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  • Do., 14. Februar 2019, 08:57 Uhr
    Lômbadder Babbler setzen sich mit viel Engagement für Erhalt des Dialekt ein / Kolumne Kalle & Mônners erfreut sich großer Beliebtheit

    Die Lampertheimer Mundart lebt!

    Tauschten sich mit der TIP-Redaktion über die weiteren Ziele in Sachen Lampertheimer Mundart aus: Die Lômbadder Babbler Kalle Horstfeld, Manfred „Mônners” H. Krämer, Kerstin Zecher, Hans Henning Lassen und Nadine Schütz (v.r.). Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Die Mundart erfreut sich immer größerer Beliebtheit – Comedians wie Chako Habekost und Bülent Ceylan werden auch aufgrund ihres Bezugs zu ihrem Dialekt gefeiert. Und auch in Lampertheim feiert die Mundart eine Renaissance. Dabei sind die überaus beliebten Stücke der Volksbühne und das Mundarttheater im Heimatmuseum seit Jahren und Jahrzehnten große Aushängeschilder des Lampertheimer Dialekts. Seit 2018 haben die Bemühungen um die Mundart zusätzlich neue Nahrung erhalten: Durch die Gründung der Lômbadder Babbler. 

    Am Montag besuchten deren Initiator Kalle Horstfeld, Manfred „Mônners” H. Krämer, Nadine Schütz, Kerstin Zecher und Hans Henning Lassen den TIP-Verlag, um über die bisherige Arbeit und die anstehenden Ziele zu informieren. In einem angeregten Gespräch blickten die Lômbadder Babbler positiv in die Zukunft – denn sie haben noch vieles vor. 

    Der TIP unterstützt die Bestrebungen zum Erhalt der Lampertheimer Mundart von Beginn an – unter anderem durch die wöchentliche Veröffentlichung der Kolumne Kalle & Mônners, die sehr positiv angelaufen ist. Am vergangenen Samstag ist bereits die 18. Kolumne veröffentlicht worden. Jeden Samstag soll eine weitere Kolumne folgen. „Wir erhalten sehr viele positive Resonanz – sowohl in Form der Inhalte, als auch dem Lesen und Üben des Lampertheimer Dialekts”, betonten Kalle & Mônners im Gespräch mit dem TIP. Die zwei echten Lampertheimer Buben werden jede Woche berichten, was die Leute so auf den Straßen, an den Stammtischen und anderswo so erzählen.

    Suche nach dem Dialekt

    Ausgangspunkt für das Projekt, das für Kalle Horstfeld mittlerweile „mehr als eine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Teil meines Lebens, ein Teil meiner Persönlichkeit” geworden ist, hat seine Ursprünge im reinen Interesse an der Sprache, er wollte „nur ein bisschen besser lômbaddarisch lesen und schreiben zu lernen.” Was folgte, ist eine einzigartige Entwicklung: Kalle Horstfeld lernte nicht nur den Hüttenfelder G. Schaue kennen, der handschriftliche ein Heft mit Lampetheimer Vokabeln führte, sondern der Weg führte ihn auch zu Manfred Rupp, dem Autor der 1. Lampertheimer Wörterbuches. Manfred Krämer und Kalle Horstfeld prüfen im Moment die Möglichkeiten, um das 1. Lampertheimer Wörterbuch von Manfred Rupp noch einmal nachzudrucken. Dieser hat bereits sein Einverständnis gegeben. Allerdings sind die Lômbadder Babbler der Meinung, dass jede Sprache einem historischen und gesellschaftlichen Wandel unterliegt.  Daher sollen das Wörterbuch mit den Originalbegriffen von Manfred Rupp erhalten bleiben, ergänzt mit neuen Wörtern der Lômbadder Babbler. Auch auf die Festlegung des ao, oa oder auch aoao, auf das O mit Zirkumflex werden sich andere und neue Wortschreibungen ergeben.

