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  • Do., 28. Juli 2016, 11:56 Uhr
    Sommer setzt Fachkräfte frei

    Der Arbeitsmarkt im Juli

    HESSEN - Der hessische Arbeitsmarkt hielt für den Monat Juli keine großen Überraschungen bereit. Saisonüblich stieg die Zahl der arbeitslosen Menschen in Hessen an. Der Zuwachs ist hauptsächlich auf den Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit zurückzuführen. Schul- und Ausbildungsende sowie das Quartalsende bestimmen in jedem Juli maßgeblich die Entwicklung auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Erfahrungsgemäß entspannt sich dieses typische Sommer-Phänomen ab September wieder und die Arbeitslosenzahlen sinken. Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosen wird ebenfalls für den Ferienmonat August erwartet.

    Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge wirkt sich bislang nicht maßgeblich auf die Arbeitslosenzahlen aus. Zum Stichtag waren rund 8.200 Flüchtlinge in Hessen als arbeitslos registriert, als arbeitsuchend zählten 17.200 Menschen.

    Viele der im letzten und diesem Jahr geflüchteten Menschen sind noch nicht bei den Agenturen oder Jobcentern angekommen, sondern befinden sich in den Anerkennungsverfahren. Wir gehen davon aus, dass sich Ihre Zahl steigern wird und somit im nächsten Jahr ein Anstieg der Arbeitslosenzahl in Hessen zu erwarten ist. Der Arbeitsmarkt ist derzeit stabil und aufnahmefähig und die Stellenmeldungen deuten auf einen konstanten Bedarf nach qualifizierten Beschäftigten hin“, so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen.

    Der Tatsache, dass nach Ausbildungsende viele junge Menschen nach einer Anschlussbeschäftigung suchen, sieht Martin unkritisch entgegen: „Einige Betriebe bilden über Bedarf aus, in anderen Fällen hat man festgestellt, dass der Auszubildende nicht zum Betrieb passt. Ich sehe jedoch angesichts des guten Stellenbestandes und des konstanten Beschäftigungswachstums in Hessen keine Schwierigkeiten, die derzeit arbeitslosen, ausgebildeten jungen Menschen wieder schnell auf eine neue Stelle zu bringen. Das erfolgreiche Ende der Ausbildung wird sich bei allen über kurz oder lang auszahlen“.

    Arbeitslosigkeit in Hessen: Entwicklung im Juli

    Mit insgesamt 172.954 arbeitslosen Frauen und Männern erreichte die Arbeitslosigkeit in Hessen ihren niedrigsten Stand in einem Juli seit 23 Jahren. Konkret waren 4.383 Personen (+2,6 Prozent) mehr als im Juni, jedoch 4.975 (-2,8 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat arbeitslos. Die Arbeitslosenquote stieg zum Juni um 0,2 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 5,4 Prozent. Saisonbereinigt ergab sich zum Vormonat keine Veränderung, zum Vorjahr gab es einen Rückgang um 5.000. Vom saisonalen Anstieg waren im Vergleich zum Vormonat alle betrachteten Personengruppen betroffen: Frauen: + 3,0 Prozent, Männer: +2,3 Prozent, Ausländer: +1,4 Prozent, Über-50-jährige: +0,3. Mit Ende der Schulzeit stieg die Zahl der Jugendlichen unter 25 Jahren deutlich an: +21,0 Prozent. Eine Entwicklung, die saisonal üblich ist und sich mit Ausbildungs- und Studienbeginn einerseits sowie Neueinstellungen im Herbst wieder ändern wird.

    Der Vorjahresvergleich zeigt weiterhin einen Rückgang für fast alle Personengruppen: Frauen: -4,3 Prozent, Langzeitarbeitslose: -4,0 Prozent, Ältere über 50 Jahren: -3,0 Prozent, Männer: -1,5 Prozent. Die Gruppe der arbeitslosen Menschen ohne deutschen Pass folgt der Entwicklung der letzten Monate und verzeichnet hingegen einen Anstieg um +4,9 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt mit +4,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders macht sich die Veränderung in der Altersgruppe der bis zu 20-Jährigen bemerkbar. Die Zahl wuchs im Vergleich zum Vorjahr um knapp 10 Prozent auf 3.782 an.

    Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im Juli auf 228.734 Personen. Das waren 2.316 (-1,0 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

    Entwicklung in den Rechtskreisen: Juli lässt Arbeitslosigkeit nur im SGB III (Arbeitslosenversicherung) steigen

    Im Juli stieg die Arbeitslosigkeit zum Vormonat nur in der Arbeitslosenversicherung (SGB III): + 9,0 Prozent (+4.386). In der Grundsicherung (SGB II) ergaben sich zum Vormonat keine Veränderungen. 30,9 Prozent oder 53.391 aller Arbeitslosen in Hessen gehören so dem Rechtskreis SGB III an, 69,1 Prozent oder 119.563 dem Rechtkreis SGB II.

    Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Wachstumstrend setzt sich weiter fort

    Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg in Hessen weiter an. Der hochgerechnete, vorläufige Wert belief sich für den Monat Mai 2016 auf 2.459.500. Damit liegt Hessen mit einem Anstieg von 2,3 Prozent zum Vorjahr auf dem bundesdeutschen und westdeutschen Niveau. Den größten prozentualen Anstieg konnten im Mai die Wirtschaftszweige Sonstige Wirtschaftliche Dienstleistungen, Heime und Sozialwesen und das Gastgewerbe verzeichnen. Die meisten Beschäftigten in Hessen gab es im Verarbeitenden Gewerbe (444.300), im Handel (336.600) und dem Wirtschaftszweig Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (215.100).

    Offene Stellen: Einstellungsbereitschaft der Betriebe ungebrochen

    Der Bestand der gemeldeten Stellen in Hessen lag im Juli bei 50.898 und war somit 15,6 Prozent höher als im Vorjahr. Der monatliche Zugang überstieg mit 15.548 das Vorjahrsniveau um 21,4 Prozent.

    Ausbildungsmarkt: Duale Ausbildung nicht mehr so beliebt

    Bis jetzt meldeten die hessischen Betriebe 34.033 Lehrstellen und somit 2.255 (+7,1 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Bewerber ging geringfügig um 221 (-0,6 Prozent) auf 38.368 zurück. Als unversorgt zählten zum Stichtag 12.103 Bewerberinnen und Bewerber. Das sind 920 (-7,1 Prozent) weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der unbesetzten Lehrstellen um 1.150 (+10,6 Prozent) auf 11.965. Der Trend weg von einer dualen Ausbildung hin zu einem weiteren Schulbesuch, Studium, Erwerbstätigkeit oder einem freiwilligen sozialen Jahr ist weiterhin ungebrochen.

    Die Chancen und Möglichkeiten einer dualen Ausbildung scheinen häufig nicht mehr zu überwiegen. Vielmehr steht der weitere Schulbesuch oder das schnelle Geld im Vordergrund. Das ein Ausbildungsberuf nachweislich die beste Versicherung gegen spätere Arbeitslosigkeit ist, liegt nicht mehr im Fokus. Diese Entwicklung ist bedenklich, weitere gesellschaftliche und politische Gegensteuerungsmaßnahmen erscheinen dringend angezeigt. Darauf zu hoffen, dass junge Flüchtlinge die Ausbildungslücke schließen, wäre fahrlässig. Mit ihnen ist frühestens ab 2018 zu rechnen. Nämlich dann, wenn sie genug Deutsch können und in der Lage, sind dem Berufsschulunterricht zu folgen“, so Martin. zg

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