause auf sich allein gestellt. Zwei Projekte können mit den Fördermitteln stattfinden: In der Nibelungenschule in Viernheim gibt es das „Freundetraining“ zweimal in der Woche und in der Pestalozzischule Lampertheim geht es um das Förderangebot zur Stärkung von Kindern im Alltag einmal wöchentlich mit Spielen, Tanz und Entspannungsprojekten wie beispielsweise Kinderyoga oder Traumreisen. Dafür werden gerade Fachleute vor Ort gesucht. Vom DLRG-Jugendvorstand nahmen Ivonne Glaschke, Denise Glaschke und Vanessa Marsch den Förderbescheid für das Sommerfest entgegen. Spaß, Spiel und Bewegung stehen auf dem Programm. Dazu gehört ein Bubble-Soccer-Turnier als besondere Attraktion. Zum Spaßwochenende werden auch befreundete Ortsgruppen eingeladen. Hannelore Nowacki