    Mitmachen erwünscht

    Wer die Lômbadder Babbler persönlich kennen lernen möchte oder sich für die Lampertheimer Mundart interessiert, hat dazu in naher Zukunft zwei Gelegenheiten: Am 21. Februar ist der internationale Tag der Muttersprache. Gemeinsam mit dem Stadtmarketing und dem Odenwaldklub werden die Babbler eine Radwanderung vom Kroddeloch zum Gaaseneschd organisieren. Entlang der Fahrstrecke werden aktuelle Lampertheimer Straßen ein zweites Schild mit ihrer lômbadderischen Schreibweise bekommen. So wir die 1. Neugasse zur Erschdie Neigass oder die Römerstraße zur Reemaschdrooß. Start ist um 15.30 Uhr an der Europabrücke, Sandtorfer Weg 3. Den Abschluss bilden um 17.30 Uhr im Alten Rathaus einige Vorträge der Lômbadder Babbler.

    Die zweite Gelegenheit bietet der Themenabend Fasnacht und Aschermittwoch am 19. März. An diesem Abend sollen Gedichte und Kurzgeschichten zum Thema Fasnacht und Aschermittwoch vorgetragen werden – alle im Lampertheimer Dialekt. Die Geschichten und Gedichte werden von den Vortragenden selbst geschrieben, ins Lômbadderische übersetzt und vorgetragen. Weitere Treffen sind für den 16. April, 14. Mai, 25. Juni, 6. August, 17. September, 29. Oktober und 10. Dezember geplant.

    Sprachunterricht gestartet

    Jüngstes Kind der Babbler ist die Einführung des heimatkundlichen Sprachunterrichts an einer Lampertheimer Grundschule, der am 8. Februar startete – ein ganz besonderer Tag für Kalle Horstfeld: „Als ich am 25.09.2018 bei unserem Landrat Christian Engelhardt den Antrag stellte, einen heimatkundlichen Sprachunterricht an einer Lampertheimer Grundschule einzuführen, hatte ich nur eine vage Vorstellung davon, wohin dieser Weg führen könnte. Jetzt wird dieser ‚kleine‘ Traum für mich endlich wahr. Die erste Begegnung mit den Kindern unseres heimatkundlichen Sprachunterrichts an der Schillerschule hat mich sehr berührt. Die Welt sieht mit den Augen eines Kindes ganz anders aus als Erwachsene sie sehen oder zu sehen glauben.” Schön wäre es zudem, wenn sich auch Kinder für das Thema Mundart und Dialekt interessieren würden – vielleicht finden sich auch einige Kinder, die Geschichten und Gedichte im Lômbadder Dialekt vortragen können. Unter dem Titel „Lômbadder Babbler Kinna” würden diese beispielsweise auch in das Rahmenprogramm bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Lampertheim sehr gut passen.

    Lômbadder Buch und vieles mehr

    „Im Moment überlegen wir auch ein Lômbadder Buch zu erstellen”, bekannten die Lômbadder Babbler. Darin sollen Lômbadder Wörter sein, aber auch kleine Geschichten die bei den Treffen der „Lômbadder Babblern“ schon vorgestellt wurden. Darüber hinaus weitere Informationen rund um das Thema Mundart und den Lômbadder Dialekt. Auch Ideen für einen Kurzgeschichten-Wettbewerb gibt es bereits, ebenso wie für Infostände mit Mônners und Kalle, um mit den Lampertheimern Bürgern noch besser ins Gespräch zu kommen und so den Dialekt zu bewahren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Lampertheimer Wort- und Satzbaukasten weiter wächst. Er ist auch als eine Grundlage gedacht, um den Lampertheimer Dialekt besser lesen und schreiben zu können. Bisher wurden circa 2.500 Wörter und Begriffe aus Büchern, von Bürger, und eigenen Aufzeichnungen gesammelt. Darüber hinaus laufen Überlegungen, möglichst alle Mundartgruppen im Ried zu einem gemeinsamen Treffen zusammen zu bringen, unter anderem um eventuell einmal eine gemeinsame Veranstaltung zu organisieren. „Viernheimer und Mannheimer Gruppen bekommen natürlich eine Wild Card”, so Kalle Horstfeld mit einem Augenzwinkern. „Wir suchen auch weiterhin Personen und ‚Zeitzeugen‘ die uns Geschichten und Aufzeichnungen zum Thema Lampertheim zur Verfügung stellen. Mögliche Themen wären ‚Mein schönstes Erlebnis in Lampertheim?‘, ‚Warum ist so gerne in Lampertheim lebe?‘ oder ‚Welche Erinnerungen verbinde ich mit Lampertheim?‘“. Benjamin Kloos

     

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