
LAMPERTHEIM – Lampertheim wurde am hellichten Tag Schauplatz von einer Straftat. Am Montag, kurz nach 15 Uhr, wurde eine 44-jährige Frau am Lampertheimer Bahnhof zunächst festgehalten und anschließend ihres Geldes bestohlen. Die Unbekannten flüchteten im Anschluss zu Fuß vom Tatort. Die Frau blieb unverletzt, heißt es im Polizeibericht. Im Rahmen der Fahndung konnten in der Eugen-Schreiber-Straße von der Polizei zwei 21 und 22 Jahre alte verdächtige Männer vorläufig festgenommen werden. Die Kriminalpolizei Heppenheim (Kommissariat 10) hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen und Personen, die sachdienliche Hinweise in diesem Zusammenhang geben können, um Kontaktaufnahme unter der Telefonnummer 06252/706-0. Keine Straftat an einem Bahnhof in irgendeiner Stadt. Eine Straftat im direkten Umfeld. Ein Gefühl der Unsicherheit macht sich breit. Das Vertrauen in die eigene, sonst vertraute Umgebung, schwindet. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die Emotionen und Reaktionen auslöst, beginnt.
Eigentlich ist der Kreis Bergstraße laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 der zweitsicherste Landkreis in ganz Hessen. Die Kriminalitätsbelastung (Straftaten pro 100.000 Einwohner) sank signifikant auf 2.766. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 3.104 und unterstreicht die langjährige positive Entwicklung. Und das südhessische Ried gilt als sicher. Dennoch gibt es ein spürbares Defizit im subjektiven Empfinden vieler Bürger. Das subjektive Sicherheitsempfinden suggeriert vor Bedrohungen oder Kriminalität nicht sicher zu sein. Es unterscheidet sich oft von der objektiv messbaren Sicherheitslage. Besonders gefährdete Gruppen wie Frauen und ältere Menschen schätzen ihr Sicherheitsrisiko, etwa im öffentlichen Raum oder im Öffentlichen Personennahverkehr, deutlich höher ein als junge Männer. Dies führt oft zu Vermeidungsverhalten, indem Plätze oder Gegenden zu bestimmten Uhrzeiten nicht mehr frequentiert werden. Um das subjektive Sicherheitsempfinden zu stärken, setzen Kommunen auf gezielte Stadtplanung und Prävention, um das Wohlbefinden im öffentlichen Raum nachhaltig zu verbessern.
Der TiP Südhessen richtete eine Anfrage zum Thema Sicherheit in Lampertheim an die Verwaltung. Immerhin: Die objektive Kriminalitätsrate in Lampertheim ist laut Statistik insgesamt rückläufig.
A) Gleichwohl, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt und Straftaten per se nicht verhindert werden können. Welche Maßnahmen wendet die Stadt Lampertheim konkret an, um die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten?
Grundsätzlich ist anzumerken, dass es sich bei dem konkreten Fall um eine Straftat handelte und dafür originär die Landespolizei zuständig ist. Unabhängig davon sind sowohl der freiwillige Polizeidienst als auch die Stadtpolizei regelmäßig tagsüber, in den Abendstunden und an den Wochenenden auf Streife. Allerdings können die Kolleginnen und Kollegen nicht überall gleichzeitig sein.
B) Gibt es eine Video-Überwachung im öffentlichen Raum oder ist eine solche in Abstimmung mit den städtischen Gremien vorgesehen oder in Planung?
Nein, es gibt keine Videoüberwachung im öffentlichen Raum und/oder dem Lampertheimer Bahnhof? Eine solche Überwachung ist in Hessen an hohe rechtliche Hürden gekoppelt und nicht einfach umsetzbar. (Anmerkung der Redaktion: Nach offiziellen Angaben der Deutschen Bahn wird der Bahnhof nicht standardmäßig videoüberwacht)
C) Verfügt das Ordnungsamt/Stadtpolizei der Stadt Lampertheim über einen ausreichenden Personalschlüssel, um im gewünschten Umfang im Bereich „Öffentliche Sicherheit“ etwa durch Präsenzstreifen, diese Aufgaben wahrnehmen zu können?
Wir decken mit dem vorhandenen Personal der Stadtpolizei unser Stadtgebiet und die Stadtteile bestmöglich ab. Selbstverständlich könnte man mit mehr Personal auch eine höhere Abdeckung erzielen.
D) Sind mehr gemeinsame Streifengänge mit dem Ordnungsamt/Stadtpolizei und der Polizei in sensiblen Bereichen, in den Abendstunden, an den Wochenenden, geplant?
Wie beschrieben, ist die Stadtpolizei bereits an den Wochenenden und nachts bis ca. 1 Uhr im Dienst. Gemeinsame Streifengänge sind nicht geplant.
Foto: Steffen Heumann
Um das Sicherheitsgefühl zu stärken, nimmt Lampertheim seit 2019 an der Initiative KOMPASS des Hessischen Innenministeriums teil. Ein eigener Präventionsrat erarbeitet Konzepte, die Stadt erhebt über ein Bürgerpanel regelmäßig die Meinung der Einwohnerschaft. 2022 waren laut Broschüre der Sicherheitskonferenz 6 Stadtpolizisten im Einsatz. Die Notwendigkeit von weiteren Stadtpolizisten zur Bewältigung aller anfallenden Aufgaben wurde bereits damals angemahnt. Ein Auszug aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 für den Kreis Bergstraße bringt die wichtigsten Fakten auf den Punkt. Was andernorts wie auch für Lampertheim gilt: Die absolute Sicherheit bleibt eine Utopie!
Steffen Heumann
Kriminalitätsbelastung:
Der Kreis Bergstraße ist mit einer Kriminalitätsbelastung von 2.766 nochmals unter der Häufigkeitszahl des letzten Jahres (3.104) geblieben. Der Kreis befindet sich auf Platz 2 der sichersten Landkreise in Hessen. Hier lässt es sich besonders sicher leben. Im Vergleich zu 2015 hat sich die Kriminalitätsbelastung um mehr als ein Viertel reduziert.
Aufklärungsquote & Fallzahlen:
2025 hat die Polizeidirektion Bergstraße 7.583 Straftaten registriert. Das sind 994 Taten weniger als im Vorjahr, somit ein deutlich erkennbarer Rückgang der Kriminalität. Eine konstante Aufklärungsquote von etwa 60 % über mehrere Jahre, steht für eine gute und beständige Ermittlungsarbeit an der Bergstraße.
Wohnungseinbruchsdiebstahl:
2025 gab es 251 polizeilich registrierte Wohnungseinbrüche an der Bergstraße. Der Wohnungseinbruch ist trotz Zunahme weiterhin auf einem niedrigen Niveau. In den letzten zehn Jahren haben sich die Einbruchszahlen in etwa halbiert. Die Versuchsquote liegt weiterhin konstant über 40 % - Einbruchsschutz lohnt sich.
Gewalt gegen Einsatzkräfte:
2025 wurden in Südhessen 461 Polizei- sowie 26 Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr Opfer von Straftaten, ein Anstieg von fast 28 % bei der Polizei. Besorgniserregend sind die zunehmenden Widerstandshandlungen (245 Fälle, davon 122 tätliche Angriffe). Diese Entwicklung zeigt, dass der Respekt gegenüber Einsatzkräften gestärkt werden muss, um sie vor Angriffen zu schützen.
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