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  • So., 03. Dezember 2023, 10:54 Uhr
    GENERALSANIERUNG DER RIEDBAHN: Dreiwöchige Komplettsperrung vom 1. bis zum 24. Januar und für weitere 5 Monate ab dem 15. Juli 2024 / Verbandssprecher ZÖPNV: Sperrung birgt großes Risiko

    Die ganz harte Probe aufs Exempel!

    Mit Hochdruck startet die Bahn das Projekt „Generalsanierung der Riedbahn“ im kommenden Jahr. Bedingt durch die temporäre Komplettsperrung der Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt ergeben sich Auswirkungen für Bahnreisende und Pendler. Mit einer eigenen Bus-Ersatzflotte soll die Mobilität der Bahnkunden gewährleistet bleiben. Foto: DB AG/Benjamin Kedziora


    SÜDHESSEN – Mehr Pünktlichkeit, attraktivere Bahnhöfe und für Jahre keine Baustellen mehr! Das ist das Versprechen der Bahn an ihre Kunden für die Zeit nach Ende der Generalsanierung der Riedbahn. Die „Riedbahn“ bezeichnet die Bahnstrecke zwischen Frankfurt (Main) Stadion und Mannheim Hauptbahnhof. Bis zu 300 Züge des Fern-, Nah- und Güterverkehrs sind auf der zweigleisigen Strecke täglich unterwegs. Die wird zunächst vom 1. Januar (23 Uhr) bis zum 22. Januar (4 Uhr) komplett gesperrt. In dieser Zeit fallen die Nahverkehrszüge (Regional- und S-Bahnen) aus und werden vollständig durch Busse ersetzt. Bei der Sperrung im Januar 2024 sind die ersten 70 neuen barrierefreien Niederflurbusse Busse der DB-eigenen Ersatzverkehrsflotte am Start. Während der fünfmonatigen Sperrung ab Mitte Juli 2024 sind ingesamt 150 Busse dieser neuen Generation im Einsatz, die mit WLAN und USB-Ladebuchsen ausgestattet sind, über komfortable Sitze mit verstellbaren Armlehnen und Sicherheitsgurten sowie teilweise über WCs verfügen.

    Über das Mammutprojekt informiert das DB-Infomobil noch bis 8. Dezember und gibt vor Ort Auskunft. Am Mittwoch stand das DB-Team in Lampertheim den Fragen der Bahnkunden Rede und Antwort. Das Interesse stieg am späten Nachmittag deutlich an. Pendler nutzten direkt bei der Ankunft die Gelegenheit, um aus erster Hand zu erfahren, welche Auswirkungen die Maßnahmen der Komplettsperrung haben und welche Optionen der Schienenersatzverkehr bietet, um effizient den Weg zur Arbeit und zurück zu gestalten. Fazit: Viele Bedenken und Befürchtungen konnten ausgeräumt werden. Nachfragen zu den Ersatzhaltestellen in Lampertheim, die in Richtung Frankfurt oder Mannheim führen, würden ebenso hilfsbereit wie kompetent beantwortet. Zudem gab es wertvolle Tippe, wie diese über die bereits bestehenden Busverbindungen angedient werden können. Vieles wurde bei kostenfreiem alkoholfreien Glühwein und „Giveaways“ plausibel erläutert. Namentlich wollte allerdings kein Befragter Mitarbeiter an dieser Stelle zitiert werden. Es gab nämlich auch Bahnkunden, die den Finger tief in die Wunde der Planungen legten.

    Am Infomobil, wie hier am Mittwoch in Lampertheim, steht die Bahn den interessierten Bürgern Rede und Antwort. Foto: Steffen Heumann


    Expressverbindung wird zum Bummelbus

    So etwa Markus Volz. Der Lampertheimer nutzt die Bahnverbindung nach Frankfurt und zurück. Aufgrund der Komplettsperrung macht die Bahn das Angebot, ab dem 1. Januar den Expressbus nach Frankfurt zu netzen. Die Fahrzeit soll weit über zwei Stunden betragen. „Und das ist Express?“, dürfte sich nicht nur Markus Volz fragen. Erst ab Riedstadt-Goddelau ginge es mit dem Bus etwas „zügiger“ Richtung Frankfurt. Dauer: noch 45 Minuten! Heißt: Bis Riedstadt-Goddelau von Lampertheim aus 85 Minuten! „Wer plant sowas“, dürfte sich nicht nur Markus Volz fragen. Zwangsläufig sei er gezwungen, auf das Auto umzusteigen, damit zumindest bis Bensheim zu fahren, um von dort in einem zeitlich akzeptablen Korridor die Mainmetropole zu erreichen. Für den Pendler stellt such zudem das Problem, das Staus die geplante Bustaktung ad absurdum führen können und zu den Kernzeiten, zu denen typischerweise Arbeitnehmer unterwegs sind, nicht die maximale Kapazität an Bussen auf die Straße gebracht wird. Ob die Anregungen von Markus Volz Gehör finden, zeigt die Probe aufs Exempel ab Januar. Immerhin erklärten die freundlichen Mitarbeiter, dass seine Bedenken weitergeleitet würden.

    Die Bündelung aller Bauarbeiten innerhalb der Sperrpause erachten die Befragten durchaus als positiv, weil man als Bahnkunde auch von der Verbesserung der Infrastruktur profitiere. Neben der Sanierung der Strecke finden parallel auch flankierende Maßnahmen statt. Geplant sind in Groß-Rohrheim etwa die Überdachung der Fahrradständer, in Biblis die Sanierung und Aufwertung der Unterführung, in Bobstadt: der Abriss des alten Bahnwärterhäuschens und gemeinsame Gestaltung mit der Stadt Bürstadt (u.a. Bike+Ride). Dees Weiteren soll in Bürstadt die Klinkerwand an den Treppenaufgängen erneuert werden. In Lampertheim steht der Neubau von Bahnsteig 1 sowie in Kooperation mit der Stadt Lampertheim die Gestaltung des Vorplatzes auf der Agenda. Weitere Infos zur Riedbahn gibt es unter www.riedbahn.de

    „Mit Sperrung der Riedbahn geht DB hohes Risiko ein“

    Öl ins Feuer der ambitionierten Modernisierungsmaßnahmen gießt auch Landrat Dr. Fritz Brechtel, Kreis Germersheim, der sich mit einem Schreiben direkt an Bahnchef Lutz wendet und neben dem Verweis auf die gravierenden personalbedingten Qualitätsverschlechterungen des Zugangebotes im Süden von Rheinland-Pfalz eine rasche rasche Beseitigung der personellen Engpässe in der Pfalz fordert. „Die Personalsituation bei DB Netz ist ein Dauerbrenner, der für die Kunden unerträgliche Maße annimmt. Schon seit vielen Monaten fallen in der Pfalz Züge aus, weil das für die Steuerung vieler Strecken im südlichen Rheinland-Pfalz zuständige Stellwerk im Neustadt/W unterbesetzt ist“, so der Vorsitzende des Zweckverbandes ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd. In Ludwigshafen komme es seit Monaten immer wieder zu Arbeitsschutzpausen, weil auch dieses Stellwerk unterbesetzt sei und dann – zum Teil mitten im Berufsverkehr – eine Stunde lang kein Zug fahre. Allein dies ist an der Schnittstelle zwischen dem gesamten pfälzischen Bahnverkehr und dem Knotenbahnhof Mannheim ein, so Landrat Dr. Brechtel, „unhaltbarer Zustand. Mit dem Lahmlegen des Bahnverkehrs an einem ganzen Wochenende hat die DB Netz kürzlich unfreiwillig bewiesen, dass die Situation dramatisch ist“.

    Komplettes Chaos, weil sich die Züge gegenseitig im Wege stehen

    Zudem folgten dann wieder die Arbeitsschutzpausen, weil ein Fahrdienstleiter alleine nicht nonstop arbeiten darf und kann. In der Praxis bleiben dann alle Züge vor Ludwigshafen eine Stunde stehen und hinterher herrscht ein komplettes Chaos, weil sich die Züge gegenseitig im Wege stehen und die Arbeitszeiten der Lokführer nicht mehr zu den Zügen passen, die fahren sollen. „Ich erwarte von DB–Chef Lutz, dass er die Personalknappheit in der Pfalz vom Vorstand aus in den Fokus nimmt. Die Versuche, regional gegenzusteuern, reichen offenkundig nicht aus. Das Versprechen, mit freigesetztem Personal aus der Modernisierung der Stellwerke in Wörth, Germersheim und Speyer zusätzliche Personale für Ludwigshafen und auch Neustadt/W zu gewinnen, hat sich in Luft aufgelöst – dies hat sich als wertlose Beruhigungspille erwiesen“, macht der Verbandsvorsteher deutlich und ergänzt: „Hinzu kommen die Zugausfälle wegen fehlender Fahrzeugpersonale. Auf mehreren Strecken in Süd- und Vorderpfalz fallen nun geplant wochenlang Züge aus. Das Image des Bahnverkehrs leidet unter diesen gravierenden Mängeln. Ich fordere deshalb von der Deutsche Bahn AG, eine Verstärkung im Bemühen, den Personalpool für die Stellwerke Ludwigshafen und Neustadt/W zu vergrößern. Gleichzeitig muss, mit Blick auf die dauerhaft hohe Krankheitsquote, den Ursachen dieser Entwicklung intensiv nachgegangen werden. Ein zuverlässiger Betrieb ist mit einem derart volatilen Personalbestand nicht möglich“.

    Störungen mit bundesweiten Auswirkungen

    Für Landrat Dr. Brechtel steht der Schienenverkehr mit der bevorstehenden Sperrung der Riedbahn nicht nur in der Pfalz vor einem großen Risiko: „Kommt es während der Sperrung der Riedbahn zu Störungen in Ludwigshafen, hat dies bundesweite Auswirkungen. In knapp fünf Wochen startet die erste Sperrphase. Da muss die Bahn zeigen, was sie kann. Scheitert dies, droht auch das Konzept der Sanierung der Hochleistungskorridore zu scheitern. Ich hoffe, der DB-Vorstand ist sich des hohen Risikos bewusst, welches die aktuell zu kurze Personaldecke für das Stellwerk in Ludwigshafen bedeutet“.

    Steffen Heumann

    INFO: Das Infomobil ist für Interessierte am Montag, 4. Dezember in Gernsheim, Bahnhof, P&R-Parkplatz Andreas-Brentano-Straße, am Dienstag, 5. Dezember in Biblis, Bahnhof, P&R-Parkplatz Am Rübgarten, am Donnerstag, 7. Dezember in Groß-Gerau-Dornberg, Bahnhof, Darmstädter Straße 94 und Freitag, 8. Dezember in Mörfelden-Walldorf, Bahnhof Walldorf, Farmstraße 5, on Tour. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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