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Do., 09. Juni 2022, 14:40 Uhr
GEDENKEN: Bürgerstiftung spendet Infotafel am jüdischen Friedhof
Das jüdische Leben in Lampertheim ist nicht vergessen
Historisches Wissen zugänglich gemacht – die Bürgerstiftung hat mit Unterstützung von engagierten Spendern am jüdischen Friedhof eine Infotafel aufgestellt. Anwesend bei der Vorstellung waren (von links): Dr. Hans-Joachim Rieß, Bürgermeister und Stiftungsratsvorsitzender Gottfried Störmer, Ursula und Erich Maier, Ella Liermann vom Stiftungsvorstand, Erster Stadtrat Marius Schmidt und Stadtarchivar Hubert Simon. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Dass es über Jahrhunderte seit 1602 in Lampertheim eine jüdische Gemeinde gab, ist im Stadtbild nicht mehr gegenwärtig. Erinnerungen gehen durch den Lauf der Zeit verloren. Die Synagoge in der Wilhelmstraße wurde im Zuge der Reichspogromnacht zerstört am Folgetag zerstört, die Einwohner jüdischen Glaubens wurden in der Nazizeit in KZs verschleppt und ermordet oder ihnen gelang die Flucht ins Ausland. Aber den vor 150 Jahren eingerichteten jüdischen Friedhof gibt es noch. Lange Zeit wurden die Verstorbenen auf den jüdischen Friedhöfen der Umgebung bestattet, vor allem in Hemsbach, bis 1869 der eigene Friedhof eröffnet werden konnte, an der Stelle am äußeren Rand des Stadtfriedhofs, wo die Grabstätten heute durch einen Zaun geschützt sind. Historisches Wissen soll erhalten bleiben und den Menschen zur Verfügung gestellt werden, dieses Ziel hat sich die Bürgerstiftung Lampertheim gesetzt und unter dem Motto „Historisches Lampertheim“ an bedeutsamen Stellen in Lampertheim Informationstafeln aufgestellt. Stadtarchivar Hubert Simon hütet das historische Gedächtnis im Stadtarchiv, sein Vorgänger Heinrich Karb hatte ein Buch über das jüdische Leben in Lampertheim geschrieben.Am Mittwochvormittag stellte die Bürgerstiftung die neue Infotafel am jüdischen Friedhof im Beisein von Bürgermeister Gottfried Störmer und Erstem Stadtrat Marius Schmidt vor, die mit dem gesammelten Wissen aus dem Stadtarchiv einen Einblick in die Zeiten gibt, als in Lampertheim Mitbürger jüdischen Glaubens wohnten und lebten. Stiftungsvorsitzender und Bürgermeister a. D. Erich Maier sprach von einem ganz besonderen Anlass. Dank der Unterstützung durch den früheren Musikschulleiter Dr. Hans-Joachim Rieß sei die Finanzierung gelungen. Allerdings seien die Materialkosten für die Schilder explosionsartig gestiegen und hätten sich verdoppelt. Vorstandsmitglied Ella Liermann wies die Anwesenden darauf hin, dass auch Erich Maier und Ehefrau Ursula selbst zur Finanzierung beigetragen hatten, so wie es auf dem Schild zu lesen ist. Zum Gedenken gehören in Lampertheim auch die verlegten Stolpersteine und die jährliche Gedenkfeier am früheren Platz der Synagoge. Werner Hahl erinnert sich noch lebhaft an das Treffen mit jüdischen Zeitzeugen auf Einladung der Stadt Lampertheim im Jahr 1985, die aus aller Welt angereist waren. Ausnahmsweise konnte der Friedhof für einen kurzen Rundgang besucht werden, wobei die männlichen Besucher vorwiegend eine Kippa als Kopfbedeckung trugen. Hannelore Nowacki