Fr., 17. Februar 2017, 08:57 Uhr
Heinrich Kraft mit Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet
Die Leidenschaft zum Amateurtheater prägt sein Leben

Heinrich Kraft erhielt für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement den Ehrenbrief des Landes Hessen, den Landrat Christian Engelhardt im Rahmen einer kleinen Feier mit Bürgermeister Gottfried Störmer (links) und Ortsvorsteher Alexander Scholl überreichte. Foto: Hannelore NowackiHOFHEIM – Theater ist sein Leben, genau genommen ist das Amateurtheater seit Jahrzehnten in wechselnden Rollen und Funktionen seine Leidenschaft: Heinrich Kraft. In Hessen, im Kreis Bergstraße, in Lampertheim und Hofheim ist sein Name mit jahrzehntelangem Engagement im Ehrenamt verbunden. Einen großen Teil seiner Lebenszeit hat der gelernte Kaufmann und Quereinsteiger Heinrich Kraft dem Theater und dem Ehrenamt gewidmet, von Ehefrau Anneliese Kraft unterstützt, die selbst auch beim Amateurtheater aktiv war. Für diese langjährige ehrenamtliche Tätigkeit erhielt Heinrich Kraft am Mittwoch den Ehrenbrief des Landes Hessen mit den Unterschriften des Ministerpräsidenten und des Landrats sowie die Ehrennadel, überreicht von Landrat Christian Engelhardt, der auch die von Begeisterung getragene Laudatio hielt. An der kleinen Feier im Trausaal des Alten Rathauses nahmen auch der Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer und Ortsvorsteher Alexander Scholl teil. In seiner Laudatio ging Landrat Engelhardt weit in die Vergangenheit zurück und nahm die Zukunft in den Blick, denn Heinrich Kraft hat sich einige Theaterprojekte vorgenommen. Friedrich Dürrenmatts Krimi-Hörspiel „Abendstunde im Spätherbst“ will er als Bühnenkrimi oder als Krimi-Dinner inszenieren. Auch sehr anspruchsvoll sei „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor, ein Dialog zwischen zwei Juden im Jahr 1933, einer in Amerika, der andere in Nazi-Deutschland lebend, vorzulesen aus Briefen. Die Jugend liege Kraft besonders am Herzen, berichtete Landrat Engelhardt. An der Alfred-Delp-Schule unterrichtet Kraft als freiberuflicher Dozent Realschüler der fünften bis zehnten Klassen in den Fächern „Darstellendes Spiel“ und „Biografisches Theater“ zwei Stunden in der Woche. Kraft organisiert Kulissen und Kostüme und unterstützt schulische Veranstaltungen wie den Tag der offenen Tür oder die Einschulungsfeier. Zurzeit bereitet Kraft eine Musicalversion von „Der Zauberer von Oz“ zur Aufführung noch in diesem Jahr vor. „Das Dschungelbuch“, das erste Jugend-Musical unter seiner Regie, führte die ein Jahr zuvor gegründete Jugend-Musical-Gruppe 2009 auf der Bürgerhausbühne auf. Heinrich Kraft war bis 2010 selbst auf der Bühne aktiv, im selben Jahr wurde er in den Vorstand des Landesverbandes Hessischer Amateurtheater berufen - seine ehrenamtliche Tätigkeit als Bereichsleiter Hessen-Süd übt er bis heute aus. Vom Schauspieler zum Regisseur wurde Heinrich Kraft durch vielfältige Fortbildung, umfassende Kenntnisse hat er sich auch in der gesamten Theatertechnik erworben. Beim Hessentag 2011 in Oberursel war der Verband mit 18 Bühnen vertreten, ein Projekt, an dem er großen Anteil hatte. In Hofheim hatte Kraft 1990 die Hofheimer Theatergruppe als Abteilung in der Sängervereinigung 07/20 gegründet, dort war er als ehrenamtlicher Abteilungsleiter tätig, bis 1996 aus der Abteilung die Hofheimer Theatergruppe „Die Krautstorze“ wurde. Die ganze Familie habe die Leidenschaft fürs Theater geteilt, erzählte Heinrich Kraft in der anschließenden Gesprächsrunde. Auf sein Wohl wurde mit einem Glas Sekt angestoßen. Bürgermeister Störmer sprach dem temperamentvollen Geehrten seine Bewunderung aus: „Diese Frische, diese Dynamik, die Sie zeigen, ist ganz fantastisch“. Ortsvorsteher Scholl erinnerte sich, als kleiner Bub habe er die Aufführung „Familienkrach im Doppelhaus“ gesehen, bei der die Familie Kraft mitwirkte. Seine Schauspiellaufbahn habe er früh als junger Liebhaber begonnen, erzählte Heinrich Kraft, eine Rolle, die ihm zufällig zugefallen sei. Was den Unterschied zwischen Laientheater und Amateurtheater ausmacht, erklärte Heinrich Kraft kurz und bündig: Amateure sind Profis, die es aus Spaß machen, nicht wegen des Geldes. Laien spielen ohne vertiefte Kenntnisse, meist relativ einfache Stücke wie Komödien. Denkt Heinrich Kraft mit 80 Jahren an den Rückzug in den Ruhestand? Noch nicht, er hat noch einiges vor. Zwanzig Bühnen gebe es im Landkreis Bergstraße, über 230 Bühnen in Hessen. Sein Rat werde gerne eingeholt, er komme viel herum. „Heiner, komm mal schnell, schau mal unsere letzte Probe an“. Eine Bitte, die er kaum abschlagen kann. Hannelore Nowacki