„Das politische Zertifikat“ in vier Veranstaltungen – um Anmeldung für kostenfreies Programm zur politischen Bildung wird gebeten
Demokratie leben, nicht nur wagen
Bernd Ritter (von links), Ludwig Baumgartner, Renate Nagel und Marius Schmidt stellten das Programm zu politischen Bildung vor – eine Kooperation des Lampertheimer Bündnisses für Demokratie und der Volkshochschule. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Was jedem täglich als politische Meinung begegnet, im Internet oder in Gesprächen im persönlichen Umkreis, trägt zum Klima in der Gesellschaft bei – politische Bildung kann hier Bewusstsein bilden und die eigene Wahrnehmung sensibel machen für allerlei Tricks, mit denen die Meinungsbildung in Richtung Intoleranz und Hetze beeinflusst werden kann oder Vorurteile bestärkt. Politische Bildung wie sie im ersten Halbjahr von März bis Juni unter dem Dach der Volkshochschule angeboten wird, ist nicht trockene Theorie, sondern mitten aus dem Leben gegriffen, das machten im Pressegespräch Fachdienstleiter Bildung und Kultur Ludwig Baumgartner und die Vertreter des Lampertheimer Bündnisses für Demokratie, Marius Schmidt, Renate Nagel und Bernd Ritter deutlich. Ein Gesamtpaket mit der Bildungsreihe „Das politische Zertifikat“ und einem Begleitprogramm haben die Volkshochschule Lampertheim (vhs) und das Bündnis für Demokratie gemeinsam gepackt – interessant für jedes Alter bei kostenfreier Teilnahme. „Wir wollen Demokratie leben, nicht wagen“, betonte Renate Nagel. Manche werden sich erinnern, der Wahlslogan von Willy Brandt „mehr Demokratie wagen“ galt vor fünfzig Jahren als visionär. Trotz kostenfreier Teilnahme ist eine Anmeldung für „Das politische Zertifikat“ aus organisatorischen Gründen nötig – noch sind Plätze frei. Bei Besuch aller vier Module winkt als Belohnung ein vhs-Zertifikat. Anmeldung und Information bei der Volkshochschule Lampertheim, Haus am Römer, Domgasse 2, 68623 Lampertheim, Telefon 06206/935-364 und -207. E-Mail: vhs@lampertheim.de, www.lampertheim.de/de/vhs. Auch bei Veranstaltungen ohne Anmeldung im Rahmenprogramm ist der Eintritt frei. In der „Woche des Parlaments“, die erstmals vom 20. Juni bis 1. Juli im Sitzungssaal des Stadthauses stattfindet, erhalten alle Bürger die Möglichkeit, sich über kommunale Politik zu informieren und sind zu den tagenden Gremien eingeladen. Am 20. Juni um 11 Uhr wird im Sitzungssaal die Ausstellung „Das Parlament im Spiegel der Zeit“ mit Bildern aus sieben Jahrzehnten kommunaler Selbstverwaltung eröffnet. Am 21. Juni um 17 Uhr präsentiert die Musiker-Initiative Lampertheim gemeinsam mit cultur communal ein „Zimmerkonzert“ mit Liedern von Künstlern unterschiedlicher Stilrichtungen, die in ihren Texten gesellschaftliche Themen wie Krieg, Rassismus, Gleichberechtigung und mehr aufgegriffen haben. Zum Impulsseminar „Unsere kommunalen Gremien“ am 23. Juni um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Alten Rathauses mit den Referenten Rolf Hecher und Wolfgang Scherer, Justiziar der Stadt Lampertheim, wird bis zum 8. Juni um Anmeldung gebeten. Ein weiteres Impulsseminar „80 Millionen in 90 Minuten“ am 2. Juli, ebenfalls im Alten Rathaus, hat die städtischen Finanzen zum Thema. Die Referenten Rolf Hecher und Thomas Sobel LL.M. werden ihren Vortrag in Dialogform präsentieren. Anmeldung bis zum 10. Juni erbeten. Für „Das politische Zertifikat“ in der Schule wird am 6. Mai in Zusammenarbeit mit dem Lessing-Gymnasium Lampertheim für die 9. und 10. Jahrgangsstufen ein Projekttag mit erfahrenen externen Trainern durchgeführt. Das Jugendtheater „Nach Europa“ in Zusammenarbeit mit dem Jugendbeirat der Stadt Lampertheim wird als geschlossene Schulveranstaltung am 24. Juni in der Hans-Pfeiffer-Halle aufgeführt. „Demokratie – Kreuz & Quer“ ist ein politisches Kreuzworträtsel mit Preisverleihung an zehn ausgeloste Preisträger bei der Stadtverordnetenversammlung am 1. Juli. Die Loskarte mit allen Fragen kann vom Infoflyer abgeschnitten werden. Marius Schmidt informierte über weitere Veranstaltungen: Das Mobile Lernlabor „Mensch, Du hast Recht(e)!“ der Bildungsstätte Anne Frank aus Frankfurt wird vom 9. Juni bis 26. Juni in Lampertheim Station machen. Zur Stärkung der Bürgerbeteiligung werde der Fachbereich 40 beauftragt, einen Bürgerrat zu organisieren. Aus dem Einwohnermelderegister werden Bürger repräsentativ ausgewählt, die eine schriftliche Einladung erhalten, um einen ganzen Abend lang ohne Themenvorgabe zu überlegen, wie sie Lampertheim gestalten wollen. Hannelore Nowacki
Information
„Das politische Zertifikat“ mit vier Veranstaltungen, auch Module genannt, beginnt am 14. März um 10 Uhr in der Alten Schule in Raum 06, Römerstraße 39, zum Thema „Politische Meinungsbildung im Internet – Chancen und Gefahren“. Referentin ist Theresa Schlegel, B.A. Politikwissenschaft. Für dieses Seminar sind keine Computerkenntnisse nötig, wer beispielsweise bei den Begriffen „Trolle, Bots und Influencer“ nur Bahnhof versteht, ist hier richtig, heißt es im Infoflyer, der auch online zur Verfügung steht. Es geht um die Frage, wie politische Meinungsbildung im Internet funktioniert und mit welchen Tricks Meinungen mehrheitsfähig gemacht werden können.
Beim „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ am 25. April um 10 Uhr im Sitzungssaal des Alten Rathauses geht es um Grundlagen und praktische Tipps für den Umgang mit Vorurteilen, Hetze gegen gesellschaftliche Gruppen und allem „was man wohl noch sagen darf“. Referentin Andrea Brie, Trainerin für Zivilcourage, geht mit den Teilnehmern unter anderem Fragen nach wie: Wo fängt Intoleranz eigentlich an und lohnt es sich, erfundene Nachrichten zu kommentieren?
„Geschichte der Demokratie von Griechenland bis Lampertheim“ ist das dritte Seminar und findet am 16. Mai um 10 Uhr im Sitzungssaal des Alten Rathauses statt. Referent Marius Schmidt, M.A. Politikwissenschaft, wird im Rahmen des Vortrags anhand historischer Zitate ein Bild der Entwicklung des Demokratiebegriffs von der Antike bis zur Neuzeit zeichnen und aufzeigen, wie Demokratie heute gesehen wird und kommunal und bundespolitisch entwickelt werden kann. Abschließend bauen die Teilnehmer ihre ideale Demokratie nach eigenen Vorstellungen und vergleichen, welche Ideen in Lampertheim und Deutschland verwirklicht sind und welche Ideen die Teilnehmer mitnehmen können, um eine Demokratisierung aller Lebensbereiche zu leben.
Die Bildungsreihe schließt mit der Simulation einer Stadtverordnetenversammlung für alle Bürger ab. Bei „Du ins Parlament“ werden die Bürgerinnen und Bürger in die Rolle von Stadtverordneten schlüpfen und mit Unterstützung echter Mandatsträger anhand realistischer Vorlagen entscheiden, wie sie Lampertheim entwickeln würden.