Bürgermeister-Tour: SPD-Landratskandidat Gerald Kummer bei Rainer Bersch
Die Zukunft steckt in der Erde
Gemeinsam im Gespräch: Groß-Rohrheims Bürgermeister Rainer Bersch und SPD-Landratskandidat Gerald Kummer (v.r.). Foto: oh
GROSS-ROHRHEIM - Ein heißes Thema beschäftigt die Gemeinde Groß-Rohrheim an der Nahtstelle der Landkreise Bergstraße und Groß-Gerau. Geo-Thermie heißt das Zauberwort, das Bürgermeister Rainer Bersch (SPD) im Gespräch mit Landratskandidat Gerald Kummer (SPD) nennt. Eine heiße Quelle haben Geologen in 2,5 Kilometer Tiefe im Rheinischen Tiefgraben unter seiner Gemeinde ausgemacht. Die müsse angebohrt werden, erzählt Bersch, und Kummer erweist sich als Experte in Sachen Erdwärme. „Das wäre für die Gemeinde ein tolle Sache“, denn so könne man mit heißen Wasser über Generatoren Strom gewinnen und mit der Restwärme Haushalte günstig heizen. Zur Beruhigung der Kritiker fügt Bersch an, das Wasser werde anders als im südbadischen Stauffen (wo Setzrisse auftraten) nicht entnommen, sondern in einem Kreislaufsystem angezapft. Risiko: Die Menge des heißen Wassers sei nicht berechenbar und koste fünf Millionen Euro pro Bohrloch.
Ganz anders als mit dem warmen Segen aus der Tiefe verhalte es sich mit den Finanzen, klagte der Bürgermeister seinem Gast Gerald Kummer sein Leid, als der sich auf seiner Tour zu den Bürgermeistern im Landkreis Bergstraße erkundigt, wo der Schuh drückt. Das Geld sprudelt nicht, wie es müsste. Chronisch unterfinanzierte Haushalte sind fast in allen Kommunen ein dickes
Problem, und Kummer wird nicht müde zu betonen, die Ursache zu benennen: Das Land lässt Städte und Gemeinden seit Jahren beim kommunalen Finanzausgleich im Stich. Und auch die neue Berechnung der Mittelzuweisung (Kummer: "die reicheren sollen zugunsten der ärmeren Kommunen gerupft werden") helfe fast keinem weiter, weil ja das zu verteilende Geld in der Summe nur anders verteilt, aber nicht mehr werde. Das ist in der Gemeinde Groß-Rohrheim nicht anders als landauf, landab.
Kummer: „In Hessen fehlt eine Milliarde. Städte und Gemeinden müssen Steuern und Abgaben drastisch erhöhen, wenn sie ihre Haushalte in Richtung einer geforderten schwarzen Null fahren wollen. Die Bürger werden zur Kasse gebeten, während sich Kanzlerin Merkel in Berlin damit brüstet, Steuern nicht erhöhen zu wollen“, kritisiert der Kandidat, der 17 Jahre lang Bürgermeister in Riedstadt war. „Wir haben kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem“, stellt Rainer Bersch klar, als er berichtet, dass sein größter Gewerbesteuerzahler , der Fenster- und Türenhersteller Schüco, wegziehe.
Derzeit könne er seine Flächen im Industriegebiet zweimal verkaufen, sagt der Bürgermeister. Das Drogerie-Unternehmen wolle 50.000 Quadratmeter Fläche. Bersch: „Das wäre ideal“, wenn das Aber nicht wäre. Und das hänge mit der Feuerwehr zusammen. Weil bei Rossmann wassergefährdende Stoffe gelagert würden, müsse die Feuerwehr personell verstärkt werden. Doch der sind Einsatzkräfte abhanden gekommen. Man arbeite mit Biblis zusammen, das drei Feuerwehren hat.
Die Anbindung an die S-Bahn bis 2017/18 und die Breitbandversorgung in Groß-Rohrheim waren weitere Themen im Gespräch der beiden Politiker. Sein Wahlspruch sei, sich kümmern zu wollen, sagt Kummer. Kümmern könne er sich aber nur, „wenn ich mit den Menschen spreche“. zg