Kindertagesstätte Guldenweg – Vorschulkinder begeistert im Wald unterwegs
„Der Wald bietet alles, was Kinder brauchen“
Alles hat seine Zeit bei den Waldtagen. Am Nachmittag umringen die Kinder mit ihren Erzieherinnen zur Verabschiedung einen Baum, ein Ritual mit meditativen Elementen, Bewegung und Stille. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die Sonne spielte mit den frischen grünen Blättern der hohen Bäume Licht und Schatten und am Rande einer weitläufigen Lichtung ging gerade die Frühstückszeit zu Ende. Ein großartiges Vogelkonzert war zu hören, aber keiner der gefiederten Sänger zeigte sich. Eine Übersichtstafel am Parkplatz weist auf die Attraktionen im Wald hin. Da gibt es tief im Wald ein „Grünes Klassenzimmer“ und einen Waldlehrpfad, einen Wasserspielplatz und einen Trimm-dich-Pfad – und ganz viel zu entdecken. Farne fühlen sich hier wohl und Kiefer lassen ihre Zapfen fallen. Dieser Zauberwald auf Lampertheimer Gemarkung, der nachweislich gute Laune erzeugt, zur Bewegung anregt und immer wieder zu Entdeckungen einlädt, ist mit dem Bus nach Neuschloß erreichbar. Ein Stück weit geht es nach dem Aussteigen zu Fuß weiter. So machten es die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Guldenweg in der vorigen Woche an vier Tagen. Der Sommer zeigte sich am Donnerstag in Hochform – wie auch die Kinder. Sie kletterten auf über Baumstämme und genossen kurz die Höhenaussicht, dann hatten sie den Wasserspielplatz erreicht und balancierten auf den Baumstämmen über dem feuchten Graben. Mit Kita-Leiterin Ute Guthier und den beiden Erzieherinnen, Doris Weihmann und Gabi Hartmann, die sie an den Waldtagen begleiteten, zeigten die Kinder, was ihnen am Wald so gut gefällt. Später gingen alle noch einmal zum Wasserspielplatz, aber mit ihren Badesachen. Wie findet man sich bei so vielen Bäumen zurecht? Auch das haben die Kinder gelernt. Am ersten Waldtag befestigten sie in Abständen grüne Bänder an niedrigen Zweigen, die ihnen später auch wieder den Rückweg zur Haltestelle wiesen. Zwei Mädchen entdeckten eine Blindschleiche. „Eine Schlange!“ riefen sie. Schnell hatte sich das Tier versteckt. Überall liegen Äste auf dem Waldboden, bestens geeignet zum Bauen einer Hütte oder zum Spielen. „Der Wald bietet alles, was Kinder brauchen“, erklärte Kita-Leiterin Guthier. Eine Erfahrung, die die Kinder und die begleitenden Erzieherinnen vier Mal im Jahr immer wieder aufs Neue machen. Einige Rituale gehören zu jedem Waldtag. Morgens begrüßen die Kinder im großen Kreis den Tag und am Nachmittag verabschieden sie sich vom Wald mit einer Meditationsrunde um einen Baum herum. Doris Weihmann berichtete begeistert vom Wald in allen vier Jahreszeiten, die den Kindern die Natur nahebringen – auch bei Regen, Kälte und Schnee. Die Hütte schützt bei Regen, dann darf es sogar mal langweilig werden. Denn auch diese Erfahrung ist wichtig, wissen die Erzieherinnen. Dann nämlich entwickelt sich Kreativität. Im Erfahrungsraum Wald ist vieles möglich, was im umbauten Raum zu kurz komme wie die Orientierung in der Natur, die Schulung der Sinne und das Planen gemeinsamer Projekte wie das Bauen einer Hütte. Guthier sieht viele Vorteile: „Die Kinder entscheiden mit und entwickeln zu vielen Themen ein Meinungsbild, sie lernen Rücksicht zu nehmen und lernen was ein Baum zum Wachsen braucht“. Auch dass man seinen Müll wieder mitnimmt, lernen die Kinder. Dieser Situationsansatz entspreche dem Bildungs- und Erziehungsplan des Landes Hessen für Kindergärten und Schulen. Den Kindern gefalle dieser Wald so gut, dass sie auch die Verabschiedung in die Schule hier feiern wollen. Hannelore Nowacki
Warum hat ein Baumstamm Ringe? Für diese und viele andere Fragen finden die Kinder die Antwort im Lampertheimer Wald. Foto: Hannelore Nowacki