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Di., 25. März 2014, 10:13 Uhr
Pfarrerin Bettina Poertner verabschiedete sich im Gottesdienst aus Bürstadt
Die Last von zwei Jahren und einer Teamarbeit, die nicht gedeihen wollte
Beate Fritz vom Kirchenvorstand Bürstadt verabschiedete Pfarrerin Bettina Poertner mit herzlichen Worten und einem Blumenstrauß. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Die evangelischen Gemeinden in Bürstadt, Bobstadt und Riedrode haben eine Pfarrerin verloren. Am Sonntag feierte Pfarrerin Bettina Poertner ihren Abschiedsgottesdienst in der evangelischen Kirche in der Heinrichstraße. Viele Bankreihen waren dicht besetzt. Bürgermeisterin Bärbel Schader, der Bobstädter Ortsvorsteher Hans-Georg Gött und Erster Stadtrat Walter Wiedemann waren gekommen. Mit Blick auf die „Passionsgemeinde“ stellte Pfarrerin Poertner fest: „Viele Gesichter sind neu“. Es war „Okuli“, der dritte Sonntag der Passionszeit, die Leidenszeit Christi. Dazu passte ein schöner liturgischer Gesang aus dem Gesangbuch, wie Pfarrerin Poertner erklärte, der gar nicht leicht auf den hinteren Seiten zu finden sei: „Oculi nostri ad dominum Deum“ sang die Gemeinde die lateinischen Worte, dann „Unsere Augen sehen stets auf den Herrn“. Für die Schriftlesung hatte sie das Evangelium von Lukas, Kapitel 9, Vers 62, ausgewählt. Um den Ernst der Nachfolge geht es dort, um Jesus und seine Jünger, denen er viel abverlangt, um ihm nachfolgen zu dürfen. So sagte Jesus: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“. Die stellvertretende Dekanin Helga Donat nahm dann die Entpflichtung vor, so heißt die Verabschiedung im offiziellen Sprachgebrauch der Kirche, wie Pfarrerin Poertner der Gemeinde erklärt hatte. Donat dankte ihr für ihren Einsatz in Bürstadt, Bobstadt und Riedrode, wünschte ihr alles Gute für ihre neue Aufgabe und sprach ein Gebet: „Wir danken dir heute für den Dienst von Pfarrerin Poertner, wir bitten dich, lass ihre Mühe nicht vergebens gewesen sein“. In ihrer Predigt nahm Pfarrerin Poertner die Geschichte mit Jesus und den Jüngern wieder auf, die ihm nachfolgen wollten und spannte den thematischen Bogen zum Abschied aus Bürstadt. „Neue Wege fangen mit neuen und hoffnungsvollen Gedanken an“, erinnerte sie sich an ihren Beginn in Bürstadt. Und es habe auch schöne Begegnungen gegeben, das Krippenspiel in Bobstadt zum Beispiel, die kurzweiligen Sitzungen des Kirchenvorstandes in Bobstadt und die Erlebnisse beim Weltgebetstag der Frauen. Nun habe sie eine neue Stelle gefunden, eine eigene Gemeinde in der Wetterau, wo sie auch ihrer Familie näher ist. Ein weiteres Lied aus dem Gesangbuch, das sie ausgesucht hatte, passte im Sinn zu dieser Situation: „Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt“. Beate Fritz, Mitglied im Kirchenvorstand Bürstadt, verabschiedete die Pfarrerin Poertner mit einem Blumenstrauß und gab ihr gute Wünsche mit auf den Weg: „Mögen die fröhlichen, die glücklichen Zeiten in deiner neuen Gemeinde überwiegen, aber auch das weniger Schöne gehört dazu, so ist das Leben“. Unter Tränen der Rührung überbrachte Karin Montag vom Kirchenvorstand in Bobstadt gute Wünsche und einen Blumenstrauß. Als Schlusslied sang die Gemeinde „Sanftmut den Männern, Großmut den Frauen“. Es lag nicht an der Passionszeit, dass eine große Bedrückung in der Kirche zu spüren war, es war offenkundig die Last von zwei Jahren Tätigkeit in Bürstadt mit einem Kollegen, der die Zusammenarbeit sehr viel anders gestaltete als es die Stellenbeschreibung der Pfarrerin vorsah. Dies war vielen bekannt und auch bei der Verabschiedung war allen Bekundungen deutlich zu entnehmen, dass Pfarrerin Poertner ihren neuen Weg aus bewusster Entscheidung geht, aber mit erkennbarer Bitterkeit. Vor zwei Jahren trat sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Dirk Greverus ihren Dienst an - als gleichberechtigte Teammitglieder wie sie meinte. Allerdings habe es von Anfang an in der Zusammenarbeit geknirscht, gab Pfarrerin Poertner im Gespräch nach dem Gottesdienst zu verstehen. Zu unterschiedlich seien die Vorstellungen gewesen. Nach dem besinnlichen Orgelnachspiel von Joachim Dux waren alle Gottesdienstbesucher ins „Kirchen-Café“ eingeladen, wo Pfarrerin Poertner sich auf persönliche Begegnungen freute. Die Kaffeetafel war schön gedeckt, alle Plätze besetzt, der Sekt eingeschenkt. Hannelore Nowacki
Die offizielle Verabschiedung nahm die stellvertretende Dekanin Helga Donat vor. Foto: Hannelore Nowacki