Buch zum Thema „Verfolgung in Lampertheim 1933-1945“ vorgestellt / Einzelschicksale beleuchtet
Der Erinnerung einen Namen geben
Volker Klemm und Karl Ochs stellten am Donnerstag ihr 152-Seiten dickes Buch zum Thema „Verfolgung in Lampertheim 1933-1945“ vor. Etwa 30 interessierte Gäste kamen in das alte Rathaus, um den Vortrag zu verfolgen und in der offenen Runde danach selbst Fragen und Anregungen los zu werden. Foto: Manuel Ding
LAMPERTHEIM – Vor etwa zwei Jahren, als sich die Machtergreifung der NSDAP in Deutschland zum 80. Mal jährte, begann für Karl Klemm und Volker Ochs eine Spurensuche zum Thema „Verfolgung in Lampertheim 1933-1945“. Das Vorhaben: den Opfern der „Schreckensherrschaft“ einen Namen geben! Aus der Arbeit der beiden Autoren ist ein 152-Seiten dickes Buch entstanden, das insgesamt 253 Einzelschicksale aus Lampertheim beleuchtet, die entweder aus politischen, religiösen und rassistischen Gründen verfolgt oder Opfer von Euthanasie und Sterilisation wurden. Die beiden aus Lampertheim stämmigen Professoren stellten ihr Werk in einer offenen Runde im alten Rathaus vor. DGB-Südhessen-Geschäftsführer Jürgen Planert, selbst Lampertheimer, leitete den Abend ein und dankte der Stadt für deren tatkräftigen Unterstützung und Hilfe bei der Spurensuche, die nicht immer einfach gewesen sei.
„Ist nicht schon genug gesagt?“, stellte Planert in den Raum. Zwar wisse man heute schon viel über Auschwitz, kenne das Tagebuch der Anne Frank, Oskar Schindler, dennoch gebe es immer noch Lücken. „Auch hier in Lampertheim wurden Menschen verfolgt und die Zerstörung der Synagoge gefeiert“, erklärte Planert. Es habe auch Widerstand gegeben, aber leider zu wenig. Der erste Schritt zur Vernichtung von Menschen, sei die Vernichtung deren Identität – der Namen der Opfer. Diesen Opfern einen Namen zu geben, war Intension bei der Arbeit an diesem Buch. „Wir müssen uns erinnern, um nicht zu vergessen.“
Zur Vorstellung des Buchs hatten Klemm und Ochs vier beispielhafte Fälle präsentiert, aus denen hervorgeht, wie zu jener Zeit geurteilt wurde und aus Kollegen, Nachbarn oder Freunden aufgrund einer diktierten Ideologie Feinde wurden. Hugo Marquardt zum Beispiel, der 1913 in Ludwigshafen geboren wurde und als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) im Weinheimer Weg in Lampertheim wohnte. Marquardt wurde von einer Nachbarin angezeigt, weil er sich bei ihr beschwerte, sie würde bei der Hausarbeit nationalsozialistisches Liedgut zu laut singen. Daraufhin habe man ihn in Schutzhaft genommen und in das Konzentrationslager Osthofen gebracht, bevor er in eine Nervenheilanstalt in Butzbach eingewiesen werden musste.
Oder aber Adam Korb, der mit 16 Jahren verhaftet wurde. Korb war Schreinerlehrling und Mitglied der Katholischen Jünglingsgruppe. Zur Zeit des dritten Reichs aber wurden alle Jugendgruppen verboten, bis auf die Hitlerjugend (HJ). Als Korb aber einem Schulkameraden im Zug offenbarte, er plane im geheimen die Jugendarbeit fortzuführen und dafür Flugblätter verteilte, erstattete der Schulkamerad Anzeige, woraufhin Korb in Schutzhaft in das Konzentrationslager Osthofen gebracht wurde. Gegen Einspruch durch Korbs Lehrmeister wurde er nach zwei Wochen wieder frei gelassen.
Diese und viele weitere Einzelschicksale kann man ab sofort in dem Buch „Erinnerung einen Namen geben“ von Karl Klemm und Volker Ochs nachlesen. Das Buch ist im Rathausservice, sowie den örtlichen Buchhandlungen zum Preis von 9 Euro erhältlich.