Gut besuchter „Tag der offenen Tür“ bei der Feuerwehr / Schätzspiel für guten Zweck
Die Wattemer Kerb war heiß
Nach der Kranzweihe lief die Kerwe wieder auf Hochtouren. Kerwevadder Joachim Bormuth hatte die Zuschauer mit lustigen Reimen aufs Feiern eingestimmt. Foto: Hannelore Nowacki
WATTENHEIM – Jetzt ist bewiesen: Die Wattenheimer sind äußerst hitzefest, sogar bei weit über dreißig Grad im Schatten lassen sie sich den Appetit auf Kotelett, Schnitzel, Rostbraten und Bratwurst mit schön viel Pommes Frites nicht nehmen. Dabei fehlte es in der Schulstraße, die als Kerweplatz teilweise für den Verkehr gesperrt war, vor allem an Schatten. Ein Grund sicher auch, weshalb sich an den wenigen Buden und am kleinen Kinderkarussell kein Kerwetreiben entwickeln wollte. Schöne Kerweatmosphäre konnte wohl auch wegen der auseinandergezogenen Aufstellung nicht aufkommen. Anders bei der Feuerwehr: Wenn die Sonne schon am Vormittag ihre Kraft demonstriert wie am Kerwemontag, setzt nach der Kerwerede und dem Kranzaufhängen erst recht der Ansturm auf Haxen und Rippchen mit Sauerkraut ein. Kaum hatten die beiden Kerweborsch den Baum samt geweihten Kranz zum Aufstellen angepackt, löste sich die Zuschauerschar auf dem gegenüber liegenden Gehsteig auf, um im Zelt der Feuerwehr einen Platz zum Weiterfeiern zu ergattern. Die Freiwillige Feuerwehr hielt neben einer gut gefüllten Speisekarte für jeden einzelnen der vier Kerwetage natürlich auch jede Menge Durstlöscher bereit. Am Freitag grub Kerwevadder Joachim Bormuth die Kerwe nach altem Brauch aus, am Sonntag hatte die Feuerwehr zum „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Auf Wunsch wurden Führungen durch das Feuerwehrhaus angeboten, in dieser Hinsicht waren die Gäste offenbar wunschlos zufrieden. Neu in der Ausrüstung der Feuerwehr ist ein Rettungsbrett, um Patienten wirbelsäulengerecht transportieren zu können. Das habe sich bereits bei einem Einsatz bewährt, berichtete Wehrführer Christian Neumann. Ebenfalls neu ist ein Schlauchwagen mit B-Schlauch zur Wasserbeförderung über lange Wegstrecken bis zu 500 Metern. Zum traditionellen Frühschoppen ab zehn Uhr in der Frühe blieben die Plätze am Feuerwehrhaus leer, erst später zum Kerwelauf der SG NoWa zur frühen Mittagszeit füllte sich das große Platzangebot. Diesmal waren die Feuerwehren der Umgebung mit kleinen Delegationen vertreten. Mit großem Aufgebot hingegen kam der Spielmannszug der Feuerwehren Bürstadt und Hofheim zur Mittagszeit, um die Gäste mit einem schönen Platzkonzert zu erfreuen. Am Vorabend bis in die tropenwarme Nacht hatten die FC Boys (die sich mit dem Nordheimer Partnerverein unter dem Namen SG NoWa vereinigt haben) mit ihrer Cocktailbar für Stimmung gesorgt. Neu im Angebot für den Spätschoppen bei der Feuerwehr am Sonntagabend waren Kochkäse und Handkäse mit Musik, dazu wurde Odenwälder Apfelwein ausgeschenkt. Feuerwehrsprecher Boris Morew zeigte sich mit der Kerwe und dem Ergebnis des Schätzspiels sehr zufrieden. Der Bevölkerung und den Anwohnern sprach er seinen Dank aus.
Ihnen hat es gut geschmeckt. Für die angenehme Kühlung sorgen Fächer und Getränke. Foto: Hannelore Nowacki
Kerwemontag mit Rede und Kranzweihe
Nach altem Brauch gehören zur Kerwe in Wattenheim eine süffige Rede und die Kranzweihe mit anschließendem Aufstellen des Kerwebaums. So geschah es auch diesmal wieder. Kerwevadder Joachim Bormuth füllte nach einjähriger Pause erneut sein Amt mit voller Kraft aus, nachdem im letzten Jahr Siegbert Ochsenschläger die Schärpe des Kerwevadders getragen und hoch auf der Leiter seine Rede gehalten hatte. Die Leiter hatte am Montag ausgedient, Kerwevadder Bormuth brauchte nur drei Stufen zu nehmen, um von leicht erhöhter Position seine „Kerwerede 2015“ zu entrollen – bald reichte sie zu seinen Fußspitzen, dann erreichte sie tief unten den Asphalt. Zuvor war die Kerwemannschaft mit Baum, Kranz und Musik feierlich einmarschiert. Klaus Weiß spielte auf seiner Quetschkommode schwungvolle Stimmungslieder und begleitete die Kerwerede mit den passenden Liedeinspielungen. An jedem Ende des Kerwebaums hielt ein Kerweborsch fest. Roman Babist und Rico Kronauer waren von der letztjährigen Kerweborsch-Mannschaft übrig geblieben. Dennoch gelang die Baumaufstellung ruckzuck. Was hatte der Kerwevadder seinem gespannt lauschenden Publikum zu sagen? Mangels großer oder besonderer Ereignisse im Ort reimte er allerlei lustige Kerweweisheiten und erfreute das Publikum mit guter Laune. Der Mundschenk sorgte mit eifrigem Nachschenken, dass die Kerwerede flüssig blieb. Waren die Wattenheimer alle zu Engeln geworden, über die es wenig Kurioses zu erzählen gibt? Das nicht gerade, aber diese Seiten mussten im Dunkeln bleiben. Nur die Übeltäter, die in der Kirche gewütet hatten, nahm Kerwevadder Bormuth ausdrücklich ins Visier. Die Zuschauerrunde auf dem Gehweg gegenüber hatte dennoch einiges zu lachen und machte gerne beim Schunkeln im Stehen mit. Der frisch gebundene Kerwekranz erhielt am Schluss einen Strahl aus grüner Gießkanne, bevor er hoch in den blauen Himmel gehievt wurde. Hannelore Nowacki
Infokasten:
Schätzspiel der Feuerwehr – Erlös für das Kinderhospiz in Dudenhofen
Wie schwer wiegen Löschfahrzeug und die Mannschaft zusammen? Eine Frage, die nicht ganz einfach zu beantworten war. Die Lösung lautete 7.380 Kilogramm. Das Beweisfoto von der Wiegeaktion wurde gut verschlossen aufbewahrt, wie Boris Morew im Gespräch mit dem TIP versicherte. Die Kerwebesucher bei der Feuerwehr und ein Feuerwehrkamerad mit aufrundendem Einsatz sorgten dafür, dass nun eine Spende in Höhe von 300 Euro für das Kinderhospiz in Dudenhofen zusammengekommen ist.
Mitsingen, schunkeln, lachen und auf die nächste Pointe warten – bei der Kerwerede hatten die Zuschauer ihren Spaß. Foto: Hannelore Nowacki