Gedenkstunde für die Kriegsopfer anlässlich des Volkstrauertages am Ehrendenkmal des Stadtfriedhofs mit gleichzeitiger Trauerkundgabe um die Opfer des Terrors in Paris
„Den Gedanken des Friedens weiter verbreiten“
Jürgen Schmied vom BdV (l.), Bürgermeister Gottfried Störmer (2.v.l.) mit Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass (3.v.l.) sowie Ortrud Goertz vom VdK bei der Kranzniederlegung am Ehrendenkmal. Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – Wie in der gesamten Bundesrepublik legten auch in Lampertheim am vergangenen Sonntag wieder zahlreiche Menschen eine Gedenkstunde ein zu Ehren der gefallenen und vermissten Soldaten sowie allen durch Kriegseinwirkung Verstorbenen.
Viele Bürgerinnen und Bürger sowie Mitglieder der ortsansässigen Vereine und städtischen Gremien waren dem Aufruf gefolgt und versammelten sich am Ehrendenkmal im Stadtpark Lampertheim. Erschienen waren neben Bürgermeister Gottfried Störmer auch Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass und weitere Mitglieder aus den städtischen Gremien, sowie Ortrud Goertz, Vorsitzende des Sozialverbands VdK Ortsverband Lampertheim, und Jürgen Schmied, 1. Vorsitzender BdV (Bund der Vertriebenen), Ortsverband Lampertheim.
Eine Fahnenabordnung aus Mitgliedern ortsansässiger Vereine hatte sich bereits seitlich am Denkmal aufgestellt. Sie hielten die Vereinsfahren als Zeichen ihrer Solidarität – darunter der Verein der Jungbauern, der Schützen- und Reitverein sowie der Freiwilligen Feuerwehr. Auch sie gedachten stellvertretend für die Vereine den Verstorbenen und deren Hinterbliebenen.
Pfarrer Roland Schein eröffnete die Gedenkstunde mit einigen seiner Kindheitserinnerungen aus den 60er Jahren, in denen vieles anders war als heute – aber die von Kriegszeiten betroffenen Menschen waren nicht in Vergessenheit geraten, ebenso was und wie es passiert war. „Auf eine stille menschliche Weise wurde damit umgegangen und ich spürte als Kind das Erschrecken und die Fassungslosigkeit der Eltern darüber, wie viel Leben im Krieg ohne Sinn abgebrochen war“, so Schein. Als Nachkriegsgeborener hatte er ein gutes und friedliches Leben kennengelernt und erinnerte in dieser stillen Gedenkstunde auch an die aktuellen Geschehnisse in Paris. Die Anwesenden beteten gemeinsam mit ihm für Frieden. „Mit Worten Brücken bauen, in denen Menschen zueinander finden“ – so lautete sein Appell und er bat alle Anwesenden darum, den Gedanken des Friedens weiter zu verbreiten.
Bürgermeister Gottfried Störmer war es am Volkstrauertag – aufgrund der aktuellen Geschehnisse in Paris – ein persönliches Anliegen, ein paar Worte an die Bevölkerung zu richten. Foto: Sigrid Samson
Üblicherweise spricht der Bürgermeister nicht bei solchen Gedenkstunden am Volkstrauertag. Aus gegebenem Anlass in Bezug auf die aktuellen Ereignisse in Paris war es ihm jedoch ein persönliches Anliegen, sich mit einigen Worten an die Bevölkerung zu richten. Neben dem Gedenken an die Gefallenen und Opfer beider Weltkriege wies er auf die Anschläge am vergangenen Freitag in Paris hin, bei denen 129 Menschen getötet wurden. „Diese Menschen sind gestorben – angeblich für einen heiligen Krieg – weil sie zufällig an einem bestimmten Ort in Paris waren. Sie waren nicht gezielt ausgewählt worden, weil die Terroristen nicht sie, sondern uns treffen wollen. Sie hatten Europa und unsere Art zu leben im Visier. Die Opfer waren somit unsere Stellvertreter“, konstatierte Störmer und betonte, dass „auch wir in Lampertheim diese barbarische Handlung auf’s Schärfste verurteilen. Trotz dieser Anschläge werden wir uns nicht von unseren Anschauungen und unserer Form zu leben abwenden“, fügte er hinzu – „in der Hoffnung, dass unser Umgang mit den Menschen, auch und gerade mit hier bei uns lebenden Flüchtlingen, sich dadurch nicht verändern wird." In einer Schweigeminute gedachten alle Anwesenden gemeinsam mit ihm den Opfern in Frankreich und deren Angehörigen.
Ortrud Goertz, 1. Vorsitzende des VdK Ortsgruppe Lampertheim, rief ebenfalls kurz die Vergangenheit in Erinnerung, die die heutige Generation zum Frieden anmahne. „Fast 60 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht“, merkte sie an – „so viele wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr“, verwies sie auf „unsere dauerhafte Verpflichtung zum Frieden“.
Bürgermeister Störmer, Brigitte Stass, Ortrud Goertz und Jürgen Schmied legten vor den bereits am Ehrendenkmal platzierten Kränzen der Stadt Lampertheim, des VdK und des BdV eine Gedenkminute ein und brachten ihre Trauer und ihr Mitgefühl zum Ausdruck – gemeinsam mit den Lampertheimer Bürgern.
Die musikalische Begleitung der Veranstaltung übernahmen die Mitglieder des Evangelischen Posaunenchors Lampertheim sowie die Sänger des MGV 1840 Lampertheim. „The Town I loved so well“ des Posaunenchors sowie die von den Männern gesungenen Lieder „Wohin soll ich mich wenden“ aus der Deutschen Messe von Schubert und „Herr, du hast mein Flehen vernommen“ rundeten musikalisch das Programm der Gedenkstunde ab. Sigrid Samson