VOLKSTRAUERTAG: Gedenken am Ehrenmal im Stadtpark mit musikalischer Begleitung
„ … damit wir die Lebenden nicht vergessen“
Vereine mit ihren Fahnen flankierten das Ehrenmal. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Volkstrauertag ist kein Tag der verordneten Staatstrauer, darauf wies am Sonntag Werner Brall vom VdK-Ortsverband in seiner berührenden Ansprache hin. In früheren Jahren war es auch die persönliche Betroffenheit, der Verlust von Angehörigen und Freunden, das eigene Kriegserleben an der Front oder zuhause, die am Volkstrauertag besonders in Erinnerung kamen. Am Sonntagvormittag waren die Gedenkenden nicht sehr zahlreich, etwa dreißig Bürger blickten vom Gehweg her auf das Geschehen am Ehrenmal im Stadtpark, Vertreter und Mitglieder von Vereinen, Stadtverordnete, Magistratsmitglieder, der Erste Stadtrat Marius Schmidt nahmen am Gedenken teil. Bürgermeister Gottfried Störmer, Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb und Werner Brall mit Michaela Lepper vom VdK hielten vor den Kränzen inne. Für die Gedenkstunde hatte das Herbstwetter nach Morgennebel für pünktlichen Sonnenscheingesorgt. Vor dem Ehrenmal des Stadtfriedhofs hatten die Stadt Lampertheim und der VdK-Ortsverband ihre Kränze platziert, ein bunter leuchtender Blumenschmuck. Mit dem Choral von Christian Schäfer „O Welt, ich muss dich lassen“ stimmte der Evangelische Posaunenchor die Versammelten auf die Gedenkstunde ein, die nach einer halben Stunde und dem Musikstück „Jesus, bleibe meine Freude“ von Bach zu Ende ging, ebenfalls vom Evangelischen Posaunenchor unter der Leitung von Daniel Ott vorgetragen. Der Männerchor des GV Cäcilia 1873/Sängerrose 1898 Lampertheim ließ das Lied „Du fängst mich auf“ erklingen, beim zweiten Liedvortrag sangen die Männer gemeinsam mit Sängerinnen des Frauenchors „Swinging Roses“ unter der Leitung von Dirigent Frank Aiglstorfer den altirischen Segenswunsch „Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen“. Gefühlvoll vorgetragen, bereiteten Musik und Gesang den mentalen Raum für die Worte vor und entließen die Bürger in den Tag. In seine Ansprache zum Volkstrauertag nahm Karl Oberfeld vom Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinden alle Menschen auf, die durch die beiden Weltkriege ebenso wie durch die heutigen Kriege, Bürgerkriege und Kriegsfolgen getötet wurden und gelitten haben, die unter Gewaltherrschaft und Verfolgung gelitten haben, die Widerstand leisteten, auch die Toten und Verletzten der Bundeswehr und anderer Einsatzkräfte im Ausland, die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung. „Wir denken an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker“. Bei Trauer und Schmerz will es Karl Oberfeld nicht belassen, er sieht unser Leben im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, betont die Verantwortung für den Frieden unter den Menschen zuhause und in der ganzen Welt. Im Fürbittengebet bittet er Gott: „Sei du bei allen, die sich um Gerechtigkeit und Frieden mühen und stärke die, die sich für ein Ende von Gewalt und Krieg einsetzen“. Aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben, und in Frieden in Europa zusammenleben zu können, diese Hoffnung habe sich nicht erfüllt, beklagte Werner Brall, Anlass für die Gründung des VdK 1946 als Verband der Körperbehinderten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen für Groß-Hessen sei das Leid der vielen Kriegsopfer in Deutschland gewesen. Der VdK habe die an Körper und Seele Versehrten, die Witwen und Waise der gefallenen Soldaten als Opfer angesehen, denn der Mensch stehe im Mittelpunkt. „So gedenken wir am Volkstrauertag auch deshalb der Toten, damit wir die Lebenden nicht vergessen“. In die Gedanken eingeschlossen seien auch die Kriegsflüchtlinge aus Syrien und der Ukraine. Für eine gerechte und friedliche Welt, für sozialen Ausgleich, gegen jede Form der Missachtung und Ausgrenzung sowie für eine Gesellschaft, die allen eine Perspektive auf ein Leben in Würde und ohne Not eröffnet, stehe der VdK ein. Michail Gorbatschow zitierte er mit den Worten: An Frieden denken heißt, an die die Kinder denken“. Hannelore Nowacki