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  • Fr., 17. Mai 2019, 09:24 Uhr
    Großes Interesse an Bürgerinformationsveranstaltung zur Deichsanierung

    Deichsanierung mit früher Öffentlichkeitsbeteiligung

    Die bevorstehende Weschnitz-Deichsanierung mobilisiert die Bibliser. Im Rathaussaal waren die meisten Stühle bei dieser ersten Bürgerinformationsveranstaltung zur frühen Öffentlichkeitsbeteiligung belegt. Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Eingebettet zwischen hohen Deichen fließt die Weschnitz zurzeit ruhig dahin, bis sie bei Biblis in den Rhein mündet. Nur zwanzig Zentimeter Wassertiefe ist knapp, mehr hat sie gerade nicht, war bei der Bürgerinformationsveranstaltung zur Deichsanierung am Donnerstagabend von Kennern am Rande zu erfahren. Doch die Weschnitz kann auch anders, sie wird dann zum reißenden Fluss mit Wassermassen fast bis zur Deichkrone wie beim Hochwasser 2013. Zusätzlich drückt der Rhein sein Hochwasser tief ins Hinterland. Sichere Deiche sind nötig. Das Thema Deichsanierung treibt die Bürger in Biblis um, das zeigte sich bei der ersten Bürgerinformationsveranstaltung am Donnerstagabend zur anstehenden Deichsanierung im Abschnitt zwischen Biblis und Einhausen an der großen Zahl der Besucher im Rathaussaal und der Bereitschaft sich intensiv mehr als zwei Stunden mit dem komplexen Thema zu beschäftigen. Diese frühe Öffentlichkeitsbeteiligung, noch vor der konkreten Planung und weit vor dem Genehmigungsverfahren mit den juristisch bewehrten Beteiligungsmöglichkeiten, soll die Belange der betroffenen Bürger, Kommunen und des Landkreises in die Planungen einbeziehen. Deichtechnik und Sicherheit, Naturschutz, Landwirtschaft und gesetzliche Vorgaben des Bundes, des Landes Hessen und die Wasserrahmenrichtlinie der EU sorgen als komplexe Gemengelage für Interessenskonflikte, die an den Infoständen zur Sprache kamen. Ortslandwirt Hans-Georg Müller sieht den weiteren Flächenverlust für die Landwirtschaft durch die Deichsanierung kritisch, denn breitere Deichanlagen, Renaturierungs- und Ausgleichsmaßnahmen gehen zu Lasten des wertvollen Ackerbodens wie er hier vorhanden ist und zur Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Produkten beiträgt. Den Ackerflächenverlust findet auch Corinna Schierz problematisch, beim Landkreis leitet sie die Abteilung Raumentwicklung, Landwirtschaft und Denkmalschutz. Deshalb plädiert sie für eine schmalere Deichvariante. Im Rahmen des späteren Planfeststellungsverfahrens werde ihre Abteilung für den Landkreis als Träger öffentlicher Belange eine Stellungnahme abgeben Am Arten- und Naturschutz-Infostand, der von Landschaftsplanerin Ute Nolda von Modus Consult Speyer betreut wurde, waren sich zwei Bibliser Angler mit ihr einig, dass die Renaturierung der Weschnitz mit erweiterten Wasserflächen wünschenswert sei. Die mit der aktuellen Projektplanung befassten Fachleute aus verschiedenen Aufgabenbereichen, Firmen und Behörden hielten Vorträge zur technischen Seite der Deichsanierung und der Bodenbeschaffenheit. Moderne Deiche sind technisch aufwändige Systeme, die flacher angelegt sind als die steilen Bestandsdeiche und damit sicherer, erfuhren die Bürger. Jedoch: Je flacher, desto mehr Flächenverbrauch zur Landseite. Auch die Frage ob drei Wege nötig sind oder ob zwei Wege ausreichen - auf der Deichkrone und als kombinierter Deichverteidigungs- und Landwirtschafsweg zur Landseite hin, ist den Experten zufolge im Laufe der Planungen zu klären. Alternativen für weniger Platzbedarf sind demnach vorhanden, doch noch stehen genaue Untersuchungen der Bodenbeschaffenheit aus, wichtig für die Standsicherheit des Deiches. An der alten Rheinschleife lagert an einigen Stellen Torf im Untergrund, ungünstigerweise auch nahe der Weschnitz. Für die Standsicherheit ist dies von Nachteil. In diesem frühen Stadium der Arbeiten wird jetzt sondiert werden. Eine Fragerunde zur Klärung von Verständnisfragen schloss sich an, danach standen die Experten an den Themen-Infoständen für Gespräche zur Verfügung – ein Angebot, das die Bürger rege nutzten. Moderator Denis Liebetanz von der Genius GmbH setzte dafür einen Zeitrahmen von 50 Minuten. Eine abschließende Runde war danach geplant. Vorschläge und Ideen schrieben die Bürger auf Zettel wie im Rahmen der zukünftigen Planungen gewünscht. Am Info-Stand Landwirtschaft schrieb ein Bürger mahnend: Flächenverbrauch so gering wie möglich halten. Ist das nicht selbstverständlich? Seine Antwort im Gespräch mit dem TIP: „Heute ist gar nichts mehr selbstverständlich“. Hannelore Nowacki

    Hochwasser der Weschnitz in Biblis im Juni 2013. Archivfoto: Hannelore Nowacki


    Information

    Zu der Veranstaltung hatte der Gemeindevorstand der Gemeinde Biblis eingeladen. In der nächsten Woche werden die Bürger Einhausens informiert. Bürgermeister Felix Kusicka konnte seinen dortigen Amtskollegen Helmut Glanzner als Zuhörer begrüßen. Der Gewässerverband Bergstraße (GVB) ist als sogenannter Vorhabenträger für diese Deichsanierung zuständig. GVB-Geschäftsführer Ulrich Androsch machte deutlich, dass Deiche altern und technisch an neue Vorgaben der DIN-Normen angepasst werden müssen wie jetzt bei der Weschnitz. Der Fluss sei das größte Gewässer im Kreis Bergstraße und Hauptachse mit dem größten Artenreichtum in der Region. Ohne Deiche wären im Ried Überflutungen bis zu vier Meter Höhe möglich. Das Dezernat Staatlicher Wasserbau beim Regierungspräsidium Darmstadt habe die Planungsherrschaft und stelle die Personalressourcen für die Deichsanierung zur Verfügung, erklärte Ralf Franke. Im Vortrag der Arbeitsgruppe sprach Planungsteamleiter Thomas Schönrich vom Büro BGS Wasser aus Darmstadt über die Aufgabenstellung, die gesetzlichen Grundlagen und die nächsten Schritte wie Kernbohrungen zur Baugrunderkundung bis Ende August. Im Deichhinterland seien die Kleinraumbohrungen mit den Landwirten zeitlich ab Juli abgesprochen. Die Rheinflügeldeiche an den staatlichen Abschnitten der Weschnitz seien bereits saniert, jetzt sind die kommunalen Abschnitte im Eigentum der Mitgliedskommunen des Gewässerverbandes Bergstraße an der Reihe. Grundstückseigentümer in Biblis werden von der Gemeinde angeschrieben, sofern für die Deichplanung ihre Grundstücke betreten werden müssen. Ab 24. Mai ist eine eigene Projekt-Webseite http://www.weschnitzdeiche-biblis-einhausen.de/ freigeschaltet, über die ebenfalls Anregungen oder Fragen eingebracht werden können, die dann in die konkreten Planungen einfließen können. Hannelore Nowacki

     

    An den Infoständen im Rathausfoyer diskutierten die Bürger mit den Fachleuten wie hier zum Thema Landwirtschaft mit Ortslandwirt Hans-Georg Müller. Foto: Hannelore Nowacki


     

     

     

     

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