AUSZEICHNUNG: Courage-Ordensfest des Heimat- und Carneval-Vereins Bürstadt (HCV) mit mehreren früheren Trägern des Courage-Ordens
Courage-Orden 2023 für Volker Bouffier
Der neue HCV-Courage-Ordensträger Volker Bouffier mit Urkunde und Ehefrau Ursula an seiner Seite, HCV-Vorstand, Garden und Ehrengästen. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Volker Bouffier, Jahrgang 1951, bis Mai 2022 Hessischer Ministerpräsident, ist nicht nur seit über vierzig Jahren für die CDU in der Politik zuhause, auch in Sachen Fastnacht ist er profunder Kenner wie am Sonntagnachmittag als frisch gekürter HCV-Courage-Ordensträger 2023 in seiner Dankesrede deutlich machte: „Magnetpol der Fastnacht ist Bürstadt“. Das brachte ihm nicht unerwartet großen Applaus des Publikums im Bürgerhaussaal ein, auch der HCV-Spitze sprach er damit aus der Seele. Hatte doch der HCV-Vorsitzende Frank Reichmann in seiner Begrüßungsansprache die 400 Gäste und zahlreichen Ehrengäste im Saal wissen lassen, dass der HCV am vorangegangenen Abend seine vierte Prunksitzung gefeiert hatte und anschließend in der Nacht noch den Saal komplett für das Courage-Ordensfest umräumte. „Hand in Hand geht halt alles etwas einfacher – dieses Zueinanderstehen ist wichtiger denn je“, führte Reichmann auch mit Blick auf die Bürstädter Vereinswelt aus, getreu dem Motto des diesjährigen Jahresordens „Der HCV wie man ihn kennt, in seiner Heimat stets präsent“. Auch diesen Orden erhielt Volker Bouffier, der als Courage-Ordens-Träger automatisch HCV-Ehrenmitglied wurde, eine Auszeichnung, die ihm Ehre und Pflicht zugleich bedeute. Wobei Volker Bouffier sogleich ankündigte, gerne wieder nach Bürstadt zu kommen, wenn ihn der HCV einlade, eine Zusage, die er ohne Rücksprache mit seiner Frau Ursula umgehend wagte, aber mit Blickkontakt zur ihr vor der Bühne. Wolfgang Bosbach, Courage-Ordensträger von 2016 und wie Bouffier politisch über Jahrzehnte für die CDU aktiv, bekannt als langjähriger Bundestagsabgeordneter und engagierter Talkshowgast, hatte zur Freude der HCV-Spitze spontan zugesagt, als Laudator für Bouffier zu wirken. Reichmann sagte „danke für die unkomplizierte Kommunikation“ und teilte kritisch in Richtung Berlin aus, dass wir das eine oder andere Problem weniger hätten, wenn dort ebenso agiert würde. Ein bedeutsames Novum hob Reichmann hervor, denn weitere Courage-Ordensträger waren gekommen: Peter-Kurt Würzbach (1989; ehemaliger Staatssekretär), Klaus Schlappner (2003; Fußball-Lehrer), Harriet Bruce-Annan (2010; Gründerin des Vereins African Angel) und Franz Lambert (2013; weltbekannter Musiker). Bürgermeisterin Barbara Schader sprach in ihrem Grußwort dem HCV für den gelebten Zusammenhalt als HCV-Familie ihre Wertschätzung aus. In gereimter Rede hießt Landrat Christian Engelhardt Volker Bouffier „im schönsten Landkreis Deutschlands“ willkommen und machte deutlich, was er an ihm schätzt: „Durchhaltevermögen, Mut und Rückgrat“. Auch das Bürstädter Prinzenpaar, Prinz Andreas II. und Prinzessin Viviane I., sprach in gereimter Form, wobei der Prinz mit Humor die aktuelle Politik aufs Korn nahm. Für diesen Anlass habe er sich schick gemacht, erklärte Laudator Bosbach dem Publikum, gekleidet im bunten närrischen Frack. Aus seiner rheinischen Frohnatur und seinem Hang zum Karneval in seiner Heimat machte er kein Geheimnis - mit seinem Griff zum Mikrofon, war der Weg frei zu humorvoll vorgetragenen, ernsten Betrachtungen über Zustände in der Gesellschaft und im Fußfall, über die Kindheit seiner Generation und die Wertschätzung der Heimat im Besonderen. Und natürlich zur Politik und Volker Bouffier, der wie er nach dem Abitur und Studium als Jurist mit zwei Staatsexamen zunächst den Beruf des Rechtsanwalts ergriffen hatte. Mit einem solchen Lebenslauf habe man heute in der Politik keinen Erfolg mehr, meinte Bosbach mit Blick auf die aktuelle Koalition im Bund, was im Publikum gut ankam. Immer wieder bot die Laudatio Anlass zu Applaus und Heiterkeit.
Volker Bouffier bei seiner Dankesrede. Foto: Hannelore Nowacki
Würden Klaus SchlappnersRedezeitrekorde in Gefahr sein? Zumindest bereitete Bosbach das stehende Publikum im vollen Bürgerhaussaal darauf vor. Mit seiner Laudatio wolle er den Menschen Volker Bouffier näher bringen, betonte Bosbach, in Jahrzehnten habe er ihn erlebt und schätzen gelernt. Auch wie er seine Kindheit erlebt hat, verbindet ihn mit dem nur ein halbes Jahr älteren Volker Bouffier, man habe damals ganz einfach draußen ohne „sozialpädagogische Betreuung“ gespielt. „Du warst nie Weltenbummler“, sagte Bosbach mit Blick zu Bouffier. „Die Leute wissen alles, was wir gemacht haben und uns trotzdem haben sie uns gewählt“. Im Fußball und in der Politik wünscht er sich „echte Typen“, die sagen was sie denken. Sonst gehe jede Authentizität verloren. Sprachlich abzurüsten empfiehlt Bosbach, denn nur weil einer eine andere Meinung hat, sei dieser nicht sein Feind. Volker Bouffier habe mit Argumenten gepunktet, nie unter der Gürtellinie. „Die Art und Weise, wie er Politik gemacht hat, allein schon dafür hätte er den Courage-Orden verdient“, meinte Bosbach. Bouffier werde immer einen vollen Terminkalender haben, denn auch beim Abschied aus einem öffentlichen Amt bleibe die Leidenschaft. Die Laudatio höre sich gut an, sei aber doch übertrieben, meinte Volker Bouffier in seiner kurzweiligen, von Humor getragenen Dankesrede. „Ämter kommen und gehen“, meinte Bouffier, „aber die Frau an deiner Seite, die dich trägt und auch erträgt, das ist normal“. Bei Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bürstadt durfte die Öffentlichkeit sehen, dass die Eheleute ein echtes Liebespaar sind. Abschließend sprach Bosbach dem HCV seine Respekt dafür aus, den Courage-Orden ins Leben gerufen zu haben. Courage wünscht er sich, „dass wir als Gesellschaft erfolgreich sind“. Seine Meinung zur Fastnacht – sie verbinde und bringe Freude. Hannelore Nowacki
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bürstadt (links Bürgermeisterin Barbara Schader und Ehefrau Ursula vorne). Volker Bouffier umrahmt von Ehefrau Ursula (vorne), Bürgermeisterin Barbara Schader sowie Walter Wiedemann(Erster Stadtrat a. D., links), Landrat Christian Engelhardt und MdL Alexander Bauer. Foto: Hannelore Nowacki