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Fr., 12. Dezember 2014, 10:19 Uhr
10 Jahre „Kirche im Licht“ - der besondere Wortgottesdienst erhielt viel Applaus
„Dann kannst du sie hören, die leise Stimme des Advents“
Kirche im Licht - eindrucksvoll erstrahlte die Pfarrkirche St. Michael während des Wortgottesdienstes und eine Stunde danach in wechselnden Lichtszenen. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Alle Jahre wieder, aber immer wieder anders, wird die Pfarrkirche St. Michael einmal in der Adventszeit zwei ganze Stunden lang zu einem Raum des Lichts, das sich mit der Dunkelheit misst und stets von neuem gewinnt. Prachtvolle Farbengemälde entstehen im Kirchenschiff, farbige Lichtstrahlenteppiche wogen schwerelos über den Besuchern. Der Hochaltarbaldachin verwandelt sich unter den Blicken der Gottesdienstbesucher im Farbenwechsel des Lichts, wird zum Nachthimmel, ein unsichtbarer Mond beleuchtet die seitlichen Heiligenstatuen. Auch eine mittelalterliche Burg oder ein orientalisches Bauwerk wird erkennbar, ganz so wie es im Auge des Betrachters liegen mag. Immer wieder trifft ein goldener Strahl den Segen spendenden Jesus. Dieses Ereignis gehört in Bürstadt zum Advent wie das warme Licht der Kerzen – die „Kirche im Licht“ oder lateinisch „Ecclesia in lumine“. In diesem Jahr hatte dieser besondere Wortgottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael zehnjähriges Jubiläum. Kaum wurden die Eingangstüren der Kirche am Mittwochabend pünktlich um 18.30 Uhr geöffnet, strömte die wartende Menschenmenge in die Kirche. Die Bänke füllten sich, auch Stehplätze waren gefragt. In der dunklen Kirche verstummten die Unterhaltungen. Blaues Licht ließ nur Umrisse erkennen. Der warme Klang eines Saxofons durchdrang die Dunkelheit, Tim Lindemann mit Saxofon, war als wandelnder Schatten im Mittelgang wahrnehmbar, fast unwirklich erscheinend. Der Jugendliturgiekreis unter der Leitung von Angela Rohatsch sprach die gemeinsam ausgesuchten besinnlichen Wortbeiträge auf der Empore. „Wenn wir alle Gedanken und Sorgen aus der Hand geben, wenn wir uns von Wünschen verabschieden, dann kannst du sie hören, die leise Stimme des Advents“, sagte eine Stimme. In die Dunkelheit hinein sprach eine helle weibliche Stimme: „Ich habe einen Traum, ich möchte jeden Tag Lichter anzünden, um über Kleinigkeiten zu staunen“. Eine engelsgleiche Stimme erklang – der Song von Enya „May ist be“.
Auch in der Dunkelheit leuchtete immer die rote Kerze auf dem Altar. Foto: Hannelore Nowacki
Die zauberhafte Klangwelt verband sich mit der Dunkelheit, die sich immer wieder in verschiedenen Farbszenen auflöste und wieder zurückkehrte. „Twilight“, Songs aus dem Musical „König der Löwen“ und weitere berührende Musikstücke begleiteten den Lichtwechsel, der immer auch ein Stimmungswechsel war. Die Dunkelheit in der Kirche war nie absolute Finsternis, immer leuchtete die große rote Kerze auf dem Altar. Lichtvorhänge aus Leuchtstäben durchstreifen die Kirche, Sternenfunkeln – die Magie des schönen Augenblicks führte zum erwünschten meditativen Gefühl der inneren Ruhe – erkennbar an der andächtigen Stille in der Kirche. Der 33-jährige Christian Rohatsch und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Tobias Rohatsch hatten damals vor zehn Jahren wie heute die technische Leitung. Sie lassen sich seit zehn Jahren immer neue Licht- und Dunkeleffekte einfallen, die sie mit passender Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Nur die Technik sei heute einfacher zu handhaben, erklären die beiden Lichtkünstler, die Aufbauzeit in der Kirche verkürze sich dadurch. Zwei Tage verbringen sie vorher in der Kirche, um die Technik zu positionieren und die Lichtstimmungen zu programmieren. Alles werde in vielen Stunden gemeinsam abgestimmt, gerade bei der Musik sollen alle Generationen berücksichtigt werden, erklärte Angela Rohatsch, die seit 2004 die Planung und Leitung dieses einzigartigen Gottesdienstes übernimmt. Hausherr Pfarrer Peter Kern überlässt vertrauensvoll dem Jugendliturgiekreis die Gestaltung des Gottesdienstes. Viele Menschen nahmen die Möglichkeit wahr auch nach dem Wortgottesdienst noch eine gute Stunde lang Licht und Musik auf sich wirken zu lassen. Viele andere Kirchenbesucher trafen sich auf dem Platz vor dem Gemeindezentrum zum gemütlichen Ausklang des Abends bei Glühwein, Schmalzbrot und frisch gebackenen Waffeln. Die Kirchenmusik-Jugend unterhielt die große Gästeschar mit weihnachtlicher Musik. Im Gemeindezentrum war eine Engelausstellung zu bewundern. Der Erlös aus dem Verkauf von St. Michaelwein, selbstgemachter Marmelade und anderen Dingen ist für die Außenrenovierung der Kirche bestimmt. Die Texte lasen Christina Schwara, Ines Bugert, Jasmin Heiderich, Franziska Hofmann, Simon Held und Lukas Beilmann